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13. Januar 2009, 18:39 Uhr

Tödliche Schüsse am Silvester-Abend

Es war auf keinen Fall Notwehr. Da sind sich die Ermittler sicher. Warum aber ein Zivilbeamter am Silvesterabend in Schönfließ in Brandenburg auf einen gesuchten Straftäter geschossen hat, ist vorerst ungeklärt. Gleich der erste Schuss war tödlich. Doch der Polizist feuerte weiter.

Schönfließ, Polizei erschießt Verkehrsrowdy, acht Schüsse, Polizei, Neuruppin

Opfer von Polizei-Schüssen: Der unbewaffnete Straftäter Dennis J. starb am Silvesterabend© Michael Urban/DDP

Er schoss auf einen unbewaffneten Straftäter, bis das Magazin seiner Pistole leer war: Gegen einen Berliner Polizisten, der am Silvesterabend im brandenburgischen Schönfließ einen gesuchten Verkehrsrowdy getötet hat, ist Haftbefehl ergangen. "Die Schüsse waren zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt, es war auf keinen Fall Notwehr", sagte der Leitende Neuruppiner Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher am Dienstag.

Achtmal feuerte der 34-jährige Zivilbeamte auf den Gesuchten - schon die erste Kugel aus kurzer Distanz war tödlich. In Untersuchungshaft kommt der Polizist vorerst nicht, der Haftbefehl wegen des Verdachts des Totschlags wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Tipp aus der Familie des Opfers

Der Berliner Beamte bekam nach Darstellung Schnittchers am Nachmittag des 31. Dezember 2008 einen Tipp, wo sich der 26-jährige Straftäter aufhalte. "Der Hinweis kam aus dem Kreis der Familie der Freundin des Opfers", erklärte Schnittcher. Der Stiefvater der minderjährigen Freundin des Mannes arbeitet bei der Bundespolizei. Ob er seine Polizeikollegen rief, wollte Schnittcher nicht sagen.

Schon zweimal war der 26-Jährige, der nicht weniger als 158 Straftaten von Verkehrsdelikten bis gefährlicher Körperverletzung auf dem Kerbholz hatte, den Fahndern entwischt. Einmal besprühte er einen Beamten mit Pfefferspray, ein anderes Mal raste er in einer Hollywood-reifen Verfolgungsjagd quer durch Berlin und wurde schließlich gestoppt. Deswegen wurde er laut Schnittcher zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt, doch die Haftstrafe trat er im Juli nicht an. Seither wurde nach ihm gefahndet - bis zu dem folgenschweren Silvesterabend.

Schüsse aus kurzer Distanz

Zu dritt eilten die Zivilbeamten am letzten Tag des Jahres im Auto nach Schönfließ, wo der Gesuchte seine Freundin abholen wollte. Dort sahen sie den Straftäter in einem Auto sitzen und hielten schräg vor dem Wagen. Was dann geschah, ist später mit 50 Beamten vor Ort aufwendig rekonstruiert worden. Demzufolge stiegen zwei der drei Beamten aus, blieben neben dem Sportwagen des Verdächtigen stehen. "Es kam zu einem aggressiven Wortwechsel", berichtete Schnittcher.

Dann schoss der 34-jährige Beamte, der direkt neben der Fahrertür stand, "aus kurzer Distanz". Der Schuss in die Brust war tödlich, der Getroffene überlebte ihn nur wenige Momente. "Es war definitiv kein Querschläger, wie in der Presse zu lesen war", meinte Schnittcher. Es sei ein gezielter Schuss gewesen. Das Geschoss habe zwar leichte Abschürfungen gehabt, diese seien aber durch das Durchschlagen der Seitenscheibe entstanden.

Das Motiv bleibt vorerst rätselhaft

Der Sterbende ließ den Motor an, startete durch, fuhr gegen eine Häuserwand, fuhr zurück, kollidierte mit dem Polizeiwagen und raste noch einige Meter davon. Einer der Beamten gab später an, er sei vom Auto des Gesuchten am Knie verletzt worden. Der Schütze feuerte während der kurzen Fluchtfahrt noch siebenmal aus seiner Dienstwaffe, fünf Schüsse trafen das Auto, aber keiner den Flüchtenden. "Bis das Magazin leer war", sagte Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper. Der Polizist schweigt bisher zu den Vorwürfen.

Angaben zum Motiv machten die beiden Juristen am Dienstag nicht. Mord sei jedenfalls ausgeschlossen - da Täter und Opfer nicht in persönlicher Beziehung standen. Ein Eifersuchtsdrama, wie es in den Medien kursierte, sei also ausgeschlossen. War es eine Hinrichtung? Der sonst so ruhige Schnittcher, laut und bestimmt: "Nein!"

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Malt (15.01.2009, 17:24 Uhr)
@Crossbow
Na, da bleibt mir eigentlich nur, Ihnen zu wünschen, dass Sie im Gegenzug mal Opfer eines derartigen Polizisten werden. Denn ich hätte es lieber, wenn mir jemand mein Auto klaut, als dass mir jemand eine Kugel in die Brust schiesst!
@Buckshot
Lernen Sie mal lesen: Die Verfolgungsjagd, respektive das davonfahren des Opfers war ja das Resultat des Umstandes, dass der Typ angeschossen wurde und vermutlich unter SAchock stand... wenn er, der quasi im Sterben lag, noch einen unschuldigen Passanten überfahren hätte, dann wäre es, meines Erachtens, eher dem Polizisten denn dem Fahrer anzulasten gewesen...
.
Aber vermutlich läuft es mal wieder darauf hinaus, dass sich "versehentlich" ein Schuss gelöst hatte... kein Wunder, dass die Statistik der tödlich geendeten Schusswaffeneinsätze der Polizei in Deutschland Verschlusssache ist... ein Skandal in einem demokratischen Staat, meiner Ansicht nach.
sportartmakler (14.01.2009, 10:06 Uhr)
applaus an die beifallklatscher
ihr habt wirklich ne macke. nicht nur weil solche vorfälle eine spirale der gewalt lostreten können, von beiden seiten natürlich, sondern weil ihr nicht differenziert. wenn dieser kerl wegen körperverletzung, mißbrauch grundsätzlich wegen körperlicher gewalt gegen andere, dieses schicksal erleidet hätte, wär´s mir egal bzw. hätte es als gerecht empfunden. da dieser kerl aber größtenteils nur diebstähle zu verzeichnen hatte und die umstände seiner "verhaftung" mehr einer hinrichtung gleichen, hat der polizist eindeutig überreagiert ( um ihm nichts zu unterstellen...). aus nähester entfernung das ganze magazin in ihn reigepumpt? hat das ganze wohl mit nem schießstand verwechselt.
whatever (14.01.2009, 08:10 Uhr)
Ich glaub´s nicht...
Da erschießt ein Polizist offensichtlich ohne zwingenden Grund (selbst die rüdesten verbalen Angriffe seitens des Opfers können so etwas niemals rechtfertigen!) einen Unbewaffneten und erntet hier auch noch Beifall?!
Wenn ich mir ausmale, wohin dieser Weg führen könnte, wird mir angst und bange.
Apropos typisch deutsch: Typisch deutsch ist es meiner Meinung nach, jemanden, der eine Uniform trägt über jemanden zu stellen, der keine an hat...
Countryjoe (14.01.2009, 08:10 Uhr)
Lächerlich!
Will man jetzt auch die Polizei entwaffnen, nachdem man schon das Volk entwaffnet hat?
Sollen die Polizeibeamten, die hier schon aus politischer Korrektheit genug zu erdulden haben, mit Wattebäuschchen werfen wenn sie jemand überfahren will?
Ich sehe das so, hier ist ein Berufskrimineller an den Risiken seines Berufes gestroben und das man nun einen Polizisten dafür kreuzigen will, passt zum berliner Zeitgeist.
Crossbow (14.01.2009, 07:42 Uhr)
@Julian2225
Ich hoffe Sie werden mal Opfer eines solchen Serientäters, dann überlegen Sie sich unreflektierte Antworten vielleicht mal besser. Dummschwätzer sind die die aus sicherer Entfernung einen Beamten verurteilen der vor Ort seinen Kopf hinhält. Leider typisch deutsch.
Julian2225 (14.01.2009, 07:02 Uhr)
Selbstjustiz....
Selbstjustiz bleibt Selbstjustiz, auch wenn sie von einem Polizisten "vollstreckt" wird! Aber da Polizist ein Ausbildungsberuf ist und nicht angeboren, koennte es sein das so mancher diese Richtung einschlug weil er zuviele US-Krimi-serien...ala 24 gesehen hat! Es ist wirklich schockierend wie tief Deutschland gesunken ist, amerikanische Verhaeltisse wo man nur hinschaut!
Julian2225 (14.01.2009, 06:53 Uhr)
Hmm
Amerikanische Verhaeltnisse kann man da bloss sagen! Erst schiessen dann weiterfragen!
Der naechste tote Polizist der von einem ueberreagiereden Straftaeter getoetet wird kann sich bei seinem Kollegen bedanken! Vielleicht muss man nun auch davon ausgehen das man bei einem Verkehrsdelikt gleich mit akuter Waffengewalt der Justiz rechnen muss. Vielleicht war und ist das nur die Spitze des Eisberges! (Auch eine Uniform bzw. eine Polizeimarke sollte kein Freibrief fuer Verbrechen sein und das war es! Selbst wenn er 2000Straftaten begangen haette, fuer alle Dummschwaetzer hier!)
Crossbow (14.01.2009, 06:44 Uhr)
@RosaRosa: Dummes Geschwätz?
Der Beamte hat einen Serientäter (160 Straftaten) von hoher Agressivität von der Platte geputzt. Man sollte dem beamten einen Orden dafür verleihen. Das Gejaule um den 'armen Jungen' ist pervers.
Buckshot (14.01.2009, 00:13 Uhr)
Absolut richtiges Verhalten
Das einzige, was hier bedenklich ist, ist der manipulative Charakter dieses Artikels.
Der Verstorbene hat in der Vergangenheit eindeutig aggressives Verhalten gegenueber Beamten an den Tag gelegt. Wer kann wissen, ob er diesmal wieder Pfefferspray oder vielleicht eine Waffe ziehen wollte. Ich erinnere an Heilbronn.
Die Schuesse 2 bis 5 wurden abgefeuert, um eine weitere Verfolgungsjagd zu verhindern. Auch das ist, bei der Vorgeschichte des Verstorbenen zu verstehen. Ich jedenfalls, moechte nicht von irgendjemandem, der meint ueber dem Gesetz zu stehen, ueber den Haufen gefahren werden.
Sein wir froh, dass es Leute gibt, die fuer viel Ideal und wenig Bezahlung taeglich ihren Hintern fuer uns riskieren.
RosaRosa (13.01.2009, 23:35 Uhr)
Dummes Geschwätz
Was lese ich hier für dümmliche Kommentare? Erstens gibt es bei uns, zum Glück, keine Todesstrafe mehr und zweitens, selbst wenn es sie gäbe, müsste dem ein Prozess vorausgehen. Wo kommen wir hin, wen sich Polizisten zu Herren über Leben und Tod aufspielen? Mit Menschenleben geht man nicht so leichtfertig um. Auch wenn der Gesuchte viele Straftaten auf dem Kerbholz hat, offensichtlich in der Masse minderschwer, sonst wäre er längst hinter Gittern, so bleibt er doch ein Mensch.
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