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1. Juli 2010, 13:20 Uhr

Total verzockt

Die vier Pokerräuber, die Anfang März in Berlin 242.000 Euro erbeuteten, stellten sich so dumm an, dass sie ruckzuck geschnappt wurden. Nun müssen sie bis zu dreieinhalb Jahre in Haft. Von Manuela Pfohl

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Nach dem Überfall vor der Spielbank des Berliner Hotel Grand Hyatt© Timus Emek/DDP

Was für eine Geschichte: Da haben zwei Männer, von denen es heißt, sie seien ganz üble Unterwelt-Clanchefs einen Plan. Sie wollen ein Pokerturnier im Berliner Luxushotel Grand Hyatt überfallen, was aus krimineller Sicht erstmal keine schlechte Idee ist. Denn für das Turnier Anfang März sind eine Menge Startgelder eingezahlt worden. Fast eine Million Euro liegen im Tresor und werden offensichtlich nur von einem Wachmann und einem Hotelpraktikanten bewacht. Doch statt den Royal Flush, machen die Clanchefs den Fehler ihres Lebens. Sie engagieren nämlich vier Ganoven, die sich so dumm anstellen, dass die Polizei sie schon wenig später schnappt. Einer der Täter zum Beispiel erklärte bei einer Fahrscheinkontrolle an einer U-Bahnhaltestelle den verblüfften Beamten: "Ich glaube, ihr sucht mich."

Ein ziemlicher Knaller

Im Prozess vor dem Berliner Landgericht konnte die staunende Öffentlichkeit ausführlich erfahren, wie die Männer im Alter von 19 bis 21 Jahren den Millionencoup vergeigten. Das Urteil der Richter gab es jetzt: Wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung wurden sie zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Ein 21-jähriger Täter, der seine Komplizen bei der Polizei verraten hatte, muss nach Erwachsenenstrafrecht für zwei Jahre und neun Monate in Haft. Die anderen drei Männer im Alter von 19 und 20 Jahren erhielten jeweils eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren Gefängnis. Eine verdiente Strafe, das muss man mal sagen. Denn einen Großteil der Beute haben die Räuber bislang nicht herausgerückt. Und juristisch gesehen war der Überfall ein ziemlicher Knaller.

1a-Fingerabdrücke hinterlassen

Mit einer Machete und einer Schreckschusspistole bewaffnet hatte die maskierte Bande am 6. März das Hotel am Potsdamer Platz unter wildem Geschrei gestürmt, zwei Menschen verletzt und sich nicht daran gestört, dass eine Überwachungskamera alles filmte. Sie hantierten ohne Handschuhe am Tresor herum, was den Ermittlern später ein paar 1a-Fingerabdrücke brachte. Die Räuber konnten sich lediglich 242.000 Euro in Jacken- und Hosentaschen sowie in eine Laptoptasche stecken. Denn als sich ihnen ein mutiger Wachmann in den Weg stellte, kam es zu einem Handgemenge, bei dem den Tätern der größte Teil der erhofften Millionenbeute - nämlich rund 690.000 Euro - irgendwie abhanden kam. Noch dazu trug einer der Täter eine auffällige rote Jacke, was ebenfalls ein Glücksfall für die Ermittler war.

Wer sind die Hintermänner?

Aber ansonsten sei die Tat gut durchdacht gewesen, fasste Ankläger Frank Heller die Beweisaufnahme zusammen. Die Männer hätten sich im Hotel bestens ausgekannt und den optimalen Zeitpunkt für ihren Coup gewählt. Der einzige bewaffnete Wachmann sei seinerzeit gerade in einen Verkehrsunfall verstrickt gewesen und habe nicht eingreifen können.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatten die Richter bei der Urteilsfindung strafmildernd zu berücksichtigen, dass es bei dem Überfall Hintermänner gegeben habe. Diese beiden 29 und 31 Jahre alten mutmaßlichen Drahtzieher sollen in einem gesonderten Prozess, der im August beginnt, zur Rechenschaft gezogen werden. Viel Neues werden sie allerdings kaum noch berichten können.

"Ich wollte Respekt"

Einer der Pokerräuber hatte bei der Polizei und vor Gericht schon den Namen des mutmaßlichen Organisators des Überfalls preisgegeben. Dem 20-Jährigen sei laut Staatsanwaltschaft zu verdanken, dass der 29-jährige Onkel des Kronzeugen vor Gericht komme. Auch über den 31-jährigen mutmaßlichen Tippgeber für den Überfall, der das Turnier ausgespäht habe, gibt es inzwischen eine Menge Informationen.

Über die Motivlage der Pokerräuber ist ebenfalls einiges bekannt geworden. Der 20-jährige Räuber beispielsweise ist nach Ansicht seines Verteidigers Sebastian Bartels nur ein kleines Rädchen gewesen und habe sich zu dem Raubüberfall breitschlagen lassen. "Ich hatte Angst, dass man mich im Kiez als Feigling betrachtet", ergriff der 20-Jährige im Prozess selbst das Wort. Er sei immer ein Außenseiter gewesen und habe sich Respekt auf der Straße verschaffen wollen. Dies bereue er sehr.

Schon wieder verzockt

Die drei übrigen Angeklagten entschuldigten sich zwar knapp. Doch aus Sicht des Staatsanwaltes wollen zumindest diese Angeklagten sich nicht aus der kriminellen Szene lösen. Sie fühlten sich als Stars und hätten nichts aus den Ereignissen gelernt - außer, dass man es das nächste Mal besser macht, sagte Heller. Er könnte recht haben. Denn in den Briefen, die der jüngste Angeklagte aus der Untersuchungshaft schmuggeln wollte, ist unter anderem zu lesen: "Mir geht es hier sehr gut - alles ganz locker und lässig, wie im Internat." Er brauche ein Handy und Tabak. Die Justizleute würde er am liebsten ins Krankenhaus befördern. Auf einem der Zettel stand, er werde wohl auf Bewährung rauskommen. "Das wäre ein Jackpot", schrieb er und ahnte noch nicht, dass er sich schon wieder verzockt hatte.

Mit DPA/AP

Von Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
henne1975 (01.07.2010, 18:14 Uhr)
Einfach nur lächerlich
die Strafe nach 6 Monaten freigang bei guter führung in 2 Jahren raus und wo ist das Geld?Für die Kohle wäre ich auch 2 Jahre in die Jugentherberge(entschuldigung Gefängnis) gegangen.Das sind schwerkriminelle Ausländerbanden die wir wie arme kinder behandeln die Welt lacht über uns..
OnTheRoad (01.07.2010, 17:14 Uhr)
Eine Frage...
...wie hoch fällt eigentlich die Strafe für Einschüchterung, Erpressung oder Bestechung eines Richters aus?
Dudu (01.07.2010, 15:53 Uhr)
@Ernestine
Zitat: "Also ehrlich, als Strafe wäre doch auch ein Besuch der Super-Nanny von RTL aureichend gewesen."

Achtung Folterverbot

Spaß beiseite. Warum Jugendstrafrecht? Das soll dann angewendet werden, wenn dem Straftäter unter 21 Jahren aufgrund seiner Reife oder seiner Entwicklung die Folgen seiner Taten oder die Strafbarkeit derselben nicht oder nur eingeschränkt bewusst war.

19 bzw. 20 Jahre, bewaffneter Raubüberfall, also weshalb Jugendstrafrecht?

Zitat aus dem Artikel: "strafmildernd zu berücksichtigen, dass es bei dem Überfall Hintermänner gegeben habe" Hintermänner als Strafmilderungsgrund. Ja, werte Richter ist irgendwie einleuchtend
Fraggles (01.07.2010, 14:46 Uhr)
die gefällten
Urteile sind doch schon ehr lächerlicher Natur. Da werden andere Vergehen um einiges härter bestraft, aber das ist Deutschland.

Lohnt sich nicht sich drüber aufzuregen.
Administrator (01.07.2010, 14:35 Uhr)
@1valentino
Ihr Beitrag wurde gelöscht - bitte argumentieren Sie sachlich.
Ernestine (01.07.2010, 14:21 Uhr)
Jugendstrafrecht
Die Bestrafung ist zu hart.
Was haben die armen Kinder denn schon groß gemacht?
Wer aus schlechtem Elternhaus kommt und eine miese Kindheit hinter sich hat, der MUSS sein Taschengeld aufbessern.
Nein, nicht mit Zeitungaustragen, sondern ein Pokerturnier abgreifen, es soll ja auch lohnen. Und Poker ist eh nur für die Unterwelt.
Also ehrlich, als Strafe wäre doch auch ein Besuch der Super-Nanny von RTL aureichend gewesen.
Dass die Täter längst über 18 sind, ist egal, der Kopf ist halt nicht mitgewachsen bei den armen Kleinen!
vegefranz (01.07.2010, 13:29 Uhr)
3 1/2 Jahre Haft - das heisst, in 6 monaten können die "wegen der "resozialisierung") schon tagsüber das Gefängnis verlassen

Im Grunde müssten die eingebuchtet bleiben, bis die Beute wieder auftaucht.
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