4200 Menschen erlitten Schiffbruch mit der "Costa Concordia", es gab Tote, und im Zentrum der Kritik steht der Kapitän. Dabei warb die Reederei zuvor mit Schettinos spektakulären Manövern um Kunden. Von Luisa Brandl, Rom

Selbstbewusst: Die Reederei der "Costa Concordia" hielt mit den angeblichen Fähigkeiten ihres Kapitäns Franceso Schettino nicht hinterm Berg
Im Zentrum der Ermittlungen steht nach der Havarie der "Costa Concordia" vor allem der Kapitän des Kreuzfahrers. Francesco Schettino soll die vorgeschriebene Route verlassen haben und mit dem Schiff viel zu nah an der Küste entlangefahren sein. Doch welche Rolle spielte die Reederei Costa Crociere bei dem Unglück? Das Unternehmen hatte vor der Katastrophe im Internet offiziell mit Schettinos spektakulären Manövern um Kunden geworben.
Die Online-Ausgabe der seriösen Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera stellte die Seite erneut ins Netz, nachdem die Reederei die Werbung nach dem Schiffbruch eilig von ihrer Webseite entfernt hatte. Der Reeder aus Genua warb dort für eine Kreuzfahrt namens "Die Düfte des Mittelmeers“ mit den Worten: "Am 30. August 2010 ehrte die "Costa Concordia" die Insel Procida vor dem Einlaufen in den Hafen von Neapel mit einem Gruß und kurzem Anhalten, all das war möglich dank des Kapitäns Francesco Schettino aus Meta di Sorrento.“
Das Unternehmen Costa Crociere feierte solche gefährlichen Manöver: "Es war ein großartiges Gefühl, nicht nur für die Inselbewohner Procidas, sondern auch für die zahlreichen Touristen, die das große Kreuzfahrtschiff mit Applaus, Spruchbändern und Tröten von ihren Motorbooten aus empfingen.“ Mit der Enthüllung der Zeitung ist das Schifffahrtsunternehmen nun weiter unter Druck geraten. Reederei-Präsident Pier Luigi Foschi hatte sich nach dem Desaster vor Giglio von riskanten Manövern distanziert, die "Verbeugung vor der Insel“ genannt werden. Welche Rolle die Costa Crociere bei dem Unglück gespielt hat, muss nun das Gericht von Grosseto klären. Dort ist Schettino wegen fahrlässiger Tötung und dem Verlassen des Schiffs angeklagt.
Am Montag hatte der Kapitän erklärt, er habe in den 75 Minuten zwischen dem Schiffbruch um 21.45 Uhr und der Evakuierung um 22.58 Uhr dreimal mit der Zentrale der Reederei gesprochen. Inwieweit diese Telefonate Schettino bewogen haben, den Unfall gegenüber der Küstenwache herunterzuspielen, müssen die Richter nun prüfen. Die Costa Crociere hat ihren Kapitän inzwischen fallen gelassen. Das Unternehmen suspendierte ihn vom Dienst, was einer Entlassung gleichkommt und verweigerte ihm die weitere finanzielle Unterstützung für die Anwaltskosten. Die Reederei sei entschlossen, so die Zeitung "Repubblica", als geschädigter privater Nebenkläger aufzutreten.
