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18. März 2009, 16:01 Uhr

"Papst ist Dogma wichtiger als Leben"

Was geht nur in Papst Benedikt vor? Erst die Querelen um den Holocaust-Leugner Williamson, nun die Ächtung des Gebrauchs von Kondomen. Und dies ausgerechnet anlässlich seiner Afrika-Reise, wo der schwarze Kontinent doch besonders stark unter Aids zu leiden hat. Die Kritik am Kirchenoberhaupt ist dementsprechend heftig - auch unter Katholiken.

Papst. Benedikt XVI., Papst Benedikt, Kamerun, Kondome

Findet wenig Verständnis für seine Kondom-Ächtung: Papst Benedikt XVI.© Ciro Fusco/EPA

Mit seiner Ablehnung von Kondomen im Kampf gegen Aids hat Papst Benedikt XVI. scharfe Kritik und Widerspruch in der Politik und auch in der katholischen Kirche hervorgerufen. Die Bundesministerinnen Ulla Schmidt und Heidemarie Wieczorek-Zeul erklärten am Mittwoch gemeinsam, dass Kondome zur Verhütung der Immunschwächekrankheit eine entscheidende Rolle spielten. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke betonte, beim Thema Kondome dürfe es keine Tabus geben. Die Deutsche Aids-Hilfe nannte die Papst-Äußerung unverantwortlich und weltfremd.

Der Papst sollte besser die Verbreitung von Kondomen fördern und den Menschen ihre Verwendung beibringen, wenn er es ernst meine mit dem Kampf gegen Aids, sagte Rebecca Hodes von der südafrikanischen Organisation Treatment Action Campaign. Mit seiner Opposition gegen die Verhütung zeigte Benedikt, "dass ihm das religiöse Dogma wichtiger ist als das Leben von Afrikanern", sagte Hodes. Es sei richtig, dass Kondome nicht die einzige Lösung für die Aids-Probleme in Afrika seien. Sie seien aber eines von wenigen erprobten Mitteln, um HIV-Infektionen zu verhindern.

Papst Benedikt XVI. beharrt jedoch auf seiner umstrittenen Ablehnung von Kondomen. Am zweiten Tag seines Afrika-Besuchs in Kamerun erklärte sein Sprecher Federico Lombardi in Yaoundé, die Position des Vatikans sei unverändert, und das werde auch während der Reise des Papstes so bleiben. "Benedikt hat die Linie wiedergegeben, die schon Johannes Paul II. bestätigt hat", sagte Lombardi am Mittwoch. "Sich auf Kondome zu konzentrieren, das ist nicht der richtige Weg." Das Vertrauen auf Präservative im Kampf gegen die Aids-Verbreitung sei fragwürdig. Es sei nicht so, dass man die Epidemie mit Kondomen stoppen könne.

Der Papst hatte auf seiner ersten Afrika-Reise gesagt, die Immunschwächekrankheit Aids sei "nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem". Aids sei nur mit "spiritueller und menschlicher Erneuerung" zu bewältigen.

"Kondome retten Leben, sowohl in Europa als auch auf anderen Kontinenten", schrieben hingegen die SPD-Politikerinnen Schmidt und Wieczorek-Zeul. Sie wiesen darauf hin, dass im Afrika südlich der Sahara 22 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert oder an Aids erkrankt seien. "Moderne Entwicklungszusammenarbeit muss den Ärmsten der Armen Zugang zu Mitteln der Familienplanung geben. Und dazu gehört insbesondere auch der Einsatz von Kondomen. Alles andere wäre unverantwortlich."

Widerspruch auch in der katholischen Kirche

Auch innerhalb der katholischen Kirche gab es Widerspruch. Weihbischof Jaschke schrieb in einem Beitrag für die Wochenzeitung "Die Zeit": "Wer Aids hat und sexuell aktiv ist, wer wechselnde Partnerschaften sucht, muss andere und sich selber schützen." Beim Thema Kondome dürfe es keine Tabus geben, aber auch keine Mythen und Verharmlosungen. "Kondome können schützen, aber oft lehnen Männer sie ab", schrieb der Geistliche.

Der Grünen-Politiker Volker Beck erklärte, die Papst-Äußerungen machten ihn fassungslos. Die Sprecherin der Grünen Jugend, Kathrin Henneberger, forderte den Papst auf, "seine Äußerungen zurückzunehmen und sich mit seiner Ideologie des letzten Jahrhunderts aus der aktuellen Politik herauszuhalten".

Auch FDP-Parteichef Guido Westerwelle kritisierte die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. scharf. Er respektiere, dass das Kirchenoberhaupt auch auf Treue und Enthaltsamkeit setze, sagte Westerwelle. "Aber das Verdammen von Kondomen ist in diesen Zeit absolut verantwortungslos."

Die Deutsche Aids-Hilfe erklärte, angesichts des millionenfachen Leids durch HIV und Aids auf dem afrikanischen Kontinent sei die kategorische Ablehnung des Kondoms "zynisch und menschenverachtend". Der Vatikan dürfe die Prävention nicht länger massiv behindern. "Er versündigt sich - um die Sprache der katholischen Kirche zu benutzen - dadurch nicht nur an den Gläubigen, sondern an der gesamten Menschheit."

Von menschenverachtenden Äußerungen sprach auch der Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit. Man erwarte "nun auch hierzu einige kritische Worte der Bundeskanzlerin".

In Afrika leben 67 Prozent der HIV-infizierten Menschen der Welt, 17 Millionen Menschen sind auf dem Kontinent schon an Aids gestorben.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 58)
 
Administrator (20.03.2009, 12:11 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Die Diskussion gleitet an dieser Stelle vom eigentlichen Thema ab. Hier geht es nicht darum, den Islam zu bewerten oder zu diskutieren. Bitte halten Sie sich an unsere Regeln und debattieren Sie zum Thema.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
nese (20.03.2009, 11:31 Uhr)
@Anemone
'Jesus Christus sagte, wie Du weißt "haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen". Wenn es nicht so wäre, wären wir nicht die Geretteten!.....Daß allerdings die Administration bereits Wahrheiten (!) über den Islam löscht, ist eine andere Sache, und sehr schlimm!'
.
Sie (und all die anderen Islamhasser) kennen die Wahrheit ueber den Islam und die anderen alle nicht? Habe ich Sie richtig verstanden, Anemone? Wissen Sie denn nicht, dass es DIE Wahrheit nicht gibt? Wahrheit ist fuer jeden das woran er glaubt, dass es wahr ist. Leider gibt es sehr viele Menschen auf dieser Erde, die den Anspruch erheben, im Besitz der absoluten und einzig gueltigen Wahrheit zu sein. Wenn die Menschen diese Wahrheit nicht akzeptieren, muss sie eben jeden aufgezwungen werden, gell? Das einzige, was uns von euch religioesen Fanatikern unterscheidet ist die Tatsache, dass wir nicht so verrueckt und groessenwahnsinnig sind. Anemone, suchen Sie sich ein anderes Plaetzchen, wo Sie gegen Ihren Erzfeind Islam bzw. gegen Moslems hetzen duerfen.
confused (20.03.2009, 11:11 Uhr)
Der Papst kann nix dafür
denn in seinem Alter läuft das unter Verlust seiner geistigen Kontrolle.
Schlimm ist das es in unserer Modernen Welt im 21igsten Jahrhundert noch Millionen Anhänger gibt die diesen armen mehr als geistig eingeschränkten Menschen noch Spenden geben und freiwillig Steuern zahlen um deren stinkende Heisse Luft die sie als Glaube verstreuen zu Unterstützen. Daher:
http://www.spart-euch-die-kirche.de
für alle die gerne Aufwachen möchten.
D.Schmidt (18.03.2009, 18:09 Uhr)
Ich finde es süss...
...wie innerhalb dieser kleinen Diskussion schon herauskommt, wie weltfremd und eigenverliebt unsere lieben Glaubensanhänger sind. Auch der kleine Dogmatiker ist in jedem, der zwar nicht weiss, aber dafür um so mehr glaubt, deutlich erkennbar.
Da bleibt nur zu hoffen, dass die Menshcen in ihrer Gesamtheit irgend wann mal clever genug sind, sich von ihren Märchen, Fabeln und Religionen zu lösen und endlich als das zu leben, was die Evolution ihnen mit auf den Weg gegeben hat: Als vernunftbegabtes und vernunftgebrauchendes Individuum.
auwei (18.03.2009, 17:54 Uhr)
@Irana_W
So kann man es sehen - muss aber nicht. Und mit einem Sex-vor-der-Ehe-Verbot ist schon seeehr viel Unheil angerichtet worden (Papst/Taliban - wo ist diesbezüglich der Unterschied?). Lasst die Menschen selbst entscheiden, ob sie "Tiere" sein wollen - ich fühle mich sehr wohl mit zewck- und ehefreiem Sex. Was der Papst dazu meint, ist seine Privatsache - genau wie bei Ihnen.
IrinaW (18.03.2009, 17:50 Uhr)
Nachtrag
Es ist schade wie wenig Menschen sich die Mühe machen zu verstehen, bevor sie kritisieren. Leider wird in dieser Diskussion auf zwei unterschiedlichen Ebenen diskutiert, die aneinander vorbeilaufen. Die einen reduzieren die Äußerungen des Papstes auf eine reine Begrifflichkeit. Der Papst sagt " Kein Sex vor der Ehe" und schon moniert sich die Gesamtheit darüber, wie unrealistisch eine solche Einstellung ist. Aber der Papst argumentiert aus einer anderen Perspektive heraus. Nicht der Sex an sich, der eigentliche Akt ist wichtig, sondern das was er aus katholischer Sicht für die Menschen bedeutet.
Aufgrund unserer menschlichen Natur sind wir in der Lage uns und damit unser geschenktes Sein, jemand anderem völlig anzuvertrauen. Das ist etwas kostbares für den der nimmt und den der gibt. Ginge es nur um den reinen Akt, wären wir nichts anderes als Tiere. Menschen aber können sich Zeit und Partner bewusst für sich selbt auswählen und auch entscheiden ob sie ohne Partner sein wollen.
Der Mensch kann also wählen, wann er möglicherweise und mit wem er möglicherweise neues Leben zeugen möchte. Dieses Leben ist etwas heiliges und kostbares. Natürlich muss nicht jeder Sex mit der Zeugung eines Kindes enden, aber Sex bedeutet die Möglichkeit dessen.
Sex ist ein Ausdruck tiefer Verbundenheit und Liebe, den sich zwei Menschen schenken sollten, wenn sie einander im Innersten berühren. Sicher klingt das weltfremd, aber eigentlich ist es das nicht. Das heutige Verständnis von Sex, die Verrohung der Gesellschaft, der Schwund ethischer und moralischer Werte ist beängstigend.
olleOlaf (18.03.2009, 17:21 Uhr)
@Irana_W
Nungut, seit fruchtbar + mehret euch. hat der Herr gesagt. Welcher Herr? Und wenn, hat der Herr, meinetwegen Manitu, schwer versagt:
DENN: Die derzeitig den Planeten beherrschende Spezies richtig selbigen gerade hin.
Bitte ersparen Sie mir den Vergleich mit den Dinos. Die waren ca. 165 Mll. J. anwesend.
Marty_D (18.03.2009, 17:04 Uhr)
Oh mann schon wieder?
Erstens ist es absoluter schwachsinn den lueten vorschreiben zu wollne wer wann mitr wem sex hat - lächerlich. Mehr als Lächerlich dafür giubts es gar kein Wort.
Zweitens Religion ist ja ne feine Sache aber mal ehrlich, das tägliche Leben solte sie nicht oder nur peripher beeinflusssen.
Und wenn der Papst meint Kondome sind nicht die Lösung dann kann er ja ohne, oh er darf ja gar nicht, neidisch???
Das wichtigste ist das ALLE Menschen die Freiheit haben zu entscheiden - das ist ein viel größreres Problem.
Styx2007 (18.03.2009, 15:30 Uhr)
Was will man von dem auch anderes erwarten??
Was kann man von so jemandem auch anderes erwarten! Der Papst glänzt wieder einmal mit glorreichen Worten! Schade nur, dass sich dieser kerl nicht mal im Ansatz seiner Worte bewusst ist. Kein Wunder, dass der Kirche in all den Ländern, wo die Menschen auch nur halbwegs aufgeklärt sind, die "Schäfchen" weglaufen-diese mittelalterliche Sichtweise ist arrogant und abstossend. Lieber tausende krepieren lassen, als aktiv mithelfen das Übel AIDS endlich auch und gerade in diesen Ländern zu bekämpfen. Der Papst sollte eigentlich wissen, dass Kondome die Neuansteckung drastisch bekämpfen. Dies ignorierend lamentiert der Typ den ewig gleichen Scheiss über Dinge, die er nicht mal im Ansatz versteht bzw. begreift! Aber in diesem Saustall von Kirche ist ja alles möglich - Da werden Holocaust-Leugner wieder aufgenommen, Menschen, die einer Neunjährigen!!!, die vergewaltigt wurde bei einer Abtreibung helfen, aus der kirche ausgestossen und sich nicht entblödet, den ewig gleichen debilen Scheiss gegenüber den Afrikanern erzählt. Gott sei Dank glaubt im überwigenden Teil der Welt keiner mehr diesen Mist. Der Papst sollte sich einmal fragen, wieso die AIDS-rate gerade in Afrika am höchsten ist. Vielleicht kommt auch diesem alten Sack mal die "göttliche Erleuchtung"!
DasBertl (18.03.2009, 15:25 Uhr)
Treue in der Ehe
da fängts doch schon an... Die Jugend heutzutage schafft es doch nicht einmal in einer Beziehung ohne Trauschein treu zu sein. Treue in der Ehe kann ja dann auch nur für solche gelten, die auch verheiratet sind, nur in dieser Welt sind eben nicht alle die Sex haben auch verheiratet. Das ist die Realität. Zumal man auch bei der Geburt AIDS bekommen kann. Da hilft dem Kind oder seinem späteren Partner dann auch kein bisschen Treue....
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