6. November 2009, 12:32 Uhr

"Gerüchte über meinen Tod sind übertrieben"

Wie geht es Altkanzler Helmut Schmidt? In jüngster Zeit war immer wieder über seinen Gesundheitszustand spekuliert worden. Nun hat er sich dazu geäußert - in gewohnter Manier.

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Helmut Schmidt im Rollstuhl: Die Zigarette ist schon lange eines seiner typischen Accessoires©

Es war sein erster Auftritt nach Monaten, und Helmut Schmidt zeigte sich erstmals im Rollstuhl sitzend in der Öffentlichkeit. Das war Anfang November, zur Verleihung eines Journalistenpreises, der seinen Namen trägt. Nein, Sorgen machen müsse man sich nicht, sagte ein gut gelaunter Altkanzler auf Nachfrage von Moderator Hans-Ulrich Jörges, einem Mitglied der Chefredaktion des stern. "Ich bin so beweglich wie mein Rollstuhl und kann auch Pirouetten drehen, wenn ich will." Hartnäckig hielten sich zuvor die Gerüchte, Schmidt sei ernsthaft erkrankt. In einem Interview mit der "Bild-Zeitung" verriet er nun erstmals Details zu seinen Gesundheitszustand.

Seit Ende September gehe es ihm - das Lebensalter eingerechnet - wieder einigermaßen gut, sagte der 90-Jährige. "Ich hatte leider vielerlei Krankheiten, darunter eine äußerst schmerzhafte Gürtelrose im Gesicht." Zeitweise habe er nichts mehr sehen können. "Dazu kamen Probleme mit der Niere und der Hüfte", so der Altkanzler. Seit einigen Wochen sei er nur noch im Rollstuhl unterwegs, "weil mir das Gehen am Stock zu schmerzhaft geworden ist. So lange ich im Rollstuhl sitze, habe ich keine Schmerzen". Alles in allem "keine schöne Zeit, aber nun geht es wieder". Berichten zufolge, Schmidt kämpfe mit dem Tod, konterte er mit einen Zitat, frei nach Mark Twain: "Die Gerüchte über meinen Tod sind recht übertrieben."

Schmidt lobt Kohl

Anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls ist Schmidt voll des Lobes für seinen Amtsnachfolger Helmut Kohl. Die Chance, Kanzler der Einheit zu werden, hätte jeder gern gehabt, so Schmidt. Aber: "Wichtig war, dann auch im entscheidenden Moment das Richtige zu tun. Helmut Kohl hat da vor allem eine Sache glänzend angepackt: sein Zehn-Punkte-Programm." Wenn man die heute lese, dann sei da noch nicht von staatlicher Einheit die Rede gewesen, "wohl aber hat er der Weltöffentlichkeit einen Anstoß gegeben, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Ein ganz wichtiger Vorstoß!"

Er selbst hatte den Mauerfall am 9. November 1989 vor dem Fernseher verfolgt. "Dort sah ich, wie die schreckliche Teilung Deutschlands friedlich, ohne einen Schuss, überwunden wurde und mir kamen die Tränen." Tags darauf seien seine Fans aus der DDR in Hamburg angekommen: "Da war unser Haus belagert von DDR-Bürgern, die sich mit ihrem Trabbi durchgekämpft hatten bis nach Hamburg-Langenhorn, um zu sehen, wo diese Schmidts wohnen." Er selbst habe damals nicht damit gerechnet, dass die Wiedervereinigung noch zu seinen Lebzeiten geschehen könnte.

Wehrpflicht ist altmodisch

Bei der aktuellen Diskussion um die Verkürzung der Wehrpflicht beginnt Schmidt, seine Meinung zu überdenken. "Nach der jetzigen Regelung wird nur ein sehr kleiner Teil eines Jahrgangs wirklich zum Wehrdienst eingezogen. Das führt zu einer Ungleichheit, die nach meinem Gefühl an die Grenze der Verfassungswidrigkeit stößt." Deshalb plädiert er für einen Umbau der Bundeswehr in eine Berufsarmee für Auslandseinsätze. "Ich sehe Deutschland nicht mehr bedroht wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Die heutigen Gefahren liegen im Terrorismus. Dagegen helfen Soldaten nur wenig."

Kritisch betrachte er die Verleihung des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama: "Die Auszeichnung hat Herrn Obama nur geschadet. Das mag nicht die Absicht gewesen sein, aber es war eine schwere Beschädigung", so Schmidt.

nik mit Agenturen
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Pixelschubser (06.11.2009, 22:21 Uhr)
@ Johnwayne1477 & Admins
John: Danke für die Unterstützung, war aber nicht nötig ;-)

Admins: Sie mögen Recht haben mit der sogenannten Verunglimpfung von (Politiker-)namen. Nun, ganz ehrlich, Herr W. verunglimpft sich mit seiner ganzen Unfähigkeit ohnedies schon selbst, da muss ich nicht wirklich nachhelfen. Der gute ... Mann ... ist nun mal nicht mehr als ein Heißluftballon - nach ewig langem Warten endlich so prall, dass er unkontrollierbar abhebt, nur um dann recht bald wieder die Luft zu verlieren - und richtig in Schwung kommt er auch nicht. Und das haben Politiker der früheren Generationen definitiv besser drauf gehabt. Dass Schmidt angesichts eines solchen "Politikers" sagt, er kenne ihn nicht, macht Schmidt nur sympathisch...
johnwayne1477 (06.11.2009, 20:10 Uhr)
Stern Admins und Westerwelle
Verunglimpfung von Namen? Im Falle Westerwelle`s kann dass ja niemals passieren, egal was man sagt über den. Den soviel Dr... in der Deutschen Politik gab`s schon lange nicht mehr !!!
joergely (06.11.2009, 18:19 Uhr)
Franzoesin,
Sie haben recht! Selbst Helmut Schmidt weiß dass, wie er in einem beeindruckenden Interwiew mit Maischberger (zu empfehelen auf Youtube) dargelegt hat. der Mann denkt in ganz anderen Maßstäben und das verdient respekt!!
Franzoesin (06.11.2009, 17:10 Uhr)
Pixelschubser : Hut ab
Die Aussage Helmut Schmidt als "größten Staatsmann in der Deutschen Geschichte" zu bezeichnen, offenbart eine extrem geringe Kenntnis über die deutsche Geschichte - die leider typisch für "Dschörmänns" ist. Zur Info : die "Deutsche Geschichte" hat bis heute ca. 1.000 Jahre auf dem Buckel.
butcher99 (06.11.2009, 16:54 Uhr)
Schmidt Schnauzes
Piroetten im Rollstuhl sind gehaltvoller als ein Westerwelle Halbmaraton
wotan3101 (06.11.2009, 16:16 Uhr)
Den besten Satz
von Hemut Schmidt in diesem Interview verschweigt uns der Stern ( leider ) watum auch immer. Ich zitiere:
Über Westerwelle kann ich noch nichts sagen. Der ist in den letzten Jahren nicht als ernstzunehmender Politiker aufgefallen.
Mehr bedarf es doch nicht um diesen Biene Maja Scharlatan darzustellen.
Administrator (06.11.2009, 16:10 Uhr)
@Pixelschubser
Ihr Kommentar wurde gelöscht. Verunglimpfung von Namen sind regelwidrig und werden entfernt.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins

hosiannarunner (06.11.2009, 15:43 Uhr)
Klasse
Das Glanzstück des als Interview in der Bild nachzulesenden Gesprächs war für mich der nach einem Lob für Frau Merkel fast schon beiläufige Satz, Herr Westerwelle sei in den letzten Jahren nicht durch ernstzunehmende Politik aufgefallen.
Für mich ein brillianter Volltreffer!
Gaffelfall (06.11.2009, 15:36 Uhr)
Epikur
Dort wo Du bist ist der Tod nicht und dort wo der Tod ist bist Du nicht mehr.
Was kümmerst Du Dich also um Dinge, die Dich nichts angehen?

Ein Mark Twain zitierender Helmut Schmidt ist erkennbar da.
Pixelschubser (06.11.2009, 15:29 Uhr)
Hut ab!
Ich verneige mich vor dem - aus meiner bescheidenen Sicht - größten Staatsmann in der Deutschen Geschichte.
Helmut Schmidt ist einer der Menschen, die ich zu gern bei einer Tasse Tee persönlich kennenlernen würde.
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