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8. Mai 2009, 22:14 Uhr

Herausragende Journalisten geehrt

Das Verlagshaus Gruner + Jahr und der stern haben zum fünften Mal den Henri Nannen Preis vergeben. Mehr als 1000 Gäste aus den Medien und Kultur, Politik und Wirtschaft waren der Einladung ins Schauspielhaus nach Hamburg gefolgt. Der frühere "Spiegel"-Reporter Jürgen Leinemann erhielt die Bronzefigur "Henri" für sein Lebenswerk. Auch der Verfechter der Pressefreiheit, Robert Ménard, wurde geehrt.

Henri Nannen Preis, 2009

Zum fünften Mal wurde der Henri Nannen Preis vergeben© Jens Ressing/DPA

Mit einer Gala hat Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr am Freitagabend die Verleihung der Henri Nannen Preise gefeiert. Die besten Journalisten leisteten einen wesentlichen Beitrag zu Meinungsvielfalt und Pluralität, sie stützten die Demokratie, sagte G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz zum Auftakt der Veranstaltung im Deutschen Schauspielhaus. In mehreren Kategorien verlieh der Verlag mit seinem Magazin stern die mit 30 000 Euro dotierten Auszeichnungen, die an den Gründer der Illustrierten Henri Nannen (1913-1996) erinnern.

Mehr als 1000 Gäste aus den Medien und Kultur, Politik und Wirtschaft waren der Einladung gefolgt, darunter Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (beide SPD) sowie Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos). Aber auch Schauspieler wie Dominique Horwitz, Iris Berben und Andrea Sawatzki waren gekommen.

"Anders als bei vielen anderen Preisen unserer Zeit zeichnen wir mit dem Henri Nannen Preis nicht Prominente um ihrer Prominenz willen aus. Wir ehren Menschen, die Außerordentliches geleistet haben", erläuterte Buchholz. Einer von ihnen ist der Verfechter der Pressefreiheit, Robert Ménard. Der Franzose war Mitbegründer der Organisation "Reporter ohne Grenzen". Der frühere "Spiegel"-Reporter Jürgen Leinemann erhielt die Bronzefigur "Henri" für sein Lebenswerk. Dem Journalisten gelangen tiefe Einblicke in das Leben von Polit-Größen wie den Ex-Kanzlern Gerhard Schröder und Helmut Kohl.

Katja Thimm überzeugte im Nachrichtenmagazin "Spiegel" mit einer Reportage über zwei Ehepaare und ihren alltäglichen Kampf gegen Alzheimer. Gleich eine ganze Journalistenschar des Magazins, Beat Balzli, Jochen Brenner, Klaus Brinkbäumer, Ullrich Fichtner, Hauke Goos, Ralf Hoppe, Frank Hornig, Ansbert Kneip holte sich mit einer Dokumentation über den Verlauf der Finanzkrise ebenfalls den "Henri". Dem Bankgeschäft widmete sich auch Melanie Bergermann, die in der "Wirtschaftswoche" unverantwortliche Geschäftspraktiken von Kundenberatern enthüllte (Investigation). Yang Yankangs eingeblendete Fotos aus "Geo", die seine Eindrücke vom tibetischen Buddhismus festhielten, waren ebenfalls Spitze.

14 Preisträger holte die ZDF-Moderatorin Marietta Slomoka auf die Bühne. Im Parkett und auf den Rängen lauschten Chefredakteure der größten deutschen Medien - von "FAZ" bis "SZ" zu "ZDF und "Zeit" - nicht nur den Laudatoren.

"Nichts ist so laut wie das Schweigen nach der Pointe", führte Moderatorin Slomka zur Kategorie "herausragende unterhaltsame, humorvolle Berichterstattung". Kabarettist Oliver Maria Schmitt, der in die Rolle eines unbekannten türkischen Nachwuchsschriftstellers schlüpfte und auf der Frankfurter Buchmesse versuchte, sein Manuskript unterzubringen, zog die Jury über die Machenschaften im Literaturbetrieb auf seine humoristische Seite: "Ich bin dann mal Ertugrul" wollte seinen "Henri" bei e-bay versteigern.

zen/DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Gallagher (09.05.2009, 10:32 Uhr)
Puh...
...und was für eine Ranzengarde auf dem Roten Teppich.
.
Gibts nicht so etwas wie einen "Alternativen Medienpreis?"
Sternchen2020 (09.05.2009, 08:05 Uhr)
Die alljährliche Selbstbeweihräucherungen der Medienbranche
ist bekannt, macht aber den miserablen deutschen Journalismus keinesfalls besser. Diese Branche hört sich selbst am liebsten reden bzw. schreiben und bemerkt den eigenen Zerfall nicht einmal. Und was sich inter den Kulissen abspielt, um überhaupt noch am Markt zu sein, spotte jeglicher Beschreibung. Mit Pressefreiheit hat all dies nichts zu tun.
n8g8 (08.05.2009, 23:13 Uhr)
Pressefreiheit
Gratulation für die Preisträger, sofern sie nichts davon wissen, wie es aktuell um die Pressefreiheit in diesem Lande bestellt ist.
Man nehme als aktuelles Beispiel die Entscheidung der LG Berlin, AZ: 27 O 1191/08:
Danach macht sich jeder, der eine Aussage eines anderen zitiert zu eigen und darf deshalb wegen Unterlassung in Anspruch genommen werden (HAFTEN), wenn er sich nicht ausdrücklich und unmissverständlich von der Aussage distanziert.
Wie spannden wird ein Interview, wenn in jedem Satz "Anm. der Red: Wir distanzieren uns ausdrücklich von dieser Aussage" steht?!?
Und wie viel Denkvermögen und kritische Reflexion wird in dieser "Presse" dem mündigen Leser zur eigenen Verantwortung übertragen?!?
Nicht zu fassen, dass die Medien über dieses Skandalurteil bislang nicht berichten. Das BKA-Gesetz mag zwar das Ende des investigativen Journalismus sein - aber solche Urteile sind eine Bankrotterklärung bezüglich des den Medien zugedachten Auftrags der öffentlichen Meinungsbildung. Was bleibt, ich mache es kurz: reinste Schönschreib-Propaganda.
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