Deich in Bitterfeld droht zu brechen

4. Juni 2013, 19:45 Uhr

Deutschland vor der Flutnacht: Bundesweit sind über 50.000 Helfer im Einsatz. Niedersachsen bereitet sich auf Rekordpegel vor. Die Dokumentation eines bewegten Fluttages.

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+++ 21.12 Uhr: Deich in Bitterfeld droht zu brechen +++

Die Hochwasserlage in Bitterfeld hat sich am Abend weiter zugespitzt. Der Seelhauser See habe mittlerweile einen kritischen Wasserstand erreicht, teilte ein Sprecher des Landkreises Anhalt-Bitterfeld am Dienstag mit. Er warnte vor einem möglichen Deichbruch. In diesem Falle würde viel Wasser in die Stadt Bitterfeld fließen. "Alle Menschen im Bereich der Goitzscheufer werden dringend aufgefordert sich hinter die Evakuierungszone zurückzuziehen beziehungsweise vom Ufer zu entfernen", heißt es weiter. Auch alle Einsatz- und Hilfskräfte würden von der Goitzsche zurückgezogen.

+++ 20.21 Uhr Niedersachsen ruft Katastrophenalarm aus +++

Wegen des erwarteten Rekord-Hochwassers an der Elbe löst der niedersächsische Landkreis Lüchow-Dannenberg vorausschauend Katastrophenalarm aus. Konkret bedeute dies, dass der Landkreis ab sofort für den Einsatz zuständig sei, sagte eine Sprecherin. Helfer seien dazu aufgerufen, Sandsäcke zu füllen, Evakuierungen seien aber bislang nicht geplant. Der Alarm wurde aufgrund der Prognosen zu den Pegelständen ausgerufen. Bislang sei die Elbe im fraglichen Gebiet aber noch nicht stark weiter angestiegen. Am Dienstagmittag wurde in Hitzacker ein Pegelstand von 4,51 Meter gemessen. Für Sonntag prognostiziert das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg einen Wasserstand von 8,00 Meter für die Kleinstadt - etwa einen halben Meter mehr als 2002. Damals stand Hitzacker komplett unter Wasser. Bis Mittwoch der kommenden Woche könnte der Elb-Pegelstand dort sogar noch auf bis zu 8,80 Meter steigen.

+++ 19.38 Uhr: Behörde betont Sicherheit von Talsperren +++

Die Talsperren in Sachsen sind laut Landestalsperrenverwaltung sicher. Staumauern seien während des Hochwassers nirgendwo gebrochen. Anderslautende Meldungen seien falsch, teilt die Behörde in Pirna mit. So seien etwa große Talsperren für ein Hochwasser ausgelegt, wie es theoretisch alle 1000 bis 10.000 Jahre ein Mal vorkomme. Die Talsperren hätten zudem Entlastungsanlagen, mit denen überschüssiges Wasser abgegeben werde, wobei die Talsperre dann gefahrlos überlaufe. Laut Talsperrenverwaltung habe es besorgte Anrufe von Menschen gegeben, die sich nach der Sicherheit der Anlagen erkundigt hätten. Zudem sei im Internet verbreitet worden, dass Talsperren gebrochen seien.

+++ 18.51 Uhr: Gefangene füllen Sandsäcke +++

Hochwasser-Hilfe kommt auch aus Sachsens Gefängnissen. 50 Häftlinge und mehrere Bedienstete befüllten am Dienstag in der Justizvollzugsanstalt Torgau Sandsäcke, wie das Justizministerium in Dresden am Dienstag mitteilte. Insgesamt entstanden so 7000 der Päckchen für den Hochwasserschutz an der Elbe. Am Mittwoch sollen weitere 7000 Säcke folgen. Gefangene der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen helfen in Trebsen bei Aufräumarbeiten und der Beseitigung von Hochwasserschäden.

+++ 17.40 Uhr: Mehr als 43.000 Feuerwehrleute im Einsatz +++

In den Hochwassergebieten werden immer mehr Einsatzkräfte aus der gesamten Land zusammengezogen. Insgesamt sind nach Angaben des Deutschen Feuerwehrverbands mehr als 43.000 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Bundeswehr kommandiert etwa 4000 Soldaten ab. Auch das Technische Hilfswerk (THW) sowie Rettungsdienste mobilisierte bundesweit Helfer.

+++ 16.48 Uhr: Ziegenrück offenbar gerettet +++

"Entwarnung in Ziegenrück", twittert das thüringische Landesstudio des ZDF. "Bleilochtalsperre läuft zwar über, aber keine Gefahr für den Ort, wenn das Wetter weiter hält."

+++ 16.45 Uhr: Linke will Schuldenbremse aussetzen +++

Angesichts der Überschwemmungen fordert die Linkspartei ein Aussetzen der Schuldenbremse. "Die Länder und Kommunen brauchen jetzt richtig viel Geld, um die Schäden zu beheben", sagt Parteichefin Katja Kipping. Die Finanzmittel seien auch nötig, um weiteren Hochwasser- und Klimaschutz betreiben zu können. "In Zeiten, wo bundesweit eine Schuldenbremse wirkt, ist das schwieriger." Die Schuldenbremse verpflichtet Bund und Länder, die strukturellen Defizite im Haushalt schrittweise zurückzuführen.

+++ 16.29 Uhr: Katastrophenalarm an der Elbe erwartet +++

An der Elbe in Niedersachsen bereiten sich Katastrophenstäbe auf das drohende Rekordhochwasser vor. "Wir müssen uns auf eine sehr, sehr ernste Lage gefasst machen", warnt Landesumweltminister Stefan Wenzel. "Ich rechne damit, dass wir Katastrophenalarm ausrufen müssen, auch zur Vorsorge, damit alle Leute zur rechten Zeit am rechten Platz sind." Wann die Elbe in Niedersachsen ihren Höchststand erreichen wird, kann bisher nicht genau gesagt werden. Erwartet wird dies zwischen Donnerstag und Sonntag. "Das hatten wir noch nie, dass wir das so wenig präzise sagen können", heißt es aus dem Umweltministerium.

+++ 16.11 Uhr: Sachsen hilft mit 30 Millionen Euro +++

Sachsens Landesregierung bringt eine Soforthilfe von 30 Millionen Euro für betroffene Bürger auf den Weg. Das Kabinett beschließt, dass in Not geratene Menschen in einem ersten Schritt ein Handgeld bekommen sollen. Dieses beträgt nach Angaben der Landesregierung 400 Euro pro Erwachsenem und zusätzlich 250 Euro für jedes minderjährige Kind. Pro Haushalt stehen zunächst höchstens 2000 Euro zur Verfügung.

Das Geld ist für Schäden der privaten Haushalte und am Hausrat vorgesehen, die im Erdgeschoss und in höheren Etagen eingetreten sind. Es soll ab Donnerstag über die Kommunen ausgezahlt werden. Mit dem Rückgang des Hochwassers sollen laut Landesregierung "unverzüglich" Regelungen für die weitere Schadensbeseitigung getroffen werden.

+++ 15.37 Uhr: Ballack spendet Teil vom Abschiedsspielerlös +++

Michael Ballack will aus den Erlösen seines Abschiedsspiels den Hochwasseropfern mindestens 100.000 Euro spenden. "Ich bin genauso so betroffen, wie viele andere auch. Ich möchte der Stadt Leipzig danken, dass sie alles dafür tut, dass das Spiel stattfindet", sagt Ballack bei einer Pressekonferenz vor der weiterhin gefährdeten Partie.

Zudem wurde auf Ballacks Initiative hin eine Spendenhotline (0900 - 5970 870) eingerichtet. Jeder Anruf soll fünf Euro für die Geschädigten einbringen. "Ich hoffe, dass da noch einiges zusammen kommt", meint der 98-fache Nationalspieler. Ballack verabschiedet sich in der Leipziger WM-Arena von der Fußball-Bühne. Das Team "Ballack and Friends", betreut von Rudi Völler, soll am Mittwochabend gegen eine Weltauswahl um Starcoach José Mourinho antreten.

+++ 15.09 Uhr: Gauck dankt Helfern für Einsatz +++

Joachim Gauck hat den Menschen in den Hochwassergebieten Mut zugesprochen und den Helfern für ihren Einsatz gedankt. "Das Schicksal der Betroffenen bewegt mich", so der Bundespräsident. "Ich bin froh zu hören, dass Sie in diesen Stunden in Solidarität und Entschlossenheit zusammenstehen und viel Beistand und Unterstützung erfahren."

Gauck hebt bei einem Empfang für Schüler in Schloss Bellevue den Einsatz der vielen Helfer hervor: "Sie geben die Hilfe und Hoffnung, die nicht verzweifeln lässt, die zeigt: Zusammen schaffen wir das."

+++ 15.05 Uhr: Merkel macht Opfern in Sachsen Mut +++

Kanzlerin Merkel macht auf ihrer Reise durch die Flutgebiete in Sachsen Station. Bei einem Besuch In Pirna an der Elbe macht sie den Betroffenen Mut und sagt erneut finanzielle Hilfe der Bundesregierung zu. "Wir haben für so viele Dinge Geld, ich denke, gerade in dieser Notsituation werden wir auch Mittel und Wege finden, um den Menschen zu helfen." In der Altstadt, die teilweise schon unter Wasser steht, legt sie auch selbst Hand an: Sie verlädt einen Sandsack.

+++ 14.59 Uhr: Feuerwehr fordert Strafen für Gaffer ++++

Um Katastrophentouristen besser fernhalten zu können, will Bayerns oberster Feuerwehrchef uneinsichtigen Gaffern ans die Geld: "Wenn er weiß, dass er 2000 bis 3000 Euro Strafe zahlen muss, wird es sich der Gaffer vielleicht überlegen", sagt der Vorsitzende des Bayerischen Feuerwehrverbandes, Alfons Weinzierl. Die Polizei könne zwar Platzverweise aussprechen, aber Geldbußen könnten diesen Aufforderungen besser Nachdruck verleihen.

Katastrophentourismus sei "für die Einsatzkräfte oft ärgerlich, weil sie dadurch in ihrer Arbeit behindert würden. "Das Problem ist ja auch, dass dann viele mit dem Auto dorthin hinfahren und die geparkten Autos dann den Einsatzkräften sogar den Weg versperren", klagt Weinzierl. Außerdem könnten sich die Wasser-Gaffer auch selbst in Gefahr bringen.

+++ 14.53 Uhr: Gummistiefel nahezu ausverkauft +++

Auch das ist eine Folge des Hochwassers: In Thüringen sind Gummistiefel derzeit absolute Mangelware. In fast allen Geschäften, die noch geöffnet hätten, seien die Regale leer, berichtet der Einzelhandelsverband. Gartencenter, Baumärkte und Schuhgeschäfte im Land bemühten sich um Nachschub. Ähnlich sehe es bei den Wasserpumpen aus. Viele Menschen hätten bereits vor mehreren Tagen, als die ersten Keller unter Wasser gestanden hätten, zugegriffen - jetzt sei die begehrte Ware kaum noch zu bekommen.

+++ 14.51 Uhr: Gericht macht eine Woche Flutpause +++

Das Oberlandesgericht Dresden stellt wegen des Hochwassers seinen Dienstbetrieb von 18 Uhr an für diese Woche ein. Verhandlungen finden bis einschließlich Montag nicht statt, teilt die Justizbehörde mit. "Wir gehen davon aus, dass der Strom abgeschaltet wird", begründet eine Sprecherin die Sicherheitsmaßnahme. "Die Richter nehmen Akten mit nach Hause und arbeiten dort weiter." Das OLG ist im Ständehaus direkt am Schlossplatz in der Altstadt untergebracht - nur wenige Meter vom Elbufer entfernt.

Über Twitter wird eine Meldung vom Hochwasserzentrum in Sachsen verbreitet, wonach an der Elbe in der Nacht mit einem Pegelstand von neun Metern gerechnet wird.

+++ 14.45 Uhr: Dreistellige Millionenschäden befürchtet +++

Das dramatische Hochwasser im Süden und Osten Deutschlands dürfte allein an Straßen und Schienen Schäden von mehr als 100 Millionen Euro verursacht haben. "Ich rechne mit Kosten im dreistelligen Millionenbereich", sagt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Konkrete Zahlen will der CSU-Politiker aber noch nicht nennen. "Erst wenn das Wasser weg ist, sieht man die Schäden."

+++ 14.30 Uhr Deggendorf droht Rekordpegel +++

Trotz des Dammbruchs im bayerischen Landkreis Deggendorf rechnen die Behörden damit, dass die Donau so hoch anschwillt wie noch nie. In der Nacht zum Mittwoch soll der Scheitelpunkt des Hochwassers erreicht werden. Es wird ein Pegelstand von 8,44 Metern prognostiziert. Das wäre der höchste im Bereich Deggendorf jemals gemessene Wert.

+++ 13.39 Uhr: Damm in Deggendorf bricht +++

Im Landkreis Deggendorf nahe der Ortschaft Winzer hält ein Damm den Wassermassen der Donau nicht mehr stand und bricht. Das Wasser breitet sich dahinter nun aus. Betroffen seien zunächst nur einzelne Gehöfte, die weiteren Folgen seien noch nicht abzusehen, teilt das Landratsamt mit. Im Laufe des Tages sollten nach Angaben des Sprechers etwa 4000 Menschen ihre Häuser verlassen, um sich vor dem Hochwasser in Sicherheit zu bringen. Ein Sprecher vom Roten Kreuz sagt, man beobachte die Dämme genau. Noch könne man die Menschen mit Fahrzeugen aus den Ortschaften bringen. Lasse das Hochwasser nicht nach, müsse man zur Evakuierung bald Boote einsetzen. "Es wird mit noch Schlimmerem gerechnet."

+++ 13.30 Uhr: Drei Tote, drei Verletzte im Südwesten +++

Baden-Württemberg meldet drei Todesopfer und drei Verletzte. Unter den Toten sind nach Auskunft des Innenministeriums ein Feuerwehrmann und zwei Zivilisten. Von den Wasserfluten sind 30 von insgesamt 44 Stadt- und Landkreisen betroffen. Nach Auskunft von Regierungschef Winfried Kretschmann wird das Finanzministerium Steuererleichterungen für Betriebe und Einzelpersonen, die von der Flut geschädigt wurden, zur Verfügung stellen. Für den Hochwasserschutz sichert die grüne-rote Landesregierung in diesem und im nächsten Jahr jeweils 47,8 Millionen Euro zu.

+++ 13.23 Uhr: Sorge um Kosten für Bundeswehreinsatz +++

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht erwartet, dass der Bund die Kosten für den Hilfseinsatz der Bundeswehr übernimmt. Sie wolle erreichen, dass Ländern und Kommunen diese Kosten nicht in Rechnung gestellt würden, sagt Lieberknecht in Erfurt. Sie gehe davon aus, dass ähnlich wie beim Hochwasser 2002 ein Hilfsfonds aufgelegt werde. In Thüringen waren zeitweise Bundeswehrsoldaten wie in Gera oder Bad Köstritz bei der Sicherung durchnässter Deiche eingesetzt. Auch im Altenburger Land halfen Soldaten.

+++ 12.41 Uhr: Hochwasser legt Justiz-Computer lahm +++

Auch die Justiz in Sachsen-Anhalt leidet unter der Flut: Das Hochwasser habe Computer lahmgelegt, die Justizbehörden mit Ausnahme des Ministeriums könnten derzeit keine E-Mails mehr empfangen, teilt das Justizministerium mit.

Das Rechenzentrum der Justiz sei in einem Schloss direkt an der Elbe in Barby untergebracht. Auch das Elektronische Grundbuch und das Elektronische Handelsregister seien ausgefallen. In dem Gebäude müssen zudem 6000 Meter Akten des Grundbucharchivs in Sicherheit gebracht werden. Dazu würden auch 50 Gefangene eingesetzt, die im offenen Vollzug seien oder bei denen Lockerungen erprobt würden, heißt es.

+++ 12.23 Uhr: Aigner will Bauern helfen +++

Die von der Flut gebeutelten Bauern können auf zusätzliche finanzielle Hilfe des Bundes hoffen: "Wir werden die betroffenen Landwirte nicht im Regen stehen lassen", versichert Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Ihr Haus prüfe "alle erdenklichen Möglichkeiten".

"Ich bin mir bewusst, dass gegenwärtig die Existenz vieler Familienbetriebe auf dem Spiel steht. Deshalb wollen Bund und Länder schnell und unbürokratisch helfen", erklärt Aigner. Damit betroffene Betriebe nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten, seien Soforthilfen besonders wichtig. Diese Hilfen sind nach Darstellung des Ministeriums nicht in der von Kanzlerin Merkel angekündigten Soforthilfe für die Flutopfer von 100 Millionen Euro enthalten.

+++ 11.59 Uhr: Halle sagt Händel-Festspiele ab +++

Die Händel-Festspiele 2013 in Halle fallen wegen der angespannten Lage aus. Oberbürgermeister Bernd Wiegand und Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff hätten dies entschieden, teilt die Stadt mit. Die Festspiele sollten eigentlich vom 6. bis zum 16. Juni in Halle und Umgebung mit zahlreichen internationalen Stars stattfinden. Das Programm in der Geburtsstadt des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759) war an mehr als 30 Orten geplant, es wurden rund 40.000 Besucher erwartet.

11.48 Uhr: Magdeburg rüstet sich gegen Extremflut +++

Große Sorge in Magdeburg: Der Stadt droht ein extremes Hochwasser. Nach derzeitigen Prognosen wird die Elbe am Pegel Strombrücke am Donnerstag die Marke von 6,90 Metern erreichen, sagt eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Normal sind knapp 2 Meter. In Magdeburg herrscht Katastrophenalarm. 30.000 Sandsäcke zur Sicherung von Deichen und zum Errichten von Wällen wurden bereits gefüllt, 22.000 sind verbaut.

Tritt die Prognose ein, wird Magdeburg mit noch größeren Wassermassen zu kämpfen haben als bei der verheerenden Flut 2002. Damals lag der höchste Pegelstand bei 6,72 Metern.

+++ 11.42 Uhr: 4000 Soldaten im Einsatz +++

Die Bundeswehr unterstützt die Einsatzkräfte mittlerweile mit insgesamt 4000 Soldaten. Die Helfer der Armee seien bei der Deichsicherung und der medizinischen Notfallversorgung tätig, teilt die Bundeswehr mit. Außerdem würden Unterkunft und Verpflegung für die Einsatzkräfte sowie Kleidung für Evakuierte bereitgestellt. Von den 4000 Soldaten sind den Angaben zufolge in Sachsen 2400, in Bayern 1100, in Thüringen 170, und Sachsen-Anhalt 310 im Einsatz.

+++ 11.11 Uhr: Steinbrück fordert Hilfen für Opfer +++

Peer Steinbrück meldet sich zu Wort: Der SPD-Kanzlerkandidat fordert schnelle Unterstützung der Flutopfer. Es müsse nun "auch um konkrete Hilfsangebote gehen, um die Schäden zu begleichen", sagt Steinbrück. Als Anwohner des Rheins habe er konkrete Vorstellungen, was es heiße, "Hochwasser im Haus zu haben". Seine Gedanken seien bei denen, die "um Haus und Habe und in manchen Fällen um die Gesundheit bangen".

+++ 11.06 Uhr: Lage an Talsperre wird prekärer +++

Die Situation im thüringischen Ziegenrück spitzt sich weiter zu. Etwa 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde müssen aus der Bleichlochtalsperre abgelassen werden, damit sie nicht überläuft, teilt das Landratsamt mit. Ziegenrück könne aber nur 120 Kubikmeter Wasser pro Sekunde verkraften. Damit steige die Gefahr der Überflutung.

+++ 10.49 Uhr: Merkel sagt 100 Millionen Euro zu +++

Bei ihrem Besuch in Passau verspricht Merkel den vom Hochwasser betroffenen Regionen unbürokratische Hilfe. "Der Bund hat gestern erst mal 100 Millionen Euro bereitgestellt", teilt die Kanzlerin mit. Das Geld sei für Bayern, Sachsen und Thüringen gedacht, die den gleichen Betrag beisteuerten. Auch Sachsen-Anhalt stellt die Regierungschefin finanzielle Unterstützung in Aussicht.

Jetzt gehe es darum, die Menschen rasch zu unterstützen, sagt Merkel nach Gesprächen mit Betroffenen. Die Schäden der Flut wirkten lange nach. "Das wird noch Wochen dauern."

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Passau am Dienstagvormittag: Noch steht die Altstadt unter Wasser, doch seit dem Morgen sinkt der Pegel der Donau.©

+++ 10.40 Uhr: FDP schlägt Flutschädenfonds vor +++

Die FDP regt die Einrichtung eines Flutschädenfonds an. Daraus sollten Schäden von Privathaushalten und Unternehmen ausgeglichen werden, sofern keine Versicherungen oder Dritte dafür aufkämen, schlagen Parteichef Philipp Rösler und der Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle vor. Es müsse auch geprüft werden, welche Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau auf die Unternehmen in den Flutgebieten zugeschnitten werden könnten.

Brüderle und Rösler sprechen sich zudem dafür aus, die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung umzusetzen und gegebenenfalls für die Sanierung von Flutschäden zu öffnen.

+++ 10.36 Uhr: Sachsen droht tagelange Flutplage +++

Das Hochwasser wird Sachsen wohl die ganze Woche über beschäftigen. "Wir müssen uns auf eine lange Zeit einstellen, insbesondere im Elbtal", prognostiziert Landesinnenminister Markus Ulbigin. Der Scheitel der Moldau werde im Laufe des Tages in Prag erwartet. Das bedeute, dass dann das später mit der Elbe zusammenlaufende Hochwasser in etwa drei bis vier Tagen in der Landeshauptstadt sei. "Der Rückhalteraum in Tschechien ist komplett ausgelastet."

An Freiberger und Zwickauer Mulde ist derweil Entspannung eingetreten. Eine Umleitung der Wassermassen der Weißen Elster in den Tagebau Zwenkau habe das Schlimmste für die Stadt Leipzig verhindert, teilt das Landes-Umweltministerium mit. Landesweit seien 9425 Rettungskräfte im Einsatz sowie 1100 Feuerwehrleute aus ganz Deutschland, 600 davon aus Hessen und 200 aus Berlin.

+++ 9.50 Uhr: Merkel in Passau eingetroffen +++

Krisentreffen in Passau: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich machen sich vor Ort ein Bild von der Situation. Sie sei von der dramatischen Lage überrascht, sagt die CDU-Chefin nach einem Hubschrauberflug über die Region. "Wir haben gedacht, 2002 war die Lage schon exorbitant." Jetzt sei die Situation aber noch dramatischer als beim damaligen Hochwasser.

Merkel sichert den Hochwasseropfern in Bayern Hilfe zu. Der Bund stelle 50 Millionen Euro für unbürokratische Soforthilfe bereit, verspricht sie. Weitere 50 Millionen Euro steuere der Freistaat Bayern für diese Soforthilfe bei. Von Bayern aus will die Kanzlerin ins sächsische Pirna weiterreisen, am frühen Nachmittag ist ein Besuch in Greiz in Thüringen geplant. Auch dort sind tausende Menschen vom Hochwasser betroffen.

+++ 9.38 Uhr: Talsperre droht überzulaufen +++

Die Saale droht die Bleilochtalsperre zum Überlaufen zu bringen, twittert das Landesstudio Thüringen des ZDF. Vattenfall als Pächter der Talsperre müsse Wasser aus dem Stausee ablassen. Der Ort Ziegenrück stehe vor der Überflutung. Die Bleilochtalsperre ist vom Fassungsvolumen her Deutschlands größte Talsperre.

+++ 9.29 Uhr: Aufatmen in Grimma und Borna +++

Nach Erreichen der Höchststände von Mulde und Weißer Elster fließt das Wasser aus den überschwemmten Orten im Landkreis Leipzig langsam ab. "Borna ist zum Großteil wasserfrei", verkündet ein Sprecher des Katastrophenstabes beim Landratsamt. Auch der Pegelstand der Mulde im sächsischen Grimma sinke leicht, liege aber auf noch relativ hohem Niveau. Problematisch sei die Situation aber in Pegau-Elstertrebnitz. "Dort ist der Pegelstand der Weißen Elster noch sehr hoch", sagt der Sprecher. In der Nacht musste ein Damm aufgegeben werden.

Im Landkreis warten derzeit 4400 Menschen darauf, dass sie in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren können. Allerdings müssen die Gebäude, die im Wasser standen, erst bautechnisch und hygienisch begutachtet werden. "Es ist ja nicht klar, was im Wasser drin war." Zudem gibt es bei den meisten keinen Strom.

+++ 8.59 Uhr: Flut erreicht Höchststand in Prag +++

Die Lage in Prag ist ernst: Das Moldau-Hochwasser hat den Höchststand erreicht. Nach Behördenangaben rauschen 3210 Kubikmeter Wasser pro Sekunde den Fluss hinab - normal sind 150. Zu einer Bedrohung für die historische Bausubstanz wird auch das steigende Grundwasser. Der U-Bahn-Verkehr bleibt eingestellt. Die Zahl der wetterbedingten Todesfälle ist in Tschechien seit Sonntag auf sieben gestiegen: Eine Frau wurde in einem Schlosspark bei Prag von einem umstürzenden Baum erschlagen, wie die Agentur CTK meldet.

Auch flussabwärts ist die Nervosität der Menschen groß. In Melnik am Zusammenfluss von Elbe und Moldau steht das Wasser nur noch 60 Zentimeter unter der Deichkrone. In der Industriestadt Usti (Aussig) werden weitere Wohngebiete mit rund 2000 Einwohnern evakuiert. Dort wird am Mittwoch ein Pegelstand erwartet, der nur einen knappen Meter unter dem des "Jahrhunderthochwassers" von 2002 liegen dürfte. In fast allen Regionen Tschechiens gilt seit Sonntag der Notstand.

+++ 8.52 Uhr: Banges Warten in Österreich +++

In vielen Teilen Österreichs erwarten die Menschen mit Bangen den Höhepunkt des Donau-Hochwassers. In Ober- und Niederösterreich sollen die Pegelstände den Tag über noch steigen. Unklar ist, ob die neu errichteten 11,15 Meter hohen Schutzwände halten und ihre Höhe ausreicht. "Das wird eine Zentimeterpartie", heißt es vom Hydrographischen Dienst. Genaue Vorhersagen seien schwierig, weil in Bayern eine wichtige Messstation ausgefallen sei.

Zudem befürchten die Menschen, dass mitgerissenes Treibgut die Wände zerstören könnte. Die Situation sei unberechenbar, heißt es vom Militär. Die Donau ist in ganz Österreich für den Schiffsverkehr gesperrt.

+++ 8.44 Uhr: Wasser dringt in Pirnas Altstadt ein +++

In der sächsischen Stadt Pirna stehen erste Straßenzüge unter Wasser. In elbnahen Gebieten musste der Strom abgeschaltet werden. Bewohner wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. "Es gab aber keine Zwangsevakuierungen", sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Notquartiere stünden bereit. Die Anlegestelle und erste Straßen hinter dem Bahndamm seien überflutet. Das elbaufwärts liegende Obervogelgesang sei komplett überspült, dort kämen die Bewohner nur noch über Notwege in ihre Häuser. "Und der Scheitel ist noch nicht erreicht."

Elbaufwärts in der Sächsischen Schweiz wurden die Orte Schmilka und Postelwitz evakuiert. Viele Hotels in Flussnähe mussten schließen.

+++ 8.30 Uhr: Bayern verteidigt Hochwasserschutz +++

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann weist Kritik am Hochwasserschutz zurück. "Das System hat nicht versagt", sagt er im Deutschlandfunk. Die derzeitige Situation sei völlig außergewöhnlich. "Wir haben schon sehr viel investiert, das war erfolgreich an vielen Stellen", betont der CSU-Politiker. Und dort, wo der Schutz jetzt nicht erfolgreich war, müsse sorgfältig analysiert werden, wie das künftig verhindert werden könne.

+++ 7.28 Uhr: Brandenburg macht sich bereit +++

Die Hochwasserwelle aus Sachsen erreicht Brandenburg. In den vergangenen 24 Stunden seien die Pegelstände der Flüsse dort gestiegen, teilt das Landesumweltamt mit. Vor allem an der Elbe und der Schwarzen Elster seien die Vorbereitungen zur Bekämpfung von Wassermassen angelaufen.

In Herzberg, im Jahr 2002 wochenlang von Hochwasser bedroht, würden vorsorglich Sandsäcke gefüllt. Auch Mühlberg an der Elbe drohe die höchste Alarmstufe 4. An der Oder, die 1997 beim dortigen sogenannten Jahrhunderthochwasser besonders betroffen war, gebe es bisher dagegen keine Probleme.

+++ 7.21 Uhr: Wasser fließt in Meißens Altstadt +++

Im sächsischen Meißen fließt das Hochwasser der Elbe nun in die Altstadt. Wie eine Sprecherin des Krisenstabs mitteilt, liegt der Wasserstand bei acht Metern. Die Schutzwand misst 7,85 Meter. Der Theaterplatz sei bereits überflutet. An der tiefsten Stelle stehe das Wasser einen halben Meter hoch, hieß es - Tendenz steigend.

+++ 7.18 Uhr: Höchste Flut seit mehr als 130 Jahren +++

Die Stadt Regensburg hat den Katastrophenfall ausgerufen. Für 8 Uhr wird hier der Schweitel des Hochwassers erwartet. Mit einem Pegel von 6,80 Meter an der Messstelle "Eiserne Brücke" schwillt die Donau dann so hoch an wie seit mehr als 130 Jahren nicht. Trotzdem sieht die Stadt kaum Gefahr für die Bewohner. Strom- und Trinkwasserversorgung sind im Gegensatz zu anderen Städten in Takt. Einige Straßen der Stadt dürften aber überschwemmt werden.

+++ 6.56 Uhr: Noch keine Entwarnung in Bayern +++

In Bayern sinken vielerorts erstmals seit Tagen die Pegel, von einer Entwarnung kann aber nicht die Rede sein. Dennoch denkt die bayerische Staatsregierung bereits an die Aufräumphase. Ein Hilfsprogramm in Höhe von 150 Millionen Euro soll die Folgen der Katastrophe in Passau, Rosenheim und Südostbayern lindern helfen.

+++ 6.47 Uhr: 100.000 Sandsäcke für Halle +++

In Halle wird die Lage von einem Stadtsprecher als "dramatisch" bezeichnet. Die Saale hat stellenweise die Marke von 7,50 Metern überschritten. In der Plattenbausiedlung Halle-Neustadt sind wegen des hohen Grundwasserspiegels bereits die Keller voll. 200 Feuerwehrleute aus dem Harz sollen helfen; sie werden am Morgen in Halle erwartet. Aus dem Raum Hannover sollen 100.000 befüllte Sandsäcke angeliefert werden.

+++ 6.40 Uhr: Große Sorge in Sachsen Anhalt +++

Die größte Hochwasserwelle steht in Sachsen-Anhalt noch unmittelbar bevor. In der Nacht hatte sich die Lage zunächst nicht deutlich verschärft, heißt es im Lagezentrum des Innenministeriums. Im Laufe des Tages werden Rekordpegelstände erwartet. Nach offiziellen Einschätzungen droht ein noch schlimmeres Hochwasser als bei der Jahrhundertflut 2002. Seither sind aber Deiche saniert und erneuert worden - man fühlt sich daher besser gerüstet.

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Mitglieder des Technischen Hilfswerks im Einsatz in der überfluteten Innenstadt von Grimma in Sachsen.©

+++ 5.54 Uhr: Erste Elbbrücke in Dresden gesperrt +++

In Dresden wurde die erste Elbbrücke gesperrt. Ein Sprecher des Katastrophenstabs beruhigte jedoch: "Bilder wie 2002 von einer überschwemmten Dresdner Altstadt wird es aller Voraussicht nach nicht geben."

+++ 4.00 Uhr: Pegel in Passau sinkt +++

Mit 12,40 Metern hat der Pegelstand der Donau in Passau um 4 Uhr in der Nacht mehr als einen halben Meter unter dem Höchststand gelegen. Bis zum Nachmittag soll das Wasser auf etwas über 10 Meter zurückgehen. Die Trinkwasserversorgung ist gekappt - denn durch das Flusswasser droht eine Verunreinigung. Der Strom ist abgestellt. Auch die Festnetz-Telefone funktionierten nicht.

+++ 3.35 Uhr: Schutzwände in Meißen überflutet +++

Im sächsischen Meißen übersteigt das Hochwasser nun die Höhe der Schutzwand. Somit dürfte die komplette Altstadt überflutet werden, sagt ein Sprecher des Katastrophenstabes. Die Elbe hat hier einen Pegelstand von 7,89 Metern erreicht, die Schutzwand misst nur 7,85 Meter. Auch der Katastrophenstab selbst hat Probleme. Er ist nicht mehr telefonisch zu erreichen.

+++ 3.00 Uhr: Lage in Regensburg verschärft +++

Die Lage in Regensburg hat sich in der Nacht weiter verschärft. Die Donau erreicht einen Pegelstand von 6,65 Meter. Es droht die Überflutung mehrerer Straßen, die vorsorglich gesperrt wurden. In einer Schule im Stadtgebiet steht ein Notlager mit 365 Feldbetten zur Verfügung.

Die aktuellen Pegelstände Regen ohne Unterlass: In vielen Teilen Deutschlands sind die Flüsse über die Ufer getreten. Hier finden Sie für alle betroffenen Gebiete die aktuellen Pegelstände.

Sandsäcke - Helfer in der Not Bei Hochwasser gehören Sandsäcke zu den wichtigsten Hilfsmitteln. Sie dienen dem Gebäudeschutz und der Sicherung von Deichen. Katastrophen hätten immer wieder gezeigt, wie wichtig es in gefährdeten Gebieten sei, einen Notfall-Vorrat bereitzuhalten, heißt es beim Technischen Hilfswerk. Ein gefüllter Jute- oder Kunststoffsack wiegt 15 bis 20 Kilogramm. Jutesäcke sind an steilen Böschungen rutschfester und passen sich Unebenheiten gut an. Dafür verrotten sie eher. Kunststoffsäcke rutschen leichter, sind aber gegen Nässe und Witterungseinflüsse beständiger.

Katastrophenalarm - was heißt das? Katastrophenalarm wird ausgelöst, wenn schwere Schäden etwa durch Naturgewalt oder Unglücke drohen. Dabei kann z. B. die Bundeswehr im Inland aktiv werden. Im Notfall können die Behörden Gebiete sperren und räumen, Anwohner als Helfer verpflichten und fremde Gebäude oder Autos in Anspruch nehmen. In den Bundesländern gibt es bei Hochwassergefahr bis zu vier Alarmstufen. In der höchsten drohen große Gebiete zu überfluten. Evakuierungen werden vorbereitet.

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