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17. August 2010, 22:44 Uhr

UN befürchten noch Schlimmeres

Die Lage in Pakistan wird immer dramatischer. Helfer sehen Millionen Frauen und Kinder von Krankheiten bedroht. Die EU-Kommission schlägt eine rasche internationale Geberkonferenz vor.

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Warten auf die Hilfe: Eine ältere Frau bittet in einem Auffanglager um Essen© Fareed Khan/AP

Angesichts der immer schlimmeren Ausmaße der Flutkatastrophe in Pakistan hat die EU eine internationale Geberkonferenz vorgeschlagen. Dabei sollen große Geldsummen für den langfristigen Wiederaufbau des Landes gesammelt werden, erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Dienstag. Derweil breiten sich unter den Millionen Flüchtlingen in Pakistan Krankheiten aus, Helfer rechnen mit noch mehr Toten.

"Wir müssen uns darauf vorbereiten", sagte der stellvertretende Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Abdullah Assaedi, am Dienstag in Islamabad. Die Fluten hätten ein Fünftel der Gesundheitseinrichtungen im Land zerstört oder beschädigt. Hilfsorganisationen fordern mehr Mittel für Notleidende. Ein Fünftel von Pakistan steht nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) unter Wasser.

EU sammelt Geld und Hilfsgüter

In einem Brief an Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kündigte Barroso Vorschläge für eine aktivere Rolle der EU bei der Katastrophenhilfe an. Der Kommissionspräsident stellte auch "eine spürbare Erhöhung" der Katastrophenhilfe der EU-Kommission - bisher 40 Millionen Euro - in Aussicht.

Hilfe ist dringend nötig. Der Regionaldirektor des Kinderhilfswerks Unicef, Daniel Toole, sagte mit Blick auf die drohende Ausbreitung von Krankheiten: "Wir haben nicht Hunderttausende, sondern Millionen Frauen und Kinder, die gefährdet sind." Auch die ohnehin im Land verbreitete Unterernährung werde nun noch zunehmen.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnte, die Lage werde schlimmer. Die Wassermassen verwüsteten auf ihrem Weg nach Süden noch mehr Gebiete und trieben zahlreiche weitere Menschen in die Flucht. Die Bestände an Hilfsmitteln schrumpften. "Wir brauchen mehr Hilfsflüge und massive Mittel, um dieser Krise entgegenzutreten, die sich immer noch ausweitet", forderte die Organisation. Es bestehe die Gefahr, dass die Weltgemeinschaft das Ausmaß der Katastrophe immer noch nicht begriffen habe.

Magen-Darm-Erkrankungen in Lagern

In den Fluten starben bisher fast 1500 Menschen, etwa 20 Millionen sind von der Katastrophe betroffen. Die Behörden riefen am Dienstag zur Evakuierung weiterer Dörfer auf. Die Zeitung "Dawn" berichtete unter Berufung auf Gesundheitsbehörden, ein vierjähriger Junge sei in einem Auffanglager in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi an einer Magen-Darm-Erkrankung gestorben. Ein sechs Tage altes Baby sei durch Tetanus ums Leben gekommen. Ein Arzt sagte zu "Dawn", sein Team habe in dem Flüchtlingslager inzwischen bei 400 Menschen hohes Fieber und Magen-Darm-Erkrankungen diagnostiziert.

Nach der Flutkatastrophe fehle es an allem, die Not sei unvorstellbar, mahnte die Vorsitzende der Hilfsorganisation Cap Anamur, Edith Fischnaller, und bat um mehr Spenden. Der humanitäre Koordinator der UN in Pakistan, Martin Mogwanja, sagte, die Vereinten Nationen hätten bislang nur 160 Millionen Dollar Soforthilfe erhalten - rund ein Drittel der erbetenen Summe. Die UN hatten am Mittwoch vergangener Woche 459 Millionen Dollar (352 Millionen Euro) Soforthilfe angefordert.

Auch das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) rief zu mehr Hilfe für die Flutopfer auf. "Nahrungsmittel, Lastwagen, Hubschrauber und Arbeitskräfte - das alles kostet Geld", sagte WFP- Landesdirektor Wolfgang Herbinger. Die Hindernisse seien weiterhin massiv. Da viele Straßen und Brücken fortgespült wurden, seien viele Gegenden nur per Hubschrauber erreichbar. Lastwagen mit Hilfsgütern müssten große Umwege fahren.

Pakistans Image lässt Spendenbereitschaft sinken

Nach Ansicht der Hilfsorganisation CARE bremst aber das schlechte Image Pakistans die Spendenbereitschaft. "Es wird unterstellt, da sitzt alles voller Taliban und Terroristen und die Korruption ist groß. Pakistan ist eine Atommacht, und da sind die Spender wohl etwas zurückhaltender", sagte CARE-Hauptgeschäftsführer Anton Markmiller dem Sender NDR-Info.

Pakistans UN-Botschafter Zamir Akram versuchte, solche Sorgen zu zerstreuen. Dass Hilfen und Spenden in falsche Hände, vor allem an die Taliban fallen könnten, halte er für ausgeschlossen, sagte Akram in Genf. "Das ist eine sehr transparente Angelegenheit." Auch nach Überzeugung von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) versickert die staatliche Hilfe aus Deutschland nicht in dunklen Kanälen. Deutschland arbeite bei derartigen Katastrophen seit Jahren mit dem UN-Welternährungsprogramm sowie mit staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen zusammen, sagte er dem Südwestrundfunk.

Aus Deutschland kommen unterdessen mehr Spenden für Pakistan. "Nach verhaltenem Start hat es in den letzten Tagen einen enormen Spendenzuwachs gegeben", sagte die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes. Rund eine Million Euro habe das DRK bisher an Spendengeldern bekommen. Am Dienstag startete in Berlin eine Frachtmaschine mit 18 Tonnen Hilfsgütern. Das Flugzeug bringt Zelte, Moskitonetze und Decken in die Hochwassergebiete. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) schickt Filter zur Aufbereitung von Trinkwasser ins Katastrophengebiet.

swd/DPA
 
 
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