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23. April 2008, 11:26 Uhr

"Ist die Mama jetzt tot?"

Am Ostersonntag wurde das Leben einer Familie zerstört: Auf der Autobahn A 29 traf ein Holzklotz das Auto von Alexander K. und tötete seine Frau Olga. Dem stern schildert der Witwer, was genau an diesem Abend im Auto passierte und wie er und seine zwei kleinen Kinder versuchen, mit dem großen Verlust fertig zu werden. Von Andrea Schaper

Glücklich im Sommer 2007: Alexander K. und seine Frau Olga

Der Friedhof von Telgte. Vor dem Grab mit den Gipsengeln, den vielen Blumen, den weißen Schleifen mit der goldenen Schrift und dem schlichten Holzkreuz mit Olgas Namen hockt Jannik. Der Neunjährige nimmt die Hand seines Vaters Alexander, drückt sie und sagt: "Sie fehlt mir. Sie fehlt mir einfach." Und der Vater nickt.

Am Ostersonntag 2008 um 19.57 Uhr, beendete ein Holzklotz das Leben von Olga K. Auf der Autobahn A 29 zwischen Wilhelmshaven und Oldenburg wurde sie von einem sechs Kilo schweren Pappelstamm erschlagen. Der Klotz traf ihren Hals, die linke Schulter, den Brustkorb. Olga K., 33 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, Jannik und die siebenjährige Lara, war sofort tot.

Eine Wucht von zwei Tonnen

Unbekannte hatten den Stamm von einer Brücke auf den silberfarbenen BMW geworfen. Die Familie war nach einem Besuch in Wilhelmshaven auf dem Heimweg. Alexander saß am Steuer, der Wagen fuhr mit etwa 120 km/h, als die sechs Kilo Pappelholz durch die Windschutzscheibe schmetterten. Sechs Kilo Holz. Eine Wucht von zwei Tonnen.

Wie betäubt von Schmerz: Alexander K. in seinem Wohnzimmer© Knut Gärtner

Da war "ein Knall, den ich einfach nicht mehr aus meinem Kopf bekomme", sagt Alexander jetzt zum stern. Ein schwarzer Schatten, Splitter, die Windschutzscheibe platzte auf der Beifahrerseite, etwas schlug mit ungeheurer Kraft ein. Alexander bremste den Wagen ab, fragte nach hinten: "Alles okay?" "Alles okay", antworteten die Kinder. Von seiner Frau bekam er keine Antwort. Alexander hielt an. Machte die Tür auf. Da ging die Innenbeleuchtung an. Und er konnte erkennen, was passiert war.

"Ist die Mama jetzt tot?"

Auf Olgas Schoß ein Holzklotz, überall Splitter. Blut. Olgas Kopf hing links nach unten. Ihr Mann versuchte, sie mit Mund-zu-Mund-Beatmung ins Leben zurückzuholen. Dann eine Herzmassage. "Doch da war alles so weich, ganz eingedrückt." Ihm wurde klar: "Klotz. Loch. Brücke. Vorbei." Er rief die Polizei. Jannik, der hinter seinem Vater gesessen hatte, weinte seiner Mutter ins Ohr: "Mama." "Mama." Und Lara fragte: "Ist die Mama jetzt tot?" "Bitte seid leise", flehte Alexander. "Ich muss der Mama doch helfen. Ich muss doch hören, ob ihr Herz noch klopft."

Zum ersten Mal erzählt Alexander K. jetzt im stern über die Nacht, in der seine Frau Olga getötet wurde. Und er erzählt über seine Frau, die Liebe seines Lebens. "Ola hat mir so viel beigebracht. Sie war viel offener und selbstständiger als ich. Ich brauchte immer ihren Rat, und sie hatte auf alles eine Antwort. Sie hat mir gezeigt, dass man durchhalten, ein Ziel vor Augen haben muss. Ich muss das schaffen. Ich will das für sie schaffen." Und: "Ich muss doch zeigen, dass ich lebendig bin."

Am Grab von Olga K.: Olgas Schwester und ihre Freund trauern um die zweifache Mutter© Knut Gärtner

Olga kam 1995 nach Deutschland

Als die 20-jährige Olga im Mai 1995 mit ihren Eltern und der fünf Jahre jüngeren Schwester Helena von Kasachstan nach Deutschland kam, war sie neugierig auf dieses Land, in dem die Straßen mit Shampoo gewaschen werden, in dem alle ein Haus mit Garten haben und in dem die Geschäfte "Kaufparadies" heißen. So hatte man es sich in Wannowka erzählt, der kleinen Stadt in ihrer Heimat, 2500 Kilometer von Moskau entfernt.

Knapp ein halbes Jahr später lernte sie Alexander kennen, auch er Spätaussiedler aus Kasachstan, Lkw-Fahrer, bereits seit fünf Jahren mit seinen Eltern im Land. Nur fünf Tage später stellte sie ihn auf einem Geburtstag ihrer Familie vor. "Das ist er", sagte sie und ließ an ihrer Entscheidung keinen Zweifel. Alexander heute: "Was ich nicht konnte, das konnte Ola", wie er sie liebevoll nannte. "Ihr Mut, ihre Lebensfreude, ihre Zuversicht haben mir immer Kraft gegeben. Sie war mein Motor. Mein Antrieb." Und: "Ich kann sie manchmal noch fast spüren. Doch jetzt werde ich sie nie mehr im Arm haben."

Bis heute, gut vier Wochen nach der Tat, weiß die Polizei nicht, wer hinter dem Anschlag steckt. "Wir haben keine heiße Spur", gibt Staatsanwalt Stefan Schmidt unumwunden zu. Noch immer werten die 27 Beamten der Sonderkommission "Brücke" die über 600 Hinweise aus der Bevölkerung aus. Ob es sich bei der mit einem Phantomfoto gesuchten Gruppe von Jugendlichen, die ein Zeuge gegen 20 Uhr auf der Brücke gesehen haben will, um die Täter handelt - oder vielleicht doch um Zeugen -, ist ebenfalls ungeklärt.

Spenden für die Familie Die Familie von Olga K. hat inzwischen ein Spendenkonto eingerichtet, um wenigstens dem Vater und den beiden Kindern ein wenig zu helfen.

"Spendenkonto Familie Olga K.:" Kontonummer: 301 521 894

Sparkasse Münsterland Ost.

BLZ. 400 501 50

Mehr...

Mehr... ... über den Holzklotz-Anschlag und die bewegende Geschichte der Familie des Opfer lesen Sie im neuen stern.

Von Andrea Schaper
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
aeternitas (25.04.2008, 14:23 Uhr)
Sprachlos
Wer beim Lesen dieses Artikels etwas anderes empfindet als Trauer, der ist kein Mensch.
Auch wenn der Täter sich der Gerichtsbarkeit für immer entziehen kann, so soll er doch bis ans Ende seiner Tage daran denken, dass seine Tat das Leben einer starken, mutigen Frau brutal ausgelöscht hat. Dass er einem Mann die geliebte Ehefrau und den Kindern die Mutter genommen hat.
Ich hoffe alle Zeitschriftenhändler legen diese Zeitschrift oben auf ihre Ständer, damit der Täter sieht, wen er auf dem Gewissen hat.
Clemens1964 (25.04.2008, 12:57 Uhr)
@sykes52
welch ein überflüssiger kommentar! wen soll das interessieren? können sie ihr innerstes bitte für sich behalten und sich wenn überhaupt konstruktiv zu sache äußern?!
sykes52 (24.04.2008, 14:07 Uhr)
unverstaendliche Tat....
auch ich moechte mich nochmal melden, nachdem ich gestern meine Gedanken hier drinnen aufgeschrieben hatte, mein Beileid fuer die Familie aussprach und von einigen Chaoten sofort runtergemetzelt wurde.
Ich fuehle mit dem Mann , mit seinen Kindern, es tut mir weh anzusehen wie der Mensch an sich mehr und mehr das Mitgefuehl fuer Andere verliert, das Leben anderer mit Fuessen tritt und sich dann noch lustig darueber macht, dass Mitmenschen Mitgefuehl zeigen und in Blogs veroeffentlichen. Da machen sich einige sogar noch einen Spass indem sie an ihren computern sitzen und nichts anderes zu tun haben, als sich daran zu ergoetzen Schmutz zu verteilen. Ich weiss, gestern hab ich etwas mein Cool verloren und hab zurueckgeballert, aber ich bitte um Entschuldigung, dass mir das passiert ist, ich moechte nochmals mein Beileid der Familie aussprechen und meine Gedanken sind bei ihnen.
Frecher (24.04.2008, 10:44 Uhr)
schlechte Justiz und fehlende Unterstützung durch die Politik
Es ist doch kein Wunder, dass die Leute nach Vergeltung lechzen, wenn man sich tagtäglich die Justizurteile anschaut. Der Staat bzw. die Justiz unternehmen in Deutschland einfach zu wenig. Man muss selbstverständlich auch die Ursachen bekämpfen, aber es kann doch nicht sein, dass Täter in Deutschland mit Samthandschuhen behandelt werden. Wo soll das denn hinführen...Man braucht sich doch nur die heranwachsenden anzugucken. Die lachen doch, wenn sie für irgendwelche Delikte verhaftet werden. Und weshalb??? Weil sie mit keinem vernünftigen Strafmaß rechnen müssen und weil sie keine Hilfe vom Statt erhalten.
Die_Tina (24.04.2008, 10:33 Uhr)
Monster
Entweder der/die Täter ist/sind total abgebrüht oder psychisch einfach nicht ganz auf der Höhe... Ich kann mir nicht vorstellen, dass man, in dem Wissen eine unschuldige Person brutal umgebracht zu haben, weiterleben kann. Hat/haben der/die Täter denn keine Verwandte, Freunde oder sonstiges denen irgendwas auffällt? Oder wenn es ihnen auffällt, würden sie schweigen? Eigentlich unvorstellbar. Mein aufrichtiges, herzliches Beileid.
Grüße...
SirDidimus (24.04.2008, 10:27 Uhr)
An alle Todesstrafenbeführworter
warum nicht gleich Steinigen, Rädern und Vierteilen einführen.
Die Trauer für diese Familie ist so groß, und Euch fallen keine besseren Dinge ein. Spendet doch mal trost, statt euren Steinzeitlichen Rachegelüsten hier freien Lauf zu lassen.
tufang (24.04.2008, 10:22 Uhr)
Ein Albtraum !!
Was da passiert ist absulut nicht nachvollziehbar,als Vater von 2 Kinder bin ich erschüttert,wie KAPUTT eigentlich ein Gesellschaft sein muss in dem solsche WAHNNSINNIEGE leben ,die Frage kann ich MOMENT nicht beantworten.
Man sollte SOFORT alle Autobahn-Brücken mit zusätzlichen Gitter installieren solange diese Irren frei rumlaufen.
Chronixx (24.04.2008, 09:56 Uhr)
Armselig
sind manche Kommentare hier. Die Tat war furchtbar und ist durch nichts zu entschuldigen, aber was hier zum Teil an "gerechten" Strafen vorgeschlagen wird, ist an geistiger Armut und Sinnfreiheit nicht mehr zu überbieten!
Chrx.
h-p-t (24.04.2008, 09:47 Uhr)
@Aprotheus DANKE !
da in unserem suppenkasper staat keine gerechte strafe zu erwarten ist, sollte man die täter der familie zuführen und diese sollten sich um sie kümmern dürfen....
todesstrafe wäre endlich mal ein schritt in die richtige richtung, aber in einem land in dem die menschenrechtskomissionen der eu durch unsere jva´s und mrv´s ein- und ausgehen und bemängeln das kinderschänder, vergewaltiger und mörder statt aus 3 menue´s aus 5 menue´s auswaehlen dürfen, oder in dem die menschenrechtskomissionen anordnen das man gefangene nicht länger als 24 stunden einschliessen darf da dies nicht mit den menschenrechte vereinbar ist etc. selbst wenn dir diese ihren urin ins gesicht schütten, etc.,
ja, in diesem land wird dies so schnell nicht umzusetzen sein.
ich für meinen teil hoffe das die täter gefasst werden und das der vater der kinder gute freunde hat die sich um diesen abschaum kümmern....
damit der vater noch zeit hat sich um seine kinder, die ihn jetzt brauchen, zu kümmern.
schade das nur wir forenschreiber uns so viele gedanken machen, egal wie auch immer diese gedanken sind, ob gut oder schlecht im auge des betrachters, wir denken zumindest noch über das geschehene nach, im gegensatz zu unseren volksvertretern die sich nur ihre wampe vollhauen und sich in ihrer welt im kreise drehen...
die sehen nicht mehr was hier passiert....
Aprotheus (24.04.2008, 08:58 Uhr)
Todesstrafe
Klingt hart, aber die Straftat war härter.
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