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28. Dezember 2007, 08:31 Uhr

Sie wollen nicht nur spielen

In Rudeln hetzen sie durch die Stadt, kläffen Fußgänger an und schnappen zu. Aggressive Kampfhunde versetzen Moskau in Angst. Mehr als 15000 Bewohner wurden im vergangenen Jahr gebissen. Die Lage scheint außer Kontrolle.

Zoom

Streunende Hunde laufen in der Nähe des Roten Platzes in Moskau© Yuri Kochetkov/DPA

Sie greifen Kinder an, beißen Passanten und stellen sich einem kläffend in den Weg: Moskaus verwilderte Hunde - darunter tausende Kampfhunde - werden zunehmend zu einer gefährlichen Plage in der russischen Metropole. Mehr als 15 700 Menschen wurden russischen Medienberichten zufolge allein im vergangenen Jahr gebissen. Mitunter sterben die Attackierten an den Bisswunden, weil sie verbluten oder mit Krankheiten infiziert werden. Tierärzte stellen immer häufiger Tollwut fest. Moskaus Bürger beklagen, dass die Behörden trotz tausender Beschwerden tatenlos zusehen. Viele fordern die Stadtverwaltung auf, sich an der deutschen Hundesteuer, Kampfhundeverordnung und den Tierheimen ein Beispiel zu nehmen.

Rund 30.000 ausgesetzte Hunde in Moskau

Im Moskauer Stadtteil Jugo-Sapadnaja belagern die Tiere die Häuser. "Oft sind bis zu zehn Hunde in einem Rudel, sie lauern knurrend an Hauseingängen, so dass man sich nicht mehr nach Hause traut - sie terrorisieren uns", sagt die 19-jährige Anna Dubowa. Jeden Tag werden in der Stadt mit geschätzten 30.000 ausgesetzten Hunden dutzende Menschen gebissen, wie die Tageszeitung "Nowyje Iswestija" berichtet. Die ausgemergelten Tiere suchen in den Mülltüten der Moskauer Wohnviertel nach Essensresten.

Der Verbraucherschützer Dmitri Janin kritisiert, dass es den Tierhaltern in Russland zu leicht gemacht werde - die Verantwortung für die Tiere sei auf ein Minimum reduziert. Es sei leicht, niedliche Welpen auf der Straße zu kaufen und - wenn sie groß sind - einfach auszusetzen. So macht sich der Mangel an Gesetzen zur Kontrolle des Bestandes in allen russischen Großstädten bemerkbar. Nahe Nischni Nowgorod an der Wolga etwa bissen Hunde im November eine 21-Jährige zu Tode. In Moskau verblutete eine Achtjährige 2006 nach einer Kampfhundeattacke.

Chinarestaurants verarbeiten kranke Hunde zu "Lammfleisch"

Doch auch in Russland ist die Lobby der Tierschützer stark. Sie geben den Haltern, die ihre Hunde achtlos aussetzen, die Schuld an der unkontrollierten Vermehrung. Als im August dutzende Hunde in Moskau verschwanden, erstatteten sie aus Sorge Anzeige. Wie sich herausstellte, hatte eine Chinarestaurant-Kette die meist kranken Tiere geschlachtet und Gästen als Lammfleisch vorgesetzt. "Chinesische Köche schlachteten Hunde im Restaurant und bereiteten das Fleisch wie eine Delikatesse zu", sagt der Sprecher der Lebensmittelkontrolle, Philipp Solotnizki.

Die Stadt Moskau räumt ein, der Lage nicht Herr zu werden. "Wir erhalten täglich zu viele Anfragen und entfernen die Tiere nur auf dem Gelände von Kindergärten und dort, wo sie Eingänge verstellen", sagt Michail Kuskow von der zuständigen Behörde. Der Zoologe Andrej Neuronow meint, dass die Situation außer Kontrolle geraten sei. "Hunderte Hunde leben inzwischen schon im unterirdischen Netz der Metro", zitiert das Boulevardblatt "Komsomolskaja Prawda" Neuronow.

15 neue Tierheime in Planung

Das Problem mit Moskaus "Hundeterror" hat sich verschärft, seit Bürgermeister Juri Luschkow vor fünf Jahren das Abschießen aus Tierschutzgründen verbot. Nur besonders aggressive und kranke Tiere werden von Experten eingefangen. Nach ihrer Sterilisierung würden die gesunden Vierbeiner aber wieder ausgesetzt, berichtet das Internetportal expert.ru. Nur Hunde, die in der Nähe von Schulen, Spielplätzen und Krankenhäusern leben, würden in Tierheime gebracht. In einem ersten Schritt will Moskaus Stadtverwaltung im kommenden Jahr 15 neue Heime bauen - mit tierärztlichen Behandlungszimmern.

Ulf Mauder/DPA
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Allype (29.12.2007, 10:21 Uhr)
Wenn man das Problem lösen will
@ SpitneyBrears:
Die Frage, wer dafür verantwortlich ist, muss man sich schon stellen, wenn man das Problem lösen will. Denn dies ist keine Problem eines zuviel an Tierschutz, sondern eindeutig eines ZU WENIG an Tierschutz. Hätte man die Hunde rechtzeitig vor den Menschen geschützt, die sie durch Misshandlung (bewusst!) aggressiv machen und dann aussetzen, so müsste man sich heute nicht die Frage stellen, wie man die Menschen vor den Hunden schützen kann. Denn gäbe es einen effektiven Tierschutz, so gäbe es das Problem in Moskau gar nicht.
Leider wird Tierquälerei aber immer noch fast überall auf der Welt bagatellisiert und geduldet, teilweise sogar als “völlig normal” angesehen. Und leider hat der Mensch offenbar bis heute noch nicht begriffen, dass er für sein Handeln verantwortlich ist. Kaum jemand nimmt Notiz davon, dass täglich Millionen Tiere gequält und misshandelt werden. Erst wenn dadurch Menschen zu Schaden kommen, ist das Geschrei groß. Was für ein Armutszeugnis, für eine Spezies, die sich doch selbst als das “höchst entwickelte Wesen im Universum” bezeichnet…
sportartmakler (28.12.2007, 14:11 Uhr)
natürlich ist der mensch schuld
@sako - ich schätze mal du hast den kommentar unserer popprinzessin falsch verstanden, bruno wäre in russland sicher gewesen war wohl eher die aussage
sterilisieren, einschläfern, tierheime und strengere richtlinien bei an- und abschaffung der tiere sind wohl der einzige weg
SpitneyBrears (28.12.2007, 14:02 Uhr)
Was und??
Wenn da halbwilde, tollwütige Hunde durch die Gegend rennen und Leute anfallen dann ist das eine Bedrohung, es spielt keine Rolle wer da Schuld hat.
Einen an der Glocke haben ist für Sie ordinär? Ach Gottchen was sind Sie denn für einer. Ich sollte wohl das scheinbar zurücknehmen.
Heute schon einer Fliege das Leben gerettet?
Buhahahaha
H.P. (28.12.2007, 12:59 Uhr)
ich bin des öfteren schon gebissen worden
Ich selbst bin ein Hundefreund, bin aber schon des öfteren gebissen worden da die Halter es nicht für nötig halten ihre Hunde anzuleinen. Ein Hund ist ist keine Bestie, er wird dazu gemacht. Das gefährlichste Tier ist eigentlich der Mensch selbst, schlimmer noch als jeder bissige Hund. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben als die Tiere zu töten, weil es zu gefährlich geworden ist. Also ich möchte nicht gebissen werden, wie gesagt, ich bin des öfteren schon gebissen worden und musste zum Arzt. Trotzdem habe ich keinen Hass auf Hunde, mir tun die Tiere noch Leid dabei.
SAKO (28.12.2007, 12:31 Uhr)
Und??
@SpitneyBrears
Wer ist daran schuld? Nicht die Hunde, die haben sich das Leben so bestimmt nicht ausgesucht. Und dass es so nicht weitergehen kann, steht außer Frage. Aber anhand Ihrer doch sehr ordinären und begrenzten Wortwahl sage ich nur: Don't feed the troll :)
SpitneyBrears (28.12.2007, 12:26 Uhr)
..
"Mehr als 15 700 Menschen wurden russischen Medienberichten zufolge allein im vergangenen Jahr gebissen. Mitunter sterben die Attackierten an den Bisswunden, weil sie verbluten oder mit Krankheiten infiziert werden. Tierärzte stellen immer häufiger Tollwut fest"
Sinnloser Kommentar? Die haben doch einen an der Glocke, und Sie scheinbar auch.
PFFF
Allype (28.12.2007, 12:24 Uhr)
Vielleicht sollte man sich mal überlegen, wie es zu sowas kommt?
Zufällig habe ich sehr gute Freunde, die über 30 Jahre in Russland gelebt haben. Diese berichten, dass es in Russland leider durchaus üblich ist, Hunde bewusst aggressiv zu machen. Dort die Devise: "Ein guter Hund muss böse sein, sonst taugt er nichts!"
Hunde werden dort selten als Haustiere angesehen, sondern eher als Nutztiere - mit dem einzigen "Zweck" möglichst abschreckend zu wirken und Haus und Hof mit allen Mitteln zu verteidigen. Hunde, die nicht "scharf" genug sind, werden üblicherweise misshandelt, um die von den Menschen gewünschte Aggression zu fördern. Gelingt dies nicht, und wird der Hund nicht so aggressiv wie die Besitzer es wünschen, so wird er auch nicht mehr weiter mit "durchgefüttert", sondern kurzerhand aus dem Haus oder vom Hof verjagt. Dies ist nicht die Ausnahme, sondern leider die Regel. Es ist also gut möglich, dass die Hunde dort tatsächlich aggressiv und gefährlich sind. Das Problem ist dann allerdings - wie immer (!) - vom Menschen verursacht, nicht vom Hund!
Aber es ist ja leider nichts Neues, dass in diesen Dingen gerne mal recht einseitig berichtet wird. Die Geschichte vom "bösen Wolf" lässt sich eben immer wieder gut verkaufen...
SAKO (28.12.2007, 12:17 Uhr)
Unfaßbar?
@SpitneyBrears
Selten einen so sinnlosen Kommentar gelesen. Vermutlich waren Sie auch für das Abschießen von Bruno. Und ich bezweifle sehr, dass dieser arme Bär etwas gegen die Hunde hätte ausrichten können. Nicht die Tiere sind die Schuldigen, es sind wie immer die Menschen. Wie es aus dem Artikel hervorgeht, kann man an fast jeder Ecke niedliche Welpen kaufen, die man dann einfach entsorgt, wenn sie zu teuer oder zu groß werden. Solange es keine stengen Richtlinien für den Tierschutz gibt, wird sich weder in Moskau noch in einem anderen Land etwas an der Lage der armen Kreaturen ändern. Und dass sie Menschen anfallen, ist tragisch und darf nicht passieren, aber Schuld an alle dem hat, wie schon gesagt, der Mensch selbst.
Benny1893 (28.12.2007, 11:29 Uhr)
Erschießung wäre nicht die Lösung
Die Tiere abzuknallen macht doch überhaupt keinen Sinn. Die Folge wäre, dass die Tiere scheu werden und sich in stille Ecken zurückziehen, wo sie sich dann hemmungslos fortpflanzen. Ein Erschießungsbefehl ist da zu kurz gegriffen. Man sollte die Tiere gezielt einfangen und sterilisieren (nicht nur die verhaltensauffälligen Tiere, sondern alle) und sich dann Gedanken über ein großes Auffanglager für die Streuner machen.
schmutz (28.12.2007, 11:06 Uhr)
Klingt wie ein schlechtes Drehbuch
Klingt irgendwie wie ein schlechter Hollywood Streifen. Tierschutz in allen Ehren, aber das geht eindeutig zu weit. Immerhin sind Kinder und Erwachsene gefährdet.
 
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