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20. Januar 2010, 11:01 Uhr

Schreiber packt aus

Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber hat in seinem Strafprozess Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe an die CSU geschildert. Die "illegalen Spenden" sollen über Namen aus Todesanzeigen in die Parteikasse geschleust worden sein. Die CSU bestreitet dies vehement.

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Gab einen Einblick in die angebliche CSU-Spendenpraxis zu Zeiten von Strauß: Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber© Michaela Rehle/Reuters

Der angeklagte Rüstungslobbyist Karlheinz Schreiber hat vor dem Augsburger Landgericht über millionenschwere illegale Parteispenden, insbesondere an die CSU berichtet. Im Zusammenhang mit dem Fuchs-Spürpanzergeschäft seien über ihn insgesamt 24 Millionen Mark Schmiergeld geflossen, ließ Schreiber am Mittwoch, dem zweiten Verhandlungstag im Augsburger Strafprozess, über seinen Anwalt erklären. Der 75-Jährige steht wegen Steuerhinterziehung, Bestechung und Beihilfe zum Betrug vor Gericht.

Von dem Geld aus dem Panzerdeal "wurden politische Parteien in Deutschland und einzelne Politiker dieser Parteien mit Zahlungen bedacht", hieß es weiter. Schreiber berichtete konkret über fünf "unzulässige Spenden" an die CSU im Jahr 1991 in Höhe von insgesamt 1,4 Millionen Mark. Demnach sollte das Geld teilweise der Partei, "teilweise den individuellen Politikern" zugute kommen. Ein CSU-Sprecher erklärte dazu, es gebe keinerlei Kenntnis über die von Schreiber "seit Jahren immer wiederholten alten Behauptungen".

Namen von Toten als Tarnung

Das Geld, so behauptet Schreiber, habe er teilweise in bar an den inzwischen verstorbenen CSU-Schatzmeister Franz Josef Dannecker übergeben. Zum Teil habe er Beträge aber auch auf ein Schweizer Nummernkonto eingezahlt. Dieses Konto sei seiner Einschätzung nach ein "inoffizielles Konto der CSU" gewesen, hieß es in Schreibers Erklärung. Darüber hätten sich der verstorbene CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß und Dannecker, der für "sensible Spenden" zuständig gewesen sei, in seiner Gegenwart unterhalten.

Laut Schreiber wurden die Geldbeträge gestückelt, um die gesetzlichen Grenzen für Parteispenden nicht zu überschreiten. Dannecker habe aus Todesanzeigen aus der Zeitung Namen herausgesucht und diese Leute als Spender angegeben. So sei etwa 1980 mit einer 100.000-Mark-Spende verfahren worden, die von ihm selbst stammte, erklärte Schreiber. Die Namen von Verstorbenen seien genommen worden, "weil man sie nicht mehr fragen konnte".

Schreiber kündigt weitere Details an

Der Staatsanwalt warf Schreiber vor, er "werfe mit Nebelkerzen". Wenn er aber konkrete Fragen beantworten solle, "komme gar nichts mehr". Laut Anklage soll der 75-Jährige als Vermittler von Fuchs-Spürpanzern an Saudi-Arabien, Airbus-Flugzeugen an Kanada und Thailand sowie Hubschraubern für die kanadische Küstenwache 64,5 Millionen Mark Provision kassiert und auf Konten von Briefkastenfirmen in Panama und Liechtenstein vor dem Fiskus versteckt haben. Von 1988 bis 1993 habe er so 24 Millionen Mark Steuern hinterzogen.

Bei der Lieferung der Fuchs-Panzer aus Bundeswehr-Beständen soll er den damaligen Bonner Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls bestochen haben. Saudi-Arabien sei durch einen völlig überhöhten Kaufpreis um Millionen betrogen worden.

Schreiber, der eine Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre der 90er Jahre ist, bestreitet die Anschuldigungen. Sein Verteidiger sagte, er werde sich im weiteren Verfahren noch genauer äußern. Schreiber droht eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

APN/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
laeppe (21.01.2010, 10:09 Uhr)
Eine Farce was da in Augsburg läuft
die Staatsanwaltschaft ist weisungsgebunden.
Deshalb wurden Hausdurchsuchungen bei
CSU Größen vorher angekündigt, Staatsanwälte
die zu eifrig ermittelten abgezogen oder versetzt und nicht zuletzt wurde die Festplatte
von Max Strauss von der Staatsanwaltschaft
verbummelt. Wenn das manchem immer noch nicht reicht empfehle ich dringend
das Buch von Wilhem Schlötterer,
"Macht und Missbrauch". Schlötterer war
Ministerialbeamter in der Bayerischen Landesregierung und ist CSU Mitglied.
leboz (20.01.2010, 19:40 Uhr)
Die Sache mit den Todesanzeigen
erinnert fatal an die Koch'sche Mär von den jüdischen Vermächtnissen.
Prologo (20.01.2010, 18:17 Uhr)
@johann58, zu Parteispenden.
DieVerkommenheit unserer Politiker ist wirklich nicht mehr zu übertreffen.
Denn sie müssten ja selbst allerhöchstes Interresse haben sich von dem Vorwurf der Bestechlichkeit, zu befreien!

Sie müssten doch nur die Parteispenden jeglicher Art an die Bundes- und Länderparteien verbieten. So einfach wäre das.

Aber die sind sich ihrer Wiederwahl so sicher, dass sie das gar nicht für nötig halten. Die Korruption ist damit in Deutschland ganz legal !!

Siehe FDP. Die verteidigen die Bestechung auch noch öffentlich.

MfG,
T.
Anemone (20.01.2010, 17:16 Uhr)
Waffenlobbyist.....
für mich ist dieser Mann ein Gauner! Ich staune, daß so viele Leute ihm glauben - er wird nur das erzählen, was nicht mehr überprüft werden kann.
Johann58 (20.01.2010, 16:11 Uhr)
Muessen Parteispenden wirklich sein?
Parteispenden waren sind und werden auch in Zukunft nichts anderes sein als auf vermeindlich legalem Weg zu korrumpieren. Niemand gibt einen Millionenbetragan eine Partei, wenn er sich nicht einen persoenlichen Vorteil davon verspricht und nimmt damit direkt Einfluss auf die Politik. Wenn mich nicht alles taeuscht, sind Politiker nur ihrem Gewissen verpflichtet. Da scheinen wohl eine ganze Menge da was verwechselt zu haben und glauben sie sind einem gewissen Betrag verpflichtet.

Schreiber packt hoffentlich wirklich aus und beschraenkt sich dabei nicht nur auf bereits verstorbene Politiker. Mir scheint, dass Deutschland eines der korruptesten Laender unter den Industrienationen ist und es macht weiter business as usual wenn ich an unser Moevenpick-Partei und -Regierung denke.
bR4iNST0RM (20.01.2010, 15:51 Uhr)
Schreiber ist alt?
... und zu lange raus! Er kennt die modernen Kungeleien nicht und auch nicht, wie heutzutage korrumpiert wird. Es wird nicht schwer sein, ihn als alten senilen Greis darzustellen, auch wenn er vielleicht die Wahrheit sagt, und wir sie auch nur allzu gerne Glauben würden (oder auch nicht).
Es wird maximal eine pressetaugliche Halbwahrheit rauskommen, denn m.E. nach: wenn die ganze Wahrheit ans Licht kommen würde, hätte man zwar zwei oder drei Korrupte weniger in der Politik, dafür rückt aber genügend nach, die es exakt so machen würden, wenn sie die Chance dazu bekämen!
henkersknecht (20.01.2010, 15:27 Uhr)
Parteispenden sind Bestechungsgelder
Die Grundfrage ist doch: Weshalb ist es überhaupt möglich, Parteispenden, also legalisierte Bestechungsgelder, an Parteien zahlen zu dürfen?

Es ist außerdem ungerecht, wenn neoliberale Parteien durch milliardenschwere Konzerne gefördert werden, während lobbyfeindliche Parteien leer ausgehen.

Parteispenden sind von vornherein eine ungerechte, einseitige Einflussnahme.

Es würde vollkommen ausreichen, wenn Parteien ausschließlich durch ihre Mitgliedsbeiträge finanziert werden würden.

Aber da die Parteien ja immer augenscheinlicher Gesetze am Volk vorbei machen, werden die herrschenden Parteien niemals Parteispenden = Bestechungsgelder verbieten.

Im Fall Schreiber haben sie halt mal etwas übertrieben und sich dabei auch noch erwischen lassen.

Einem Volk, das unter anderem der CSU künftig auch nur noch eine einzige Wählerstimme gibt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen, solch ein Volk erhält dann eben die Regierung, die es verdient.
Administrator (20.01.2010, 14:55 Uhr)
@Corazito3333
Ihr Kommentar wurde gelöscht, bitte argumentieren Sie sachlich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins

laeppe (20.01.2010, 14:15 Uhr)
Was hier läuft und gelaufen ist wäre
in Schweden z.B. undenkbar. Da würden
solche Leute schwedische Gardinen
geniessen dürfen und keinen Fuß mehr
in die Öffentlichkeit wagen.
laeppe (20.01.2010, 14:08 Uhr)
@johnwayne1477
Um die Bevölkerung zu blenden kann ich mir
durchaus vorstellen das Schreiber für ein
paar Jahre weggeschlossen wird.
Um vorzugaukeln wie seriös es hier läuft
genügt für die Masse die Meldung
Schreiber verurteilt.
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