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22. April 2009, 20:12 Uhr

Freund der "Rabenmutter" ist entflohener Häftling

Neue Details im Fall der drei in einer Pizzeria in Italien zurückgelassenen deutschen Kinder: Während die Polizei im Aosta-Tal weiter vergeblich nach dem getürmten Paar fahndet, kommt raus, dass der Mann ein flüchtiger Häftling ist.

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Das Auto des Paares wurde am Stadtrand von Aosta gefunden© DPA

Der Mann, der in Italien zusammen mit seiner Freundin die drei Kinder der Frau in einer Pizzeria allein zurückgelassen hat, ist ein geflohener Häftling. Die Staatsanwaltschaft Siegen bestätigte am Mittwochabend einen entsprechenden Bericht des Bielefelder "Westfalen-Blatts". Der aus Bad Laasphe in Nordrhein-Westfalen stammende 24-jährige Sascha Sch. soll demnach noch bis 2011 eine Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung und anderer Delikte absitzen. Nachdem er am 2. April von einem zweitägigen Urlaub nicht in den offenen Vollzug nach Oelde im Kreis Warendorf zurückgekehrt sei, sei er zur Fahndung ausgeschrieben worden.

Die italienische Polizei fahndet derweil fieberhaft nach dem Paar. Auch ein Selbstmord wird nicht ausgeschlossen, deswegen suchten Rettungskräfte die Alpenflüsse in der Nähe des Aosta-Tals ab, erklärte der leitende Polizist Alessandro Carmeli. "Wir können eine Tragödie nicht ausschließen." Carmeli betonte, ein Selbstmord sei aber nur eine der Richtungen, in die derzeit ermittelt werde. Gegen die beiden werde auch wegen Aussetzung Minderjähriger ermittelt.

Die 26-jährige Ina R. und ihr 24-jähriger Freund Sascha Sch. hatte die drei Kinder, die aus einer früheren Beziehung der Frau stammen, am Sonntag in einer Pizzeria alleingelassen. Die Fünf hätten zu Abend gegessen, danach seien der Mann und die Frau nach draußen gegangen, um eine Zigarette zu rauchen. Sie seien aber nicht wieder zurückgekehrt, sagte ein Polizeisprecher. Die Deutschen schienen arm zu sein, die Kinder wirkten verwahrlost, seien aber gesund. Bei den Kindern handelt es sich nach Angaben der deutschen Justiz um ein vierjähriges Mädchen sowie zwei Jungen, einer sechs Jahre alt, der andere jünger als ein Jahr. "Die zwei älteren Kinder wussten von nichts", sagte Pizzeria-Besitzer Carmelo Casella dem Fernsehsender RAI. "Sie glauben, ihre Mutter ist zur Toilette gegangen und hat nicht den Weg zurück gefunden."

Das Auto des Paares wurde dem Fernsehbericht zufolge später am Stadtrand von Aosta gefunden. Während die Polizei im In- und Ausland nach dem Paar fahndet, kümmert sich jetzt der Sozialdienst um die Kinder. Ein Mitarbeiter des Jugendamts Olpe soll am Donnerstag nach Italien reisen und die Kinder am Freitag nach Deutschland zurückbringen, wie ein Sprecher des Kreises Olpe in der ARD-Sendung "Brisant" erklärte.

Polizeisprecher Carmeli sagte, im Auto sei ein Tagebuch der Frau gefunden worden, in dem Einzelheiten zu ihren finanziellen Problemen genannt worden seien. Die Behörden seien inzwischen in Kontakt mit einer Großmutter der Kinder in Deutschland, in deren Obhut die Kinder vielleicht gegeben würden. Die aus dem Kreis Olpe stammenden Eltern der Kinder haben unterdessen das Sorgerecht entzogen bekommen.

Die Staatsanwaltschaft Siegen prüft, ob eine Straftat vorliegt. Wie Oberstaatsanwalt Johannes Daheim mitteilte, kommen drei Straftatbestände in Frage: Verletzung der Unterhaltspflicht, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und Aussetzung. Bislang habe die Staatsanwaltschaft noch keinen Kontakt mit den italienischen Behörden aufgenommen. Außerdem bestätigte Daheim, dass der leibliche Vater der Kinder im Jahr 2007 zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, weil er ein weiteres Kind zu Tode geschüttelt habe. Nähere Details wollte der Oberstaatsanwalt nicht nennen, weil der Fall des Mannes nicht in direktem Zusammenhang mit den Vorgängen in Italien stehe.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Anemone (23.04.2009, 17:23 Uhr)
@FleurdeLis
Fleur, wie schön, daß Sie sich ihre Kinder „leisten“ können! Und wie schön, dass Ihnen 1000 Möglichkeiten einfielen, um Hilfe zu organisieren! – Wissen Sie, dass genau das nicht jede junge Frau kann, und zwar aus unterschiedlichen Gründen?
FleurdeLis (23.04.2009, 15:11 Uhr)
@Anemone
Soso, Sie helfen? Was tun Sie denn in diesem konkreten Fall? Sind Sie schon auf dem Weg ins Aosta-Tal?
Warum habe ich den Verdacht, dass ich auch Ihnen mit meinen Steuergeldern "helfe"?
Ich habe 2 Kinder und kann sie mir leisten. Und auch wenn ich es nicht mehr könnte, würden mir 1000 Möglichkeiten einfallen, mir Hilfe zu organisieren. NIE würde mir jedoch einfallen, sie einfach im Ausland irgendwo ihrem Schicksal zu überlassen.
Anemone (23.04.2009, 14:54 Uhr)
@kat35
Sie haben mich leider (!!)mit FleurdeLis verwechselt! Gerade WEIL ich Kinder habe, regte mich deren Aussage, die Mutter hätte noch nie im Leben gearbeitet, so auf!
Selbst jetzt hat sie immer noch nichts verstanden. Jetzt sind keine Schuldzuweisungen und Anklagen notwendig, sondern Hilfe!
JA, fleur, ich helfe ganz selbstverständlich, wie und wo ich kann!
FleurdeLis (23.04.2009, 11:21 Uhr)
@kat35
Es geht nicht darum, dass die Frau neben ihren 3 Kindern nicht auch noch arbeitet, sondern dass sie die Kinder offensichtlich überhaupt nicht versorgen kann, wobei Geld für Drogen und Zigaretten ja wohl vorhanden war. Niemand hat hier was gegen Kinder, aber ich finde es einfach verantwortungslos, ständig Kinder zu bekommen, wenn ich für keines von ihnen sorgen kann. Der Vater ist ja auch ein Totalausfall, wenn er selbst schon ein Kind umgebracht hat und im Knast sitzt. Lieber keine Kinder als das, was jetzt diesen Kindern zugemutet wird. Und damit meine ich nicht, dass nur reiche Leute Kinder bekommen sollen, Sie haben ja offensichtlich auch keine Reichtümer, aber Sie kümmern sich um Ihre Kinder und schränken sich halt woanders ein, so dass Ihre Kinder in Liebe und Geborgenheit aufwachsen können und nicht irgendwo im Ausland ausgesetzt werden. Es hätte für die Frau sicher andere Möglichkeiten gegeben, ihre Kinder unterzubringen, z.B. mit Hilfe des Jugendamtes Pflegefamilien finden, Familienberatung etc. anstatt mit einem entflohenen Häftling ins Ausland zu fahren, wo die Kinder sich noch nicht mal verständigen können. Was immer diese Frau für Sorgen hatte - ich habe kein Mitleid mit ihr, nach dem, was sie den Kindern angetan hat. Für die Kinder hoffe ich, dass sie zusammen bleiben können und bei der Großmutter oder anderswo gut unterkommen.
kat35 (23.04.2009, 11:00 Uhr)
@anemone
Sie haben keine Kinder,was?
..sonst wüssten Sie, wieviel Arbeit eine Mutter mit 4 Kindern hat. Das ist mehr als ein Vollzeitjob!
Haben Sie sich schon mal gefragt, wer später einmal ihre Rente verdienen soll, wenn es sich keine Frau mehr leisten kann, Kinder in die Welt zu setzen...wenn die Existenzängste mit Kindern zu groß sind...wenn ein Kind der soziale Abstieg bedeutet, frau den Job verliert, weil sie nicht mehr flexibel einsetzbar ist und keine Überstunden schieben kann und weil Kinder auch mal krank sind...Krippen schließen ja spätestens 17 Uhr und wenn das Kind hustet, haben die auch gleich ein Problem...
Das ganze System ist sooo kinderfeindlich...Kinder passen nicht in die profitorientiere Gesellschaft! Auch wenn es sicher viele nicht gerne hören...aber solche schlimmen Sorgen hatten Mütter mit Kindern in der DDR nicht. Wir durften nicht ins westl. Ausland reisen..und was ist jetzt? Jetzt kann ich nichtmal an die Ostsee fahren und dort baden gehen, weil der Verdienst gerade mal knapp für Nahrung und Miete reicht!!!
FleurdeLis (23.04.2009, 09:19 Uhr)
@Anemone
Na hoffentlich haben Sie sich schon als Pflegemutti beworben oder Geld- und Sachspenden geleistet!
"Anklagen und Besserwisserei helfen nicht" und dann Ihr letzter Satz - speak for yourself!
Anemone (23.04.2009, 08:32 Uhr)
H I L F E
Diese Kinder brauchen JETZT Hilfe!
Unsere Gesellschaft und jeder Einzelne ist gefragt!
Anklagen und Besserwisserei helfen nicht.
Ich hoffe, daß die Kinder sofort Hilfe und Geborgenheit finden, dort, wo sie zu Hause sind, bis ihre Mutter wieder soweit hergestellt und heil ist, daß sie wieder zusammensein können!
@FleurdeLis: "4 Kinder und vermutlich noch keinen Tag im Leben gearbeitet". Dazu fällt mir nur noch der Spruch meiner Urgroßmutter ein: Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
FleurdeLis (23.04.2009, 08:13 Uhr)
Viel schlimmer
finde ich, dass sich der leibliche Vater der Kinder, der auch im Knast sitzt, weil er ein anderes Kind umgebracht hat, immer noch das Sorgerecht für die anderen 3 Kinder mit der Mutter teilt. Da ihr dieses mittlerweile vom Gericht entzogen wurde, heißt das wohl, dass der Mann inzwischen das alleinige Sorgerecht für die Kinder hat? Unfassbar. Und überhaupt: zwei Jahre und 8 Monate Haft dafür, dass er ein 7 Wochen altes Baby totgeschüttelt hat? In was für einem Rechtsstaat leben wir eigentlich? Und die "Mutter"? 26 Jahre und vier Kinder. Und wahrscheinlich noch keinen Tag im Leben gearbeitet.
107Summer (23.04.2009, 07:26 Uhr)
der Typ ist bescheuert
nur noch zwei Jahre hätte er einsitzen müssen, dabei ist er erst 24 Jahre alt, also währ er mit 26 draußen. Da kann man sehen, wie grenzenlos dumm dieser Typ ist.
Die Mutter natürlich auch nicht besser: Sich schwängern lassen bis zum geht nicht mehr, anschließend wenns eng wird, einfach Kinder aussetzen. Da vermehren sich wieder mal genau die Richtigen...
lucifer01 (23.04.2009, 06:58 Uhr)
Urlaub vom Knast
Gibt es auch Urlaubsgeld, wenn ein Gefangener seinen wohlverdienten Urlaub antritt?
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