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25. Juni 2007, 16:44 Uhr

Verzweifelter Vater will Töchter töten

Nach zahlreichen Anträgen auf finanzielle und medizinische Unterstützung bei den örtlichen Behörden hat ein verzweifelter Inder nun einen Appell an den Präsidenten des Landes gerichtet: Der Regierungschef soll ihm erlauben, seine behinderten Töchter zu töten.

Präsident Abdul Kalam soll Abdur Rufur die Erlaubnis zur Tötung seiner Töchter geben© B Mathur/Reuters

Der Inder Abdur Rauf aus dem Bundesstaat West Bengal im Nordosten Indiens will seine behinderten Töchter töten und hat an Präsident Abdul Kalam geschrieben, ihm dies zu erlauben.

Zwei Jahre hat der arbeitslose Inder den Minister des Bundesstaates, Buddhadeb Bhattacharjee um Erlaubnis gebeten, seine Töchter töten zu dürfen. Bisher wurde ihm aber immer nur Hilfe zugesichert. Es gebe keinerlei medizinische Betreuung für seine spastisch gelähmten Töchter Fatema, 41 und Regina, 36, die nach Angaben der Zeitung "The Indian Express" oft stundenlang auf dem Lehmboden vor der Hütte liegen.

Finanzielle Unterstützung nur für eine Tochter

Er habe keine andere Möglichkeit mehr, schrieb der 71-jährige Mann in dem Brief an Präsident Kalam. Laut der Zeitung schrieb Rauf, er, seine Frau und seine Töchter bräuchten monatlich etwa 3000 Rupien (55 Euro) zum Überleben. Allerdings hätten ihm die Behörden nach zahlreichen Anträgen lediglich eine Behindertenpension in Höhe von 500 Rupien (9 Euro) für eine Tochter angeboten, weil zwei Mitglieder einer Familie nicht unterstützt werden könnten.

Nachdem Rauf die Hoffnung aufgegeben hätte, von der Regierung finanzielle Unterstützung zu erhalten, habe er sich nun dazu entschieden, seine Töchter zu töten. "Ich möchte den Tod für meine Töchter. Nachdem ich 2005 an den Minister geschrieben habe, wurde mir Hilfe durch die Behörden des Bundesstaates zugesichert, aber es gibt keine Hilfe. Rente bekomme ich auch nicht. Seit einem Jahr suche ich Arbeit, aber bisher wurden mir nur Kurzzeitjobs angeboten. Wenn ich tot bin, werden meine Töchter nicht überleben."

Religiöse Schriften helfen den Schwestern

Biswantath Chowdhury, Sozialminister, erklärte, dass er bisher von diesem Fall nichts gewusst hätte. Allerdings wolle er sich die Angelegenheit genauer anschauen und überlegen, was man für die Familie tun könne.

Tanzila, die älteste Tochter von Abdur Rauf erzählte der Zeitung "The Indian Express", dass ihre Schwestern leiden. Allerdings gäbe es auch Dinge an denen sie sich erfreuen könnten. "Manchmal lese ich ihnen die Geschichte des Märtyrers von Karbala vor. Diese religiösen Schriften kenne sie auswendig."

DPA/kap
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Max_Schub (26.06.2007, 12:10 Uhr)
@ Clibanarius
ich fürchte, daß bei HamburgMittes Kommentar schon ne menge zynismus mitschwingt - sonst hätte er wohl kaum in diesem forum nach der bankverbindung gefragt, sondern sich bei der redaktion erkundigt.
gmathol (26.06.2007, 09:21 Uhr)
Boomende indische Wirtschaft?
Bittere Armut und fuer 60% der indischen Bevoelkerung kaum genug zu essen.
Clibanarius (26.06.2007, 02:36 Uhr)
@55€
Ich glaube nicht das "Hamburg-Mitte" sich irgendwie lustig machen oder zynisch sein wollte. Wie jemand bereits jemand sagte gibt es tatsächlich genug Leute die locker 55€ im Monat aufbringen können. Dabei sind 55€ nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, daß selbst viele geringer verdienende Raucher bei einer Schachtel Zig. pro Tag im Monat mehr als das doppelte in Luft auflösen lassen.
avarua (26.06.2007, 02:16 Uhr)
vielleicht ....
meint es HamburgerMitte ja sogar ernst mit seinem Angebot????
Die Wahrscheinlichkeit ist zwar nicht groß (dann wirklich geschmackloser kommentar) aber man sollte ihn nicht von vornherein deswegen verurteilen.
Es gibt zum glück genügend Leute in Deutschland, die das Geld dafür übrig hätten....und viele, die es auch geben.
Ich war vor einigen Jahren in Indien und war...trotz Globetrottererfahrung und Erlebnissen in vielen Ländern Asiens erschrocken über die Kluft zwischen arm und reich in diesem reichen Land. Menschen die nackt auf der Straße schlafen....als Sklaven und Tagelöhner versuchen ihr ärmliches Leben zu erhalten. Das Kastensystem dort, obwohl offizeil wohl abgeschafft, ist wirklich barbarisch.
Wieder einmal eine Religion, die Menschen entwürdigt. Neben anderen Ursachen wie Globalisierung etc, die natürlich auch eine Rolle spielen.
Aber vor allem die Religion verdammt die meisten Menschen dort in die Armut.
Hinduismus ist zwar in bei uns im Westen, Arjuveda auch...aber was wirklich hinter diesem System steckt wissen die wenigsten.
die Verzweiflung dieses Mannes kann man nicht einmal ansatzweise nachempfinden bei uns im Westen.
Max_Schub (26.06.2007, 01:24 Uhr)
gar nicht so blöd
selbstverständlich hat schlotti recht ! der mann will die not seiner familie und die mißstände in indien publik machen.
oder glaubt ihr wirklich, er würde sonst "seinen" präsidenten fragen ? und der stimmt am ende noch zu ?
wohl kaum, ausgeschlossen.
nicht ungeschickt...chapeau
schlotti (26.06.2007, 01:16 Uhr)
Korrektur, Schei..e..
Natürlich nicht "öffentlich", sondern "ÖffentlichKEIT"
schlotti (26.06.2007, 01:12 Uhr)
Ein verzweifelter Vater...
versucht die seinem "Fall", respektive die seinen Töchtern, zustehende Aufmerksamkeit zu erreichen, welche ihm vorher offensichtlich (von den indischen Behörden) versagt geblieben ist.
Dies ist ihm gelungen.
Sonst würden wir diesen Artikel nicht gelesen haben.
Ein weiteres tragisches Schicksal! So wie diesem Vater ergeht es tagtäglich viel zu vielen Menschen. Ich denke, dass dieser Mann nicht TATSÄCHLICH seine Kinder töten will! Er versucht Öffentlich herzustellen. Diese Strategie war schon oft (zu Recht) erfolgreich.
Auch Hierzulande!
Vielleicht finden sich Spender, die diese Familie unterstützen. Damit wäre zwar nicht die Welt gerettet, aber doch dieselbe wenigstens (dieses eine mal) ETWAS menschlicher geworden.
MfG
Schlotti
OttoB (26.06.2007, 00:33 Uhr)
Der Weg den wir gehen
Auch ich sehe das als Beispiel für den deutschen Weg an. Sozialstaat abbauen und Vermögen vergrößern und selbst die Opfer dieser Politik beklatschen unsere Bundeskanzlerin und ihre Helfer.
Andere machen sich über solche Schicksale lustig, wenn der Schreiber Hamburg für jedes dieser Opfer 55€ überweisen würde wäre auch er einer von Ihnen.
Pfui vor solcher dummen Stellungsnahme.
shine (25.06.2007, 23:35 Uhr)
Ich wette...
..daß der Präsident Abdul Kalam monatlich mehr als 55 Euro für seinen Friseur ausgibt...
bernie-abg (25.06.2007, 22:14 Uhr)
Schönes Beispiel...
...für die Zukunft im Sozialstaat Deutschland.
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