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29. April 2008, 13:08 Uhr

Das Dolce Vita des Inzest-Vaters

Josef Fritzl fuhr in den Urlaub nach Thailand und vergnügte sich im Schwimmbad. Der Inzest-Vater von Amstetten führte ein perfektes Doppelleben. Nun aber tauchen weitere dunkle Details aus früheren Tagen auf. Von Malte Arnsperger und Katharina Schönwitz, Amstetten

Ist nach Angaben seines Anwalts "betroffen und emotional gebrochen": Josef Fritzl© Österreichische Polizei

Josef Fritzl ist der "Inzest-Vater" von Amstetten. 24 Jahre sperrte er seine Tochter in ein Verlies, zeugte mit ihr sieben Kinder. Er gestand diese furchtbaren Taten. Nun kommen immer mehr Details über sein Doppelleben ans Licht.

Offenbar genoss Josef Fritzl das Leben in vollen Zügen. Urlaube in Thailand und im Salzkammergut zählten dazu. Seine Tochter und ihre Kinder bangten während dieser Zeit um ihr Leben.

Fritzl legte Wert auf sein Äußeres. Das erzählte Gerda S., eine ehemalige Arbeitskollegin, der Tageszeitung "Österreich". Josef Fritzl sei immer wie aus dem Ei gepellt gewesen - die Schuhe hätten immer geglänzt, die Krawatten nie schief gesessen. Dass er auf sich achtete, zeigen seine Schwimmbadbesuche. Dort traf er regelmäßig auf Johannes H. "Josef Fritzl ist seit Januar immer um 15 Uhr im Schwimmbad aufgetaucht und hat seine Bahnen geschwommen. Am Beckenrand bin ich dann immer wieder mit ihm ins Gespräch gekommen", erzählt Johannes H. stern.de. "Wir haben meistens über das Schachspielen gefachsimpelt. Er hat mich nach meinem Schachcomputer gefragt und wollte, dass ich ihm diesen einmal zeige."

Schlechtes Gedächtnis

Fritzl habe einen sehr ruhigen, gelassenen Eindruck gemacht und sei nicht fahrig oder nervös gewesen. Allerdings habe Fritzl kein gutes Gedächtnis gehabt und immer wieder die gleichen Fragen gestellt. "Über seine Familie hat er nichts berichtet, nur, dass er geschieden sei", erinnert sich Johannes H. Auch über einen Thailand-Urlaub, von dem er vor kurzem zurückgekehrt sei, habe Josef Fritzl erzählt. Die beiden Männer haben sich rund drei Wochen vor der Verhaftung Fritzls zuletzt gesehen, da Johannes H. in der Zwischenzeit verreist war.

Dass Josef Fritzl in den vergangen 24 Jahren nicht nur einmal im Urlaub war, beweisen Schnappschüsse, die Medienberichten zufolge aus Thailand stammen. Dort lächelt der heute 73-Jährige zufrieden in die Kamera. Seine Haare sind vom Wind etwas verwuschelt. Die Hände hat er in die Hüften gestemmt, ein Hemd ist unter der thailändischen Sonne nicht nötig. Über seinem grauen Brusthaar glitzert ein Goldkettchen. Andere Fotos zeigen ihn ebenfalls im Urlaub, allerdings noch mit dunkleren Haaren. Auf einem davon liegt er nackt im Bett, nur ein Leintuch verdeckt Details.

Abhängig vom Peiniger

Während der Horror-Vater das Leben in vollen Zügen genoss, mussten seine Tochter Elisabeth und ihre drei Kinder im Verlies besonders um ihr Leben bangen. Denn Elisabeth hatte zwar in dieser Zeit Ruhe vor ihrem Peiniger, doch Josef Fritzl war für alle vier lebenswichtig: Nur er hatte über eine codierte Fernbedienung Zugang zu ihrem sechzig Quadratmeter großen Gefängnis.

Und nur er konnte die eingesperrte Tochter und die Kinder mit Nahrungsmitteln, Getränken und Medikamenten versorgen. Seine Badeurlaube müssen für Elisabeth (42), Kerstin (19), Stefan (18) und Felix (5) ungewisse und somit qualvolle Wochen gewesen sein. Was wäre passiert, hätte Josef Fritzl einen Unfall gehabt und für längere Zeit ins Krankenhaus gemusst? Oder wenn eine Leitung im Haus geplatzt wäre, und das Wasser für längere Zeit hätte abgestellt werden müssen? Wäre Josef Fritzl etwas zugestoßen, hätte es für die vier im Keller einen langsamen und qualvollen Tod bedeutet.

Regelmäßige Urlaube im Salzkammergut

Doch solche Gedanken scheint sich der 73-Jährige nicht gemacht zu haben. Denn nicht nur während seiner Fernreisen verließ er für längere Zeit sein Haus in Amstetten. Seit 1974 gehörten dem Ehepaar Fritzl laut einem Bericht der "Salzburger Nachrichten" der Gasthof Seestern und Teile eines Campingplatzes in Unterach. Der kleine Ort liegt am idyllischen Attersee, einem beliebten Ferienziel im Salzkammergut in Oberösterreich. Besonders in den Sommermonaten fuhr das Ehepaar angeblich regelmäßig hier her. 1982 brannte der Gasthof allerdings nieder. Angeblich wurde damals Josef Fritzl wegen Versicherungsbetruges verhaftet.

Der Stammbaum der Inzest-Familie© stern.de

Ebenfalls nur ein Gerücht ist bislang, dass er schon einmal wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß. Österreichische Medien berichten, Josef Fritzl sei in den 70er Jahren wegen eines Sexualdeliktes verurteilt worden. Er sei in die Wohnung einer Frau eingedrungen und habe diese missbraucht. Die englische "Times" zitiert die Sprecherin einer Firma, bei der Fritzl "während der siebziger Jahre" als Elektroingenieur angestellt gewesen sein soll: "Er hat einen ausgezeichneten Job gemacht, aber irgendwas hatte er an sich, das einem Unbehagen verursachte", sagte die nicht namentlich genannte Frau. "Alle wussten, dass er im Gefängnis gewesen war wegen einer Sexualstraftat." Das Blatt gibt außerdem an, dass sich im 23.000-Einwohner-Ort Amstetten "mehrere Nachbarn" fänden, die bestätigten, dass F. eine Vergangenheit als "Sexualstraftäter" hatte.

Staatsanwaltschaft prüft Strafregister

"Dazu haben wir keine Erkenntnisse in der Strafregisterauskunft" sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gerhard Sedlacek stern.de. "Allerdings werden abgebüßte Strafen nach einer gewissen Zeit aus diesem Register getilgt."

Bei einer Verurteilung zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe betrage die Tilgungsfrist fünfzehn Jahre. "Aber wir werden diese Anschuldigungen auf jeden Fall prüfen", sagte Sedlacek. Auch der Anwalt von Fritzl, Rudolf Mayer, sagte stern.de, er wisse weder von den Vergewaltigungs- noch von den Brandstiftungsvorwürfen. "Meines Wissens nach ist er unbescholten." Auch Mayer wies darauf hin, dass nach der Tilgung aus dem Vorstrafenregister einem ehemaligen Straftäter wegen früherer Taten nichts mehr vorgeworfen werden darf.

Sein Mandant Josef Fritzl sitzt nun in St. Pölten im Gefängnis. Der Haftrichter ordnete Untersuchungshaft an. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung. Die Staatsanwaltschaft überprüft auch den Vorwurf des Mordes wegen unterlassener Hilfeleistung bei dem verstorbenen Säugling. "Er wirkt sehr betroffen und emotional gebrochen", beschreibt Fritzl-Anwalt Mayer den Zustand seines Mandanten.

Ihre Meinung

Josef Fritzl hat ein Geständnis abgelegt, jetzt liegt der Fall in den Händen der Justiz. Was halten Sie von der Tat und den Umständen? Wie konnte das Drama so lange unentdeckt bleiben?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (27)
Von Malte Arnsperger und Katharina Schönwitz, Amstetten
 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
leah-ba (29.04.2008, 23:27 Uhr)
@sachsenwini
@sachsenwini (29.4.2008, 22:10 Uhr)
"Was Frau Kampusch betrifft, so hat sie ja den Medienrummel regelrecht unterstützt und auch ihren Nutzen davon gehabt."
Der Verstand und die Fähigkeit ihn zu gebrauchen, sind zweierlei Fähigkeiten. Dein Kommentar über Frau Kampusch ist geschmacklos.
manesse (29.04.2008, 23:26 Uhr)
Insbesondere der Mutter,
die ihre Kinder in dieser abscheulichen Situation unten im Verlies und trotz der Zudringlichkeiten ihres Erzeugers Jahre lang durchgebracht und im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten erzogen und unterrichtet hat, gilt meine Hochachtung.
mad_mikel (29.04.2008, 22:41 Uhr)
Stern = Bild
Die Verkaufs- und Abozahlen des Stern sinken seit Jahren - und das ist gut so.
groenifan (29.04.2008, 22:23 Uhr)
@sachsenwini
"Auch die übrigen Angehörigen werden den Namen Fritzl ablegen und auch bei der Suche eines neuen Wohnortes Unterstützung finden." Na dann ist ja alles in Butter und STERN.DE kann den Namen der Familie weiterhin verbreiten. Ist ja schließlich nur ein Name *kopfschuettel* Verzeihen Sie meine Aufregung, aber ich bin wirklich erschüttert darüber, was hier passiert.
sachsenwini (29.04.2008, 22:10 Uhr)
Namen und Fotos sind doch das kleinere Übel

Was Frau Kampusch betrifft, so hat sie ja den Medienrummel regelrecht unterstützt und auch ihren Nutzen davon gehabt.
.
Bei der Familie Fritzl habe ich auch keine Bedenken.
Die sechs Kinder sind ja noch nicht einmal registriert, es wird hoffentlich selbstverständlich sein, dass sie eine andere Identität bekommen, es gibt ja noch nicht einmal Geburtsurkunden. Auch die übrigen Angehörigen werden den Namen Fritzl ablegen und auch bei der Suche eines neuen Wohnortes Unterstützung finden.
.
Lasst die arme Familie erst einmal zur Ruhe kommen.
groenifan (29.04.2008, 22:00 Uhr)
@Nuvla
Nein, die Welt ist dabei nicht untergegangen, aber das Persönlichkeitsrecht von Frau Kampusch. Und so ist es auch hier bei den unschuldigen Kindern der Elisabeth F. und natürlich bei der Frau selbst. Ich frage deshalb die Redaktion von STERN.DE direkt - wie rechtfertigen Sie die komplette Namensnennung der Familie? Warum hat die Öffentlichkeit ein Interesse daran, den genauen Namen der Elisabeth F. zu erfahren? Bitte seien Sie so ehrlich, diskutieren diese Frage in der Redaktion und lassen Sie es Ihre Leser wissen.
Nuvla (29.04.2008, 21:48 Uhr)
Aber, aber .....
... von der Frau Kampusch haben wir doch auch jede Menge Fotos und den vollen Namen. Und die Welt ging nicht unter seitdem.
Sunriser (29.04.2008, 21:35 Uhr)
@groenifan
dem kann man leider nur zustimmen :( Schon arm wie sehr der Stern hier mittlerweile berichtet, es unterscheidet sich kaum noch von der BILD.de ... Gegen Spiegel Online kann Stern es schon lange nicht aufnehmen, allein die ganze Strukturierung des Inhaltes und natürlich auch der Inhalt selber... Da ist noch ne Menge Arbeit dahinter...
Dem Opfer mein ehrliches Beileid...hoffe Sie schaffen es irgendwann, ein normales Leben zu führen...
groenifan (29.04.2008, 20:48 Uhr)
Ich bin erschüttert...
...wie erbärmlich sich STERN.DE auf Boulevardniveau herablässt.
- Um zu zeigen, was für tolle Rechercheure Sie haben, zeigen Sie Fotos der Angehörigen von Elisabeth F. und brandmarken Sie als "Inzestfamilie".
- Als einziges Medium neben der Bild-Zeitung schreiben Sie den Namen der Familie aus.
Namen und sonstiges Persönliche zu den Familienangehörigen hat die Öffentlichkeit IN KEINSTER WEISE zu interessieren. Und Ihre Konkurrenten (siehe Spiegel Online) schaffen es bis heute, ohne Nennung des vollen Namens der Familie auszukommen.
Ich möchte mir nicht vorstellen, wie sich die STERN.DE-Redakteure fühlen würden, wenn eines Tages herauskäme, dass sie einer Inzest-Familie entstammen. Die Kinder sind unschuldig in diese grausame Lage gekommen - trotzdem weiß ganz Österreich und dank STERN.DE auch ganz Deutschland, wie diese Kinder mit vollem Namen heißen und aus welcher (Inzest)-Familie sie stammen.
Warum ich Ihnen überhaupt so lange hier schreibe? Weil ich eine Zeit lang für STERN.DE tätig war und geglaubt hatte, dass die Seite es ernsthaft schaffen kann, Spiegel Online gefährlich zu werden. Solange Sie aber derart mies in der Gosse fischen, werden Sie als seriöses Nachrichtenportal nicht ernstzunehmen sein - und für ein nachrichtliches Gossenjournalismus-Portal abseits des rot-weißen Springerblattes gibt es nach meinem Geschmack keinen Platz mehr in Internet.
Also bitte, liebe STERN.DE-Redaktion, trainieren Sie sich endlich eine gewisse berichterstatterische Moral an - oder lassen sie dieses pseudo-journalistische Kasperletheater ein für allemal sein.
manesse (29.04.2008, 20:40 Uhr)
@sachsenwini
Das sehen Sie richtig. Der Verbrecher ist bloß monströs und abstoßend. Er soll für seine Schandtaten verurteilt und für immer weggesperrt werden. Mehr ist zu diesem Wüstling nicht zu sagen. Die wichtigen Fragen stellen die Opfer. Wie kann die Gesellschaft diesen Menschen helfen, damit sie seelisch gesunden können und eine lebenswerte Zukunft haben? Darum geht es vor allem.
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