Josef Fritzl war ein Einzeltäter

30. April 2008, 12:16 Uhr

Die österreichische Polizei geht weiter davon aus, dass der Inzest-Vater Josef Fritzl seine Verbrechen ohne Komplizen beging. Auch möglichen Sexual-Straftaten Fritzls gehen die Ermittler nach, doch gebe es dafür derzeit keine Hinweise. Natascha Kampusch will den Opfern 25.000 Euro spenden.

Josef Fritzl während eines Thailand-Urlaubes vor elf Jahren©

Josef Fritzl hatte nach derzeitigen Erkenntnissen der österreichischen Polizei keinen Komplizen im Inzest-Drama von Amstetten. Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, bekräftigte vor Journalisten in Zeillern bei Amstetten, auszuschließen sei allerdings "aus kriminalistischer Erfahrung nichts". Seine ehelichen Kinder hätten mit dem Fall nichts zu tun.

Zu den Ermittlungen am Tatort sagte Polzer: "Das Gefängnis zeigt sich in seiner ganzen Deutlichkeit." Die Opfer von Josef Fritzl seien in ihrem Kellerverlies zum Beispiel mit Gefrierschrank, Herd, Waschmaschine und anderen elektrischen Geräten ausgerüstet gewesen. Das habe den Bewohnern erlaubt, dort auch über Wochen ohne jede weitere Versorgung auszuharren - "vorausgesetzt, dass der Strom aktiv bleibt".

Mitwisser aus dem Umfeld vermutet

Den Verbrechen war die Polizei erst durch einen Anruf und nach der Festnahme der 42 Jahre alten E. auf die Spur gekommen. Erst durch das Telefonat hätten die Fahnder erfahren, dass die polizeilich gesuchte Frau mit ihren zwei Söhnen in der Klinik sei, wo ihre Tochter K. behandelt wurde. Polzer wollte nicht sagen, woher der "vertrauliche Anruf" gekommen sei. Er hatte allerdings am Dienstagabend im ORF-Fernsehen gemeint: "Irgendjemand aus dem Umfeld (des Täters) musste das wissen."

Auch über mögliche Sexual-Vorstrafen Fritzls ermitteln die Behörden. Sein Vorleben werde überprüft, auch jenes, bevor er seine Tochter 1984 einsperrte, sagte Polzer. Dies werde mit Nachdruck geschehen, könne aber dauern. Es gebe aber keinen Grund, ihn als Hauptverdächtigen für einen zurückliegenden Mord zu betrachten. Seit Tagen wird in den Medien darüber spekuliert, ob Fritzl wegen einer Sexualstraftat vorbestraft ist.

Derzeit keine Hinweise auf Vorstrafen

Nun wird ein Zusammenhang zu einem Sexualmord aus dem Jahr 1986 geprüft; einem Medienbericht zufolge behauptet zudem eine Frau aus Linz, Fritzl habe sie in den 60er Jahren vergewaltigt. Der Amstettener Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze erklärte dazu, zuletzt sei anlässlich einer Adoption 1994 ein Strafregisterauszug bestellt worden. Damals sei der mutmaßliche Täter Josef Fritzl unbescholten gewesen. Mögliche Vorstrafen könnten aber gelöscht sein. Es habe keine Hinweise auf Vorstrafen des heute 73-Jährigen gegeben.

Der Stammbaum der Inzest-F

Unterdessen hat die selbst jahrelang in einem Kellerverlies eingesperrte Natascha Kampusch angekündigt, den Inzest-Opfern 25.000 Euro zu spenden. Das Geld sei als Soforthilfe gedacht. Zugleich startete Kampusch einen Spendenaufruf und richtete ein Konto ein. Generell gehe es ihr um langfristige Unterstützung. Man stehe in engem Kontakt mit dem Land Niederösterreich und dem Anwalt der Opfer, um so bald wie möglich herauszufinden, wo die Hilfe konkret benötigt werde.

Zum Thema
KOMMENTARE (9 von 9)
 
leobissinger (30.04.2008, 15:47 Uhr)
@erek- alle schuld ?
sie stellen vermutungen an.
Lassen sich mich mit-vermuten:
Im ersten augenblick könnte man meinen, das ein verbrechen dieser tragweite doch mitwisser haben muss ?
Ich teile ihre personen-aufzählung und ansicht aber keinesfalls, sie weisen eine kollektivachuld an alle menschen im umfeld zu.

Sie müssen sich dann auch bei jedem verbrechen in ihrem umfeld fragen (lassen), was sie getan haben um es zu verhindern. Tun sie das ?
Leo
Erek (30.04.2008, 15:43 Uhr)
nur noch kleine Ergänzung
würde mich nicht wundern, wenn unter diesen "menschlich berührten Bürgern"
( nicht die beiden Initiatorinnen) Mitwisserinnen / Mitwisser wären. Behaupten kann man es allerdings nicht!
Erek (30.04.2008, 15:40 Uhr)
Fall in Amstetten obertraurig
Ob dieser schlimme Fall Kampusch oder diese alle negativen Vorstellungen übertreffende Inzest- Skandal in Amstetten - solches gibt es nicht nur in Österreich. Mich bedrückt: Nachbarn, Ehefrau, Verwandte, Bekannte, "Freunde", Arzt, Gemeindepolitiker, Pfarrer, Schornsteinfeger, Postbeamte, Vereinsvorstände, Arbeitskollegen,
Gesundheitsamt, Jugendamt, Polizei, Finanzamt, Bauamt, Schulamt, Feuerwehr - alle wollen nichts gewußt haben? Wer das glaubt, der ist wirklich naiv und fällt auf jede Lüge rein.
In Amstetten muss ein (Un-)Geist, eine ungute öffentliche Moral vorherrschen. Mir fällt als Vergleich Eschenau ein ( ein ganz anders gelagerter Fall ). Wegsehen, Ignorieren, die Wahrheit ignorieren,
sich mit Lebenslügen durchmogeln.
Ich habe nichts gewußt, ich habe nichts gemerkt, ich habe nichts gesehen, nichts gehört, mir hat keiner was gesagt, woher soll ich es auch wissen?
Bequem! Verlogen! Gleichgültig! Gewissen? Null. Anstand? Glücksache!
leobissinger (30.04.2008, 15:27 Uhr)
pranger
wieso walzt der *Stern* im zuge der berichterstattung geschichte mit allen familiären details der opfer breit ?
Ich dachte, das wären die fischgründe der tageszeitung mit dem großen 'B'.
Merke:
Nachrichten sind eine ware, die menschen in diesem fall, werden durch ihre berichterstattung auch dazu.
Ein hoch aufs geldverdienen
Denkt mal an Barschel, der musste auch tod in der badewanne auf die titelseite kommen.
Blamabel ....
Leo
SamBabwe (30.04.2008, 15:18 Uhr)
Opferschutz für Stern kein Thema?
Hat die Redaktion auch die Kinder gefragt, als sie deren Stammbaum und Nachname veröffentlichten? Anscheinend hat man sich beim Stern entschieden ein Drecksblatt zu werden.
sandrataddei (30.04.2008, 14:33 Uhr)
Verteidigung
Was ich nicht verstehe ist, wie ein solches Individuum auch noch Anspruch auf Rechtsbeistand haben kann und welcher kranke Anwalt sich dazu bereit erklaert, "so etwas"(das ist kein Mensch mehr) zu verteidigen. Fuer die Opfer wuensche ich mir Anonymitaet, und hoffe das sie nicht durch die Presse gezogen werden.
cocoa_magazin (30.04.2008, 14:00 Uhr)
Wie will man so jemanden 'gerecht' bestrafen
Wie will man nun einen solchen 'Menschen' mit 73 bestrafen? Wie kann man eine solche Tat überhaupt bestrafen? Das ist dramatisch - es wird nie eine echte Genugtuung für die Gequälten geben können. Was geht im Kopf eines solchen Mannes vor?
Oberallgaeuer (30.04.2008, 13:32 Uhr)
Schämen Sie sich!
Nicht nur, dass Sie alle Details der Familie breit auswalzen, Sie drucken auch noch die Fotos der Familie, wenn auch schwach gepixelt, ab. Das ist noch unter BILD Niveau. Das Leiden der Kinder ist Ihnen anscheinend sch....egal. Hauptsache die Auflage geht hoch. Schämen Sie sich!
mramorak (30.04.2008, 13:20 Uhr)
Mitwisser gibt es immer
Leider gibt es immer Menschen, die meh wissen und dennoch schweigen. Aber oft wird den Mitwissern Angst eingejagt. Ich glaube nicht, dass die Frau nichts gewusst hatte. Aber in unserer Zeit muss jeder den Mund halten, denn wir haben doch alle ein Recht auf ein Privatleben. Unsere Gesetzgeber - alle in der demokratischen Welt - sind doch selber Gefangene ihrer Ideologie und der anderer. Es stimmt, man braucht kein Verlies, um Menschen gefuegig zu machen. Es gibt doch die aus bestimmten politischen Gruenden, jdem Politikern klar machen, dass sie nicht gewaehlt werden, wenn sie nicht den Willen kleiner Gruppen nachgeben und, zum Beispiel, die gesetze so zu machen, wie es diesen kleinen Gruppen Passt.
Panorama
Extras & Ratgeber
Extra: Erfolgsmenschen - Wie man erfolgreich wird Extra Erfolgsmenschen - Wie man erfolgreich wird
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity