Wie Fritzl Millionen machen wollte

22. Dezember 2008, 08:34 Uhr

Josef Fritzl ist mit rund 3,5 Millionen Euro verschuldet. Um an Geld zu kommen, hat er nach Recherchen des stern versucht, Vernehmungs- und Ermittlungsprotokolle an britische Boulevard-Zeitungen zu verkaufen - für vier Millionen Euro.

Fritzl, Inzest, Amstetten, Österreich

Bilder der Fritzl-Kinder: Intimes Material versucht an Boulevardpresse zu verkaufen©

Josef Fritzl, der Mann der seine Tochter 24 Jahre lang in einem Verlies im niederösterreichischen Amstetten gefangen hielt, vergewaltigte und sieben Kinder mit ihr zeugte, versucht, selbst aus dem Gefängnis heraus noch Geschäfte zu machen. Fritzl, der in der Justizanstalt St. Pölten auf den Prozess im Frühjahr wartet, wollte nach Recherchen des Magazins stern die Vernehmungs- und Ermittlungsprotokolle für vier Millionen Euro an britische Boulevard-Zeitungen verkaufen.

Wie der stern in seiner neuen, bereits am Dienstag erscheinenden Ausgabe berichtet, schaltete der wegen Mordes, Freiheitsberaubung, Vergewaltigung und Sklaverei angeklagte Fritzl im August einen ihm bekannten Immobilienmakler ein, der in seinem Auftrag das intime Material verkaufen sollte.

stern-Reporter stellten den überraschten Fritzl-Bekannten in einer Pizzeria in Oberösterreich und konfrontierten ihn mit ihren Recherchen. Der Mann, der sich wahlweise als "Abwickler" oder "Konsolent" bezeichnet, bat zunächst um Aufschub - "lassen Sie uns in Wien auf neutralem Territorium treffen". Er bestellte die Reporter an einem sonnigen Dezember-Tag in die weihnachtliche Wiener Innenstadt und versprach, sich über Handy mit weiteren Instruktionen zu melden. Das Ganze erinnerte an einen schlechten Agentenfilm.

Und Fritzls Bekannter selbst wäre gewiss kein guter Agent, denn bei gleich zwei Treffen mit den englischen Revolverblättern "Sun" und "News of the World" hatten ihn die Reporter geleimt, in den Unterlagen geblättert und dann genüsslich daraus zitiert.

Konspiratives Treffen im Hotel

Der Makler bat schließlich via Handy in ein Hotel. Und dort bestätitgte er den Deal: "Fritzl war und ist immer noch ein sehr tatkräftiger Mensch mit hunderttausend Ideen." Eine dieser hunderttausend Ideen war, das in den polizeilichen Vernehmungen dokumentierte Leid seiner Tochter meistbietend zu verhökern. Bei einem Besuch in St. Pölten habe ihm Josef Fritzl gesagt: "Die schreiben alles an mir vorbei, aber ich bin der Hauptakteur. Das andere damit Geld machen, indem sie mich nutzen, geht nicht. Da wäre mir viel mehr geholfen, wenn ich der Familie etwas geben kann."

Fritzl ist nach Angaben seines Bekannten mit zirka 3,5 Millionen Euro verschuldet und habe beabsichtigt, aus dem Erlös der Protokolle, einen Teil Summe zu tilgen und den Rest zurückzulegen für seinen Lebensabend. Fritzl, 73, geht offenbar davon, dass er in wenigen Jahren wieder frei kommt und den Rest seines Lebens mit seiner Ehefrau verbringen wird.

Der Häftling wies jedenfalls seinen Anwalt Rudolf Mayer in Wien an, das Material zusammenzustellen, und einige Tage später holte der Mittelsmann die sorgsam gestapelten Papiere in dessen Kanzlei ab. Er verschickte sodann per E-Mail diverse Angebote an vermeintlich zahlungskräftige britische Boulevardblätter. Es kam auch zu diversen Treffen, aber zu keinem Abschluss. Danach wurde die Geschäftsidee fallen gelassen.

Der Makler erklärte dem stern, er habe kein schlechtes Gewissen, er würde es wieder tun, weil Fritzl mit dem Geld seiner Familie habe helfen wollen. Er sagte auch, er könne trennen zwischen dem Geschäftsmann Fritzl und dem Menschen Fritzl. Er habe nie in die Akten geschaut. Er habe die Details gar nicht wissen wollen. Er sei nur ausführendes Organ gewesen.

Wie der stern schreibt, ist offenbar auch das Verhältnis zwischen Fritzl und seinem Verteidiger Rudolf Mayer belastet. Dem Vernehmen nach ist es allein die Furcht vor dem mächtigen Ruf des Verteidigers, die Fritzl davon abhält, Mayer noch vor Prozessbeginn zu feuern. Der Wiener Staranwalt wollte sich unter Hinweis auf seine anwaltliche Schweigepflicht nicht äußern.

Tochter schrieb Tagebuch

Wie der stern weiter berichtet, hat Elisabeth während ihrer 24 Jahre währenden Haft Tagebuch geführt - auf Zetteln, Kalendern, allem, was sich eignete. Es seien in Teilen banale Einträge über Essen oder Kinderkrankheiten. In Teilen aber schilderten sie mit bedrückender Intensität den Alltag im Verlies - die permanenten Vergewaltigungen, ihre ausbleibende Regel oder einmal eine Rattenjagd mit bloßen Händen. Ihre Aufzeichnungen wurden unmittelbar nach ihrer Entdeckung dem Gericht überstellt und liegen dort unter Verschluss.

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KOMMENTARE (6 von 6)
 
gmathol (23.12.2008, 05:44 Uhr)
Realitaetsverlust?!
Hmm, die amerikanischen Sicherheitsfirma und ihre Schlaechter schaenden und toeten Kinder im Iraq oder veranstalten Preis-Schiessen.
Amstetten - Fallujah - wo ist der Unterschied?
Ach ja richtig, Fritzl wurde zurecht weggesperrt - Blackwater Angestellte bekommen fuer solche Taten etwa 800 USD vom US Steuerzahler.
Die westliche Welt ist genauso wie die islamische Welt voller Widerlichkeiten.
guinness.1 (22.12.2008, 17:04 Uhr)
Erschreckend, dieser Realitätsverlust...
...dieses Monsters, der immer noch kein Schuldbewußtsein hat.
.
Hoffentlich findet sich kein Gutachter, der ihm Unzurechnungsfähigkeit bescheinigt. Gerecht wäre, wenn er lebend nicht mehr aus dem Gefängnis käme.
Wie können seine Angehörigen sonst sicher sein, daß er sie nicht wieder belästigt?
sachsenwini (22.12.2008, 13:30 Uhr)
Vielleicht kann der geschäftstüchtige Fritzl
seine fleischlichen Körperreste an Gunther von Hagens verkaufen, der würde ihm in seiner Ausstellung bestimmt in der entsprechend typischen Pose präsentieren.
Corazito3333 (22.12.2008, 13:16 Uhr)
Mit den Füßen vorne raus...
anders sollte dieser miese gewissenlose Typ das Gefängnis nicht mehr verlassen. Aber vielleicht findet sich ja wieder mal ein Psychiater...... und das er auch noch an seinen Verbrecher verdient.. das ist einfach zu viel.
maindelfin (22.12.2008, 12:27 Uhr)
Gras geraucht?
Hat der Idiot im Knast Gras geraucht? Wie kommt "ES" sonst auf die Idee, dass er noch Geld für seinen Lebensabend zurücklegen muss. Erstens ist er 73 (das ist doch schon Lebensabend. Oder?) und zweitens gehen wir alle doch davon aus, dass er den Knast nur mit den Füßen voraus wieder verlässt. Und bis dahin werden ihm die Mitinsassen hoffentlich mehrmals täglich "Nettigkeiten" zukommen lassen.
Blacky007 (22.12.2008, 10:51 Uhr)
Aus Sicht der Gläubiger
wäre das Honorar wirklich gut, da sie sonts nei an das Geld kommen werden. Dieser Mistkerl sollte jedoch nicht einen Cent persönlich davon erhalten. Die Story wird so oder so als Buch und Film kommen.
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