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2. Januar 2011, 10:29 Uhr

Aschtiani will inhaftierte deutsche Reporter verklagen

Den zwei im Iran festgehaltenen deutschen Reportern droht eine Klage von der zum Tode verurteilten Iranerin Sakineh Mohammadi Aschtiani. Breite Unterstützung erhielten die beiden dagegen aus Deutschland.

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Einer der beiden inhaftierten Journalisten im Gespräch mit Sajjad Ashtiani, dem Sohn der Verurteilten© DPA

Die zum Tode verurteilte Iranerin Sakineh Mohammadi Aschtiani will laut Medienberichten die zwei deutschen Journalisten verklagen, die nach einem Interview mit ihrem Sohn verhaftet wurden. Die beiden Deutschen, ein Reporter und ein Fotograf, hätten sie beschämt, berichtete die BBC auf ihrer Internetseite. Demnach durfte Aschtiani das Gefängnis kurz verlassen, um mit ihrem Sohn und ihrer Tochter zu essen. Der Sohn, Sadschdschad Kadersadeh, war wegen des Interviews vorübergehend selbst in Haft gewesen. Die Frau sollte zunächst wegen Ehebruchs gesteinigt werden; nun könnte sie wegen Beihilfe zur Ermordung ihres Ehemannes zum Tode durch den Strang verurteilt werden.

Die deutschen Journalisten der Boulevardzeitung "Bild am Sonntag" waren am 10. Oktober in der nordiranischen Stadt Täbris von Sicherheitskräften festgenommen worden, weil sie Kadersadeh Sohn und den Anwalt von Aschtiani interviewten. Nach Weihnachten bekamen die Reporter auf diplomatischen Druck aus Deutschland die Gelegenheit zu einem Treffen mit Angehörigen. Die Journalisten haben inzwischen zugegeben, gegen iranisches Recht verstoßen zu haben. Aschtiani warf ihnen nun laut BBC vor, Schande über sie und das Land gebracht zu haben. "Wie so sind sie hierher gekommen und haben sich als Journalisten ausgegeben?", habe die Verurteilte auf einer Pressekonferenz gesagt.

Prominente fordern vom Iran Freilassung

Derweil erhielten die beiden Journalisten große Unterstützung aus Deutschland: 100 Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport appellierten in "Bild am Sonntag" an den Iran, die zwei seit mehr als 80 Tagen inhaftierten Reporter freizulassen. Außenminister Guido Westerwelle sagte: "Die beiden (Reporter) müssen so schnell wie möglich freikommen und nach Deutschland zurückkehren. Dafür werde ich mich auch im neuen Jahr mit ganzer Kraft einsetzen." Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor sagte: "Ich appelliere an den Iran, die beiden so schnell wie möglich freizulassen. Ein Staat, der wie der Iran ständig um Verständnis wirbt, sollte darauf achten, dies nicht auf anderen Gebieten zu verspielen." Finanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen appellierten ebenfalls an die Regierung in Teheran, die beiden Deutschen zu ihren Familien zurückkehren zu lassen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte eine umgehende Freilassung der Journalisten: "Das ist nicht nur eine Frage der Pressefreiheit und der Menschenrechte, sondern auch ein Gebot der Humanität." Für die Grünen erklärte Fraktionschef Jürgen Trittin: "Steinigungen, Folter und Unterdrückung gehören zum traurigen Alltag im Iran. Wer darüber berichten will, wird eingesperrt. Dazu dürfen wir nicht schweigen! Die beiden Reporter von "Bild am Sonntag" müssen sofort freigelassen werden." Der Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag, Gregor Gysi, fordert ebenfalls eine sofortige Freilassung der Journalisten. Ihre Inhaftierung sei "indiskutabel". CSU-Chef Horst Seehofer appellierte an die Machthaber in Teheran: "Lassen Sie die beiden Journalisten nach Hause."

Unterstützung aus Wirtschaft, Sport und Kultur

Für die Wirtschaft schlossen sich der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der Vorstandsvorsitzende der Telekom, Rene Obermann, BMW-Chef Norbert Reithofer, Bahn-Chef Rüdiger Grube und Metro-Chef Eckhard Cordes der Forderung nach Freilassung an. Daimler- Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche erklärte: "Ein Land, das in der Welt respektiert werden will, sollte auch die Pressefreiheit respektieren."

DGB-Chef Michael Sommer forderte ebenfalls die sofortige Freilassung der beiden deutschen Journalisten: "Sie haben nichts anderes gemacht als ihrer Arbeit nachzugehen." Zu den prominenten Sportlern, die die Freilassung der Journalisten fordern, gehören unter anderem Nationalspieler Philipp Lahm, Handball-Bundestrainer Heiner Brand, Trainer Felix Magath, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, Rennfahrer Michael Schumacher, Franz Beckenbauer und Günther Netzer.

Künstler wie Udo Jürgens, Hannelore Elsner, Maria Furtwängler, Uschi Glas, Jan-Josef Liefers, Peter Maffay und Udo Lindenberg verwenden sich ebenfalls für die Freilassung der Reporter. Die deutsche Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller äußerte die Hoffnung, "dass der Iran die beiden Journalisten nicht als Faustpfand benutzen will für andere Interessen". Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff beklagt: "Willkür herrscht in Teheran, einer Stadt, die ich liebe." Und der Schriftsteller Martin Walser forderte die Bundesregierung auf, "sich mit allen Mitteln für die Freilassung der beiden deutschen Journalisten aus iranischer Haft einzusetzen"

che/DPA
 
 
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