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Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat am Dienstag an den Universitäten Münster und Osnabrück eines von vier neuen Zentren für Islamische Theologie eingeweiht.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Einrichtung von Zentren für islamische Theologie an deutschen Universitäten als "Meilenstein für die Integration" bezeichnet.
An mehreren Hochschulstandorten in Deutschland wird 2011 der Fachbereich "Islamische Studien" eingeführt. Bildungsministerin Annette Schavan stellte das Konzept zur Imam-Ausbildung nun vor und pries es als wertvollen Beitrag zur Integration. Große islamische Verbände dagegen lehnen das Vorhaben entschieden ab.
Der mutmaßliche Serienattentäter von Toulouse soll sich durch Kontakt mit dem salafistischen Islam radikalisiert haben.
Der mutmaßliche Serienattentäter von Toulouse soll sich durch Kontakt mit dem salafistischen Islam radikalisiert haben.
An den Wissenschaftsstandorten Tübingen und Münster/Osnabrück werden mit Unterstützung des Bundes erstmals islamwissenschaftliche Studiengänge eingerichtet.
Imame, Vorbeter, sind Schlüsselfiguren bei der Integration von Muslimen in Deutschland. Doch was genau predigen diese Geistlichen? In Köln hat nun ein Kurs begonnen, der türkischen Imamen Deutschland näher bringen soll. Ein Ortsbesuch.
Was muss ein Professor für islamische Theologie glauben? Der erste seiner Art überhaupt in Deutschland, der Konvertit Muhammad Sven Kalisch, war als Hoffnungsträger an den Lehrstuhl in Münster gegangen. Wenige Jahre später ist er in den Augen gläubiger Muslime zum Ketzer geworden. Kalisch glaubt nicht mehr, dass Muhammad wirklich gelebt hat. An den Koran als Gottes wortwörtlich geoffenbarte Rechtleitung auch nicht mehr. Für die Vertreter der islamischen Gemeinden in Deutschland kann einer wie Kalisch nicht mehr die Ausbildung von islamischen Religionslehrern verantworten. Auch die Kirchen können bei den Universitäten Widerspruch einlegen, wenn jemand zum Professor berufen werden soll, der nicht die Lehrmeinung der Kirche teilt. Auch die Abberufung ist denkbar und bisweilen schon praktiziert worden. Was die Muslime nun fordern, steht ihnen in gewissem Maße zu, wenn man auf die Rechte der christlichen Kirchen schaut. Auf der anderen Seite ist die islamische Glaubensgemeinschaft ein vielschichtiges Gebilde, das, anders als die Kirchen, nicht ausreichend in Organisationen gefasst und strutktuiert ist, die gegenüber den staatlichen Autoritäten definieren, was der islamische Glaube sei. Kalisch hat die junge islamische Gemeinde in Deutschland ebenso wie die Universität Münster in eine schwierige Situation gebracht. Die Wissenschaft ist frei und das muss in jedem Fall auch so bleiben. Ob man, wenn man ihre grundlegenden Überzeugungen nicht mehr teilt, weiterhin an einem Lehrstuhl unterrichten will, der eine Symbolkraft für die Integration einer Glaubensgemeinschaft hat, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht wäre es besser gewesen, Professor Kalisch wäre selbst zurückgetreten. Dokumentation: Etliche Wissenschaftler und Vertreter des öffentlichen Lebens sprechen sich für einen Verbleib von Professor Kalisch am Centrum für religiöse Studien in Münster aus. Kalisch hatte die Existenz des islamischen Propheten Muhammads geleugnet. Daraufhin hat der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland sich mit seiner Forderung durchgesetzt, Kalisch möge der Lehrstuhl entzogen werden. Solidaritätserklärung mit dem Lehr- und Forschungsauftrag von Professor Dr. Muhammad Sven Kalisch Am 5. September, dem 1. Freitag des heiligen Monats Ramadan, hat der islamische Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland (KRM) die Zusammenarbeit mit Professor Kalisch wegen der "erheblichen Diskrepanz zwischen den Grundsätzen der islamischen Lehre" und seinen "veröffentlichten Positionen" aufgekündigt. Muhammad Kalisch ist der erste Inhaber des Lehrstuhls für "Religion des Islam" am Centrum für Religiöse Studien an der Universität Münster. Der Islam-Theologe, Philosoph und Volljurist mit perfekten Kenntnissen insbesondere der arabischen, persischen und türkischen Sprache ist ein hervorragender Wissenschaftler. Sein Lehrauftrag verpflichtet Kalisch, zukünftigen Religionskundelehrkräften wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln. Dazu gehört: * sich eigene Vorstellungen zur Religion auf verschiedenen Ebenen - vom eigenen Gottes- und Menschenbild bis zu aktuellen Themen - bewusst zu machen, * sie in der Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen und neuem Wissen kritisch zu prüfen und gegebenenfalls zu verändern; * theologische Bedingungen und Konsequenzen für eigenes Handeln beurteilen zu können; * ethische und religiöse Vorstellungen in ihrer Bedeutung für das gesellschaftliche Denken ermessen zu können; * theologisch-philosophische Argumente und Positionen zu analysieren - insbesondere im Hinblick auf entstehungsgeschichtlich implizite Werthaltungen, praktische religiöse Konsequenzen und die mit ihnen verfolgten Interessen -; * sich mit autoritaristischen Argumentationen kritisch auseinanderzusetzen und darauf zu reagieren. Professor Kalisch schafft somit die fachlichen, didaktischen und methodischen Voraussetzungen für zukünftigen islamischen Religionskundeunterricht. Untrennbar verbunden ist damit, provokante Thesen zur Diskussion zu stellen. Kalisch hat den Auftrag der Universität, seine Studierenden zum Mitdenken statt zum blinden Glaubensgehorsam auszubilden. Mit ihrer Distanzierung von der ergebnisoffenen Wissenschaft lassen die im KRM versammelten Verbände, die ohnedies bei dieser Ausbildung rechtlich nicht eingebunden werden müssen, eine historische Chance verstreichen, mit einem Hoffnungsträger die Zukunft des Islam und der Gesellschaft in Deutschland insgesamt mitzugestalten. Wir solidarisieren uns mit dem Lehr- und Forschungsauftrag von Professor Kalisch und dessen Durchführung: - Hans Branscheidt, Theo Van Gogh Gesellschaft, Vorstandsmitglied der Europan-Turkey Civic Commission EUTCC - Dr. Rainer Flasche, Professor für Religionsgeschichte, Marburg - Prof. Dr. Heinz Gess, Professor für Sozialwissenschaften, Bielefeld - Dr. Brigitte Hasenjürgen, Professorin für Soziologie an der Katholischen Hochschule NRW - Dr. Adelheid Herrmann-Pfandt, Privatdozentin für Religionswissenschaft, Marburg - Collin Schubert, Collin, Terre des Femmes, Tübingen - Dr. Nasrin Amirsedghi,. Philologin und Publizistin, Mainz - Seyran Ates, Rechtsanwältin und Autorin, Berlin - Dr. Ezhar Cezairli, Mitglied der AG1 und des Plenums der Deutschen Islamkonferenz als "Säkulare Muslimin" - Ismail Kaplan, Bildungsbeauftragter/ Egitim Sorumlusu, Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. - Dr. Gabriele Lademann-Priemer, Weltanschauungsbeauftragte, Hamburg - Prof. Dr. Tilman Nagel, em. Professor für Arabistik und Islamwissenschaft, Göttingen - Paul Nellen, Diplom-Politologe, Autor und Journalist, Hamburg - Prof. Dr. Karl-Heinz Ohlig, em. Professor für Religionswissenschaft und Geschichte des Christentums, Saarbrücken - Alp Otman, Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt und Evangelischen Hochschule Darmstadt - Dr. Gerd-Rüdiger Puin, Islamwissenschaftler und Arabist, Saarbrücken - Dr. Elisabeth Puin, Islamwissenschaftlerin, Saarbrücken - Imam Mehdi Razvi, Islamischer Theologe, Hamburg - Stefan Reichmuth, Professor für Orientalistik und Islamwissenschaft, Bochum - Gernot Rotter, em. Professor für Islamwissenschaft, Hamburg - Perry Schmidt-Leukel, Professor of Systematic Theology and Religious Studies, University of Glasgow - Peter Schütt, Schriftsteller, Hamburg - Dr. Jeanette Spenlen, Religionswissenschaftlerin und Islamwissenschaftlerin Bonn - Ursula Spuler-Stegemann, Professorin für Islamwissenschaft, Marburg - Ali Ertan Toprak,, Generalsekretär Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. - Turgut Yüksel, Mitglied des Hessischen Landtages, SPD-Fraktion Diese Kolumne ist auch erschienen auf www.cicero.de/alexanderplatz.php Mehr Informationen unter www.cicero.de Den Autor erreichen Sie über seine Webseite www.a-goerlach.com
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