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11. Mai 2009, 15:57 Uhr

Papst fordert Palästinenserstaat

Überraschend deutliche Worte von Papst Benedikt XVI. in Israel: In einer Ansprache auf dem Flughafen von Tel Aviv forderte der Pontifex Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern. Ziel solle die Bildung zweier international anerkannter Staaten sein.

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Freundlicher Empfang: Benedikt XVI. wird in Jerusalem von Kindern mit Blumen begrüßt© Amos Ben Gershom/AP

Papst Benedikt XVI. hat zu Beginn seines Besuches in Israel die Schaffung eines palästinensischen Staates gefordert und beide Seiten zu Friedensverhandlungen aufgerufen. Israelis und Palästinenser müssten jede Möglichkeit nutzen, um ihre Differenzen zu überwinden, sagte das Oberhaupt der Katholiken am Montag bei seiner Ankunft auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv. Der Pontifex hielt seine Rede während einer Empfangszeremonie, mit der er von Staatspräsident Schimon Peres, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und zahlreichen Würdenträgern unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen begrüßt wurde.

Benedikt sagte, die Hoffnungen von unzähligen Menschen lägen auf Friedensverhandlungen, um die großen Probleme zu lösen. Nach seiner Auffassung sollten am Ende zwei Staaten stehen, die international anerkannt sind. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums teilte mit, das Thema stehe während des Besuches nicht zur Diskussion.

Die Zwei-Staaten-Lösung ist international weitgehend akzeptiert, unter anderem von den USA und Deutschland. Allerdings galt die Forderung gleich nach Benedikts Ankunft als bemerkenswert, weil Ministerpräsident Netanjahu seit dem Wahlsieg seiner rechten Likudpartei diesen Weg nicht mehr verfolgt. Es wird aber erwartet, dass Netanjahu bei seiner USA-Reise in der kommenden Woche dazu gedrängt wird.

Bei seiner Ankunft in Tel Aviv mit einer jordanischen Maschine wurde der Papst als Staatsgast mit rotem Teppich geehrt. Präsident Peres sagte, Israel begrüße den Besuch des Pontifex, weil er den Weg zum Frieden ebnen könne. Von Tel Aviv flog Benedikt im Hubschrauber ins benachbarte Jerusalem, wo er sich mit dem Bürgermeister Nir Barkat traf. Dieser überreichte ihm eine historische Weltkarte, in der seine Stadt den Mittelpunkt bildete.

Am Nachmittag stand in Jerusalem die Besichtigung von Jad Vaschem auf dem Programm, der zentralen Gedenkstätte für die Opfer des Holocausts. Dieser Besuch zählt zu den heiklen Höhepunkten der einwöchigen Papst-Reise ins Heilige Land. Erst kürzlich hatte Benedikt mit der Aufhebung der Exkommunizierung des umstrittenen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson für Irritationen gesorgt.

In den kommenden Tagen besichtigt der Papst in Jerusalem den Felsendom und die Klagemauer und reist ins Westjordanland nach Bethlehem, wo er neben der Geburtskirche auch ein palästinensisches Flüchtlingslager besuchen will. Am Donnerstag ist er in Nazareth, der biblischen Heimatstadt von Jesus, bevor er am Freitag nach Rom zurückkehrt. Nach Angaben der israelischen Sicherheitskräfte soll ein bislang einmaliges Aufgebot von 80.000 Polizisten und Sicherheitskräften den Papst während seines fünftägigen Aufenthaltes schützen.

Der offizielle Besuch in Israel ist der zweite eines Papstes überhaupt. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. reiste im Jahr 2000 ins Heilige Land. Auch Papst Paul VI. war 1964 im Heiligen Land, allerdings nur für wenige Stunden und nicht zu einem offiziellen Besuch.

Victor Simpson/AP
 
 
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