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6. Januar 2005, 08:04 Uhr

Geberländer beraten über Hilfe

UN-Generalsekretär Kofi Annan und Regierungsmitglieder aus 20 Staaten beraten über die Verteilung der Hilfsgelder in Höhe von inzwischen rund vier Milliarden Dollar. Ebenfalls auf der Agenda steht die Einrichtung eines Frühwarnsystems.

Die Versammlung versucht die immensen logistischen Probleme der Hilfeleistung zu lösen© Suzanne Plunket/AP

Mit einer Schweigeminute für die Flutopfer am Indischen Ozean ist in Jakarta ein Gipfeltreffen zur Koordinierung der Hilfsmaßnahmen eröffnet worden. Als Gastgeber erklärte der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono am Donnerstag, die derzeitige außergewöhnliche Situation erfordere auch außergewöhnliche Maßnahmen. Der Tsunami vom 26. Dezember sei die zerstörerischste Naturkatastrophe seit Menschengedenken gewesen. Bei der Konferenz ging es auch um die Errichtung eines Frühwarnsystems für Flutwellen nach einem Erdbeben.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach vor den ranghohen Regierungsmitgliedern aus 20 Staaten und Delegierten internationaler Organisationen von einem Wettlauf gegen die Zeit. "Das Desaster war so brutal, so plötzlich und so weit reichend, dass wir immer noch darum ringen, das ganze Ausmaß überhaupt fassen zu können", sagte er. Bei der Versorgung der Überlebenden gebe es immense logistische Probleme, doch diese seien nicht unüberwindbar

Die internationale Staatengemeinschaft hat inzwischen rund vier Milliarden Dollar (drei Milliarden Euro) zur Unterstützung der Flutopfer versprochen. Die höchsten Zusagen kamen von Australien und Deutschland. Die Regierung in Canberra erhöhte ihren Beitrag noch einmal auf 810 Millionen US-Dollar (610 Millionen Euro). Deutschland hat 500 Millionen Euro zugesagt. Der für Hilfsmaßnahmen zuständige UN-Koordinator Jan Egeland bezeichnete diese Zusagen als phänomenal. Seinen Dank verband er vor Journalisten in New York mit der Bitte, den Vereinten Nationen auch auf längere Sicht bei der Unterstützung der Katastrophenregion beizustehen.

Yudhoyono plädierte dafür, ein Frühwarnsystem für Flutwellen so schnell wie möglich in Kraft zu setzen. Auch Annan bezeichnete dies als dringend notwendig, um künftigen Katastrophen vorzubeugen. Gemeinsam könne die Staatengemeinschaft dies erreichen.

Soldaten sichern die ranghohen Regierungsvetreter© Yusrin/AP

Anstieg der Todesbilanz erwartet

Die Gesamtzahl der offiziell registrierten Toten im Katastrophengebiet lag bis Donnerstag weiter bei rund 140.000. Annan sagte jedoch vor den Konferenzteilnehmern, es sei mit einer Bilanz von mehr als 150.000 zu rechnen. Allein Indonesien geht mittlerweile von nahezu 100.000 Todesopfern aus, wie Vizepräsident Jusuf Kalla erklärte. Die offizielle Bilanz der bestätigten Toten verbleibe zwar noch bei 94.200, doch sei angesichts der zahlreichen Vermissten ein weiterer Anstieg zu erwarten. Bis zu eine Million Menschen seien allein auf der am schwersten betroffenen Insel Sumatra obdachlos geworden, und ebenfalls eine Million Menschen hätten ihren Lebensunterhalt verloren, sagte Kalla.

Den Gipfelteilnehmern lagen erste Vorschläge der Vereinten Nationen zur Verteilung der Gelder vor. Allein das am schwersten betroffene Indonesien benötige rund 450 Millionen Dollar, teilte der dortige UN-Vertreter Bo Asplund mit.

Die Europäische Union wurde in Jakarta von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und dem britischen Außenminister Jack Straw vertreten. An der Konferenz nahmen ferner die Ministerpräsidenten aus China, Japan, Australien und Neuseeland sowie die meisten Regierungschefs des Verbands Südostasiatischer Staaten (ASEAN) teil. Auch US-Außenminister Colin Powell war nach Jakarta gereist.

 
 
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