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5. April 2005, 07:50 Uhr

Warten auf den letzten Abschied

Es ist der größte Pilgeransturm, den Rom je erlebt hat: Hunderttausende Gläubige aus aller Welt warten in kilometerlangen Schlangen darauf, im Petersdom von dem verstorbenen Johannes Paul II. Abschied nehmen zu können.

Tausende von Gläubigen warten auf Einlass in den Petersdom© Johannes Simon/DDP

Tausende Gläubige aus aller Welt haben dem im Petersdom in Rom aufgebahrten Papst bereits die letzte Ehre erwiesen. Wegen des großen Andrangs blieb das Gotteshaus in der Nacht zum Dienstag länger geöffnet als geplant. Hunderttausende hatten sich seit dem Abend auf dem Petersplatz eingefunden und in kilometerlangen Schlangen vor den Pforten des Doms auf Einlass gewartet.

Das italienische Fernsehen berichtete von bis zu 400.000 Menschen. Papst Johannes Paul II. ist seit Montagabend im roten Messgewand vor dem Hauptaltar des Petersdoms aufgebahrt. Es haben sich sich kilometerlange Menschenschlangen gebildet. Ganze Straßenzüge im Vatikanviertel sind völlig überfüllt. Fast die ganze Nacht kamen die Gläubigen zum Katafalk des Papstes, die Kirche war lediglich knapp zwei Stunden zum Reinigen geschlossen worden.

Im Vatikan treten am heutigen Dienstag erneut die Kardinäle zusammen. Dabei wird vermutlich darüber entschieden, wann die Wahl eines neues Papstes (Konklave) beginnt, verlautete in Rom. Das Konklave kann frühestens 15 Tage nach dem Papsttod, also am 17. April, und muss spätestens 20 Tage danach zusammentreten. Dabei sollten alle 117 wahlberechtigten Kardinäle unter 80 Jahre aus der ganzen Welt anwesend sein.

Der Leichnam Johannes Pauls II., aufgebahrt vor dem Hauptaltar im Petersdom© Johannes Simon/DDP

Petersdom zwischenzeitlich geschlossen

In der Nacht hatte nach einer knapp zweistündiger Schließung der Petersdom in Rom seine Pforten am frühen Morgen für die Gläubigen wieder geöffnet, die dem dort aufgebahrten Papst Johannes Paul II. die letzte Ehre erweisen wollen. Wegen des starken Andrangs hatte der Vatikan die Basilika des Heiligen Petrus in der Nacht erst eine Stunde später geschlossen als ursprünglich geplant. Wie das italienische Fernehen berichtete, harrten viele Gläubige auf dem Petersplatz aus. Als der Dom um kurz vor 5.00 Uhr wieder geöffnet wurde, sei dies mit Applaus aufgenommen worden.

Bereits am Montagabend hatten sich kilometerlange Schlangen gebildet. Laut Fernsehberichten kamen bis zu 400.000 Gläubige aus aller Welt auf dem Petersplatz zusammen. Tausende zogen bereits an dem im roten Messgewand vor dem Hauptaltar des Petersdoms aufgebahrten Papst vorbei.

Bewegende Aufbahrung

In einer bewegenden Prozession war Johannes Paul II. in der Abenddämmerung vom Apostolischen Palast in den Petersdom gebracht worden. Tausende Menschen versammelten sich zum letzten Weg des Papstes über den Petersplatz. Hier fuhr er einst mit seinem Papamobil durch die jubelnde Menge, hier wurde er bei einem Attentat 1981 lebensgefährlich verletzt.

Zur Zeremonie erklangen Glockengeläut und liturgische Gesänge. Zwölf Träger schulterten die Bahre mit dem Toten. Sie wurden begleitet von Schweizergardisten in ihren bunten Uniformen sowie zahlreichen Kardinälen und kirchlichen Würdenträgern. Zunächst war der Leichnam in der Sala Clementina im Apostolischen Palast aufgebahrt gewesen. Dort hatten ihm hohe Kirchenführer und Prominente die letzte Ehre erwiesen. Von hier führte die Prozession durch lange Gänge und über Treppen im Vatikan.

Als der Zug mit dem Toten den Petersplatz erreichte, brandete Beifall auf. Während seiner 26 Amtsjahre hatte der Papst hier fast jeden Sonntag das Angelusgebet gesprochen. Hier hatte er zu Weihnachten und Ostern den Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) erteilt.

Über zehntausend Menschen versammelten sich am Samstag auf dem Petersplatz, nachdem der Tod Johannes Pauls II. bekannt gegeben worden war© Johannes Simon/DDP

Der aufgebahrte Papst hat den Bischofsstab in seiner Armbeuge, in seinen Händen liegt ein Rosenkranz. Der Camerlengo (Kämmerer) des Vatikans, Kardinal Eduardo Martínez Somalo, schritt bei einer Segnungszeremonie drei Mal feierlich um den Katafalk. Er sprengte Weihwasser über den Toten und schwenkte das Weihrauchgefäß.

Beisetzung am Freitag

Der Petersdom bleibt für die Gläubigen in den kommenden Tagen fast rund um die Uhr geöffnet. Nur in den Nächten soll die Kirche jeweils für ein paar Stunden geschlossen werden.

An diesem Freitag ist die Totenmesse auf dem Petersplatz und die Beisetzung in den Grotten unter dem Petersdom vorgesehen. Dazu werden mindestens 50 gekrönte Häupter sowie Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet. An der Trauerzeremonie nehmen neben US-Präsident George W. Bush und UN-Generalsekretär Kofi Annan auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder teil.

Auf Seite 2 die Liste aller Staatsgäste, die ihr Kommen bis Dienstag angekündigt haben

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