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15. April 2010, 16:15 Uhr

"Sie haben ein Recht auf ehrliche Aufklärung"

Erst haben sie sich gegenseitig die Köpfe eingehauen, nun haben sie das Kriegsbeil begraben: Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und Erzbischof Zollitsch sind sich einig, dass Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche "umfassend" und "entschlossen" aufgeklärt werden müssen.

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Wollen künftig enger kooperieren: Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger und Erzbischof Zollitsch© Arno Burgi/DPA

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, haben ihren Streit über die Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen endgültig beigelegt. Man sei sich einig darüber, dass vergangene Fälle sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen "umfassend" und "entschlossen" aufgeklärt werden müssten. Dies teilten sie nach einem Treffen in Berlin mit.

Die Aufarbeitung geschehe in enger Zusammenarbeit der Kirche mit den staatlichen Stellen und den Betroffenen. Im Mittelpunkt der Aufarbeitung müssten immer die Opfer stehen. Ihnen sei großes Leid zugefügt worden. "Sie haben ein Recht auf eine ehrliche Aufklärung", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung. Zollitsch sagte nach dem Treffen: "Es war ein gutes Gespräch. Wir haben die Fragen in Freundschaft und guter Partnerschaft besprochen."

Leitlinien der Bischofskonferenz sollen geändert werden

Das Treffen war nach einem Streit zwischen der Ministerin und Zollitsch Ende Februar vereinbart worden. Leutheusser-Schnarrenberger hatte der katholischen Kirche mangelnde Kooperation mit staatlichen Strafverfolgungsbehörden bei der Aufklärung sexuellen Missbrauchs in den eigenen Reihen vorgeworfen. Zollitsch warf Leutheusser- Schnarrenberger damals maßlose Polemik vor und beschwerte sich bei Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Nachdem sich Leutheusser- Schnarrenberger in einem Schreiben an die Bischöfe gewandt und ihnen darin den Willen zur lückenlosen Aufklärung bescheinigt hatte, erklärte Zollitsch den Streit damals bereits für beendet.

Laut Mitteilung erläuterte Zollitsch der Ministerin am Donnerstag die Maßnahmen, die die katholische Kirche in jüngster Zeit ergriffen habe. Dazu zählten eine bundesweite kostenfreie Telefon-Hotline und der Einsatz unabhängiger Berater. Die Ministerin habe deutlich gemacht, dass innerkirchliche Maßnahmen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht verzögern oder behindern dürften. Dementsprechend müssten auch die Leitlinien der Bischofskonferenz geändert werden. Sie verpflichten die Kirche bisher nur bei einem erhärteten Verdacht und nicht verjährten Fällen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Die Bischofskonferenz hat eine Überarbeitung angekündigt.

Evangelische Kirche offen für Entschädigung

Am Freitag nächster Woche nimmt ein Runder Tisch der Bundesregierung seine Arbeit auf, um die Missbrauchsfälle in kirchlichen und anderen Einrichtungen aufzuarbeiten. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Justizministerin wird sich dabei mit den rechtlichen Schlussfolgerungen befassen. Die Bischofskonferenz will sich daran aktiv beteiligen. Thema soll neben der Durchsetzung des staatlichen Strafanspruchs auch die Frage sein, wie das Leid der Opfer in den Fällen, die bereits verjährt sind, "angemessen anerkannt" werden könne.

Es gehe nicht nur um seelische Wiedergutmachung, sondern auch um materielle Entschädigungen, für die es derzeit aber noch keine rechtlichen Grundlagen gebe, sagte der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider im rbb-Inforadio. Die evangelische Kirche sei offen für eine Entschädigung von traumatisierten Heimkindern.

In Berlin gingen ehemalige Heimkinder am Donnerstag für Entschädigungen auf die Straße. Sie prangern an, dass sie über Jahre hinweg in meist kirchlichen Heimen systematisch gedemütigt, misshandelt, sexuell missbraucht und als "Arbeitssklaven" ausgebeutet wurden. Sie fordern Akteneinsicht, eine Wiedergutmachung und den Verzicht auf Verjährungsansprüche. Die Demonstration steht unter dem Motto: "Jetzt reden wir!"

Papst: "Buße tun können ist eine Gnade"

Im fernen Rom rief Papst Benedikt XVI. unterdessen zu Reue und Buße auf. "Wir Christen haben, auch in der letzten Zeit, oft das Wort Buße vermieden", sagte Benedikt in einer Andacht im Vatikan vor Mitgliedern der Päpstlichen Biblischen Kommission. "Jetzt, angesichts der Angriffe der Welt auf uns, die von unseren Sünden sprechen, sehen wir, dass Buße tun können eine Gnade ist", so das Kirchenoberhaupt. Zu sehen sei auch, wie notwendig die Buße sei. Der Schmerz der Buße, das heiße der Reinigung und der Wandlung, bedeute auch Erneuerung und sei das Werk göttlicher Barmherzigkeit.

DPA
 
 
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