Polizei verhindert Anschlag auf Reisezug

23. April 2013, 06:52 Uhr

Seit Monaten sollen die zwei Männer Bahnverbindungen ausgekundschaftet haben. Jetzt nahm die kanadische Polizei die beiden fest. Sie wollten offenbar Züge entgleisen lassen.

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Kanadische Ermittler haben nach eigenen Angaben einen vom Terrornetzwerk al-Kaida unterstützten Anschlag auf einen Zug vereitelt. Zwei Verdächtige im Alter von 30 und 35 Jahren seien wegen der Planung eines Attentats im Großraum Toronto festgenommen worden, teilte die Polizei am Montag bei einer Pressekonferenz mit. An den vorangegangenen monatelangen Ermittlungen war auch die US-Bundespolizei FBI beteiligt.

Dem 30-jährigen Chiheb E., wohnhaft in Montreal, und dem 35-jährigen in Toronto lebenden Raed J. werde vorgeworfen, sie hätten einen Zug in der Gegend der Wirtschaftsmetropole Toronto entgleisen lassen wollen, teilte die Polizei bei ihrer Pressekonferenz mit. Ihnen würden Verschwörung zu einem Anschlag und Mordverschwörung mit einer terroristischen Gruppe zur Last gelegt.

Die beiden Verdächtigen sollten am Dienstag einem Richter vorgeführt werden. Mehrere örtliche Medien berichteten, die Verdächtigen hätten die viel genutzte Zugverbindung zwischen Toronto und der US-Metropole New York im Visier gehabt.

Verbindungen in den Iran

Die beiden Männer hätten "Unterstützung von im Iran ansässigen Al-Kaida-Elementen" erhalten, sagte James Malizia von der kanadischen Polizei. Es gebe aber "keine Hinweise, dass diese Angriffe staatlich gefördert wurden".

Laut Malizia sind die Verdächtigen keine kanadischen Staatsbürger, zu ihrer Nationalität wollte er sich aber nicht äußern. Ihre Anschlagspläne hätten "nicht auf ihrer ethnischen Herkunft, sondern auf Ideologie beruht".

Die Polizei hatte E. und J. seit August beobachtet. Die beiden Männer kundschafteten den Angaben zufolge Züge und Zugstrecken aus.

Festnahme nur eine Woche nach dem Anschlag in Boston

Trotz der Vorbereitungen habe jedoch ein Anschlag nicht unmittelbar bevorgestanden, hob die Polizei in einer Erklärung hervor. E. und J. hätten zwar "die Fähigkeit und die Absicht" dazu gehabt, es habe aber "keine unmittelbar bevorstehende Bedrohung für die allgemeine Öffentlichkeit, Bahnangestellte, Zugpassagiere oder die Infrastruktur" gegeben.

Die Festnahmen erfolgten eine Woche nach dem Bombenanschlag auf den Boston Marathon, bei dem drei Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt worden waren. Ein Zusammenhang besteht nach Informationen des Fernsehsenders CBC jedoch nicht.

Die US-Bundespolizei FBI war nach Angaben der kanadischen Polizei auch an den Ermittlungen gegen E. und J. beteiligt - in welchem Umfang, wurde jedoch nicht mitgeteilt. Der US-Botschafter in Ottawa, David Jacobson, sagte, die Festnahmen seien das Ergebnis "vertiefter grenzüberschreitender Zusammenarbeit".

Der kanadische Minister für öffentliche Sicherheit, Vic Toews, dankte dem FBI ausdrücklich und sagte, die Festnahmen seien der Tatsache zu verdanken, dass Kanada "sehr eng mit internationalen Partnern bei der Bekämpfung von Terrorismus" zusammenarbeite. Sie machten allerdings auch deutlich, "dass Terrorismus weiter eine echte Bedrohung für Kanada ist". Das kanadische Parlament debattiert derzeit über eine Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze.

In den vergangenen Monaten waren immer wieder Islamisten aus Kanada bei Angriffen in anderen Ländern in Erscheinung getreten. So wurden zwei kanadische Extremisten getötet, als Sicherheitskräfte Anfang Januar die Geiselnahme auf einem Gasfeld im algerischen In Aménas beendeten. Anfang April wurde in Mauretanien ein Kanadier festgenommen, der bereits 2012 wegen des Versuchs verurteilt worden war, in Mali ein Ausbildungscamp von al-Kaida zu besuchen.

anb/AFP
 
 
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