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9. Dezember 2007, 12:23 Uhr

Das Ende eines Karibik-Traums

Der jahrelang totgelaubte britische "Kanu-Mann" John Darwin soll am Montag unter dem Vorwurf des Betruges einem Haftrichter vorgeführt werden. Seine Frau wurde am Sonntag bei ihrer Rückkehr nach Großbritannien festgenommen - Leben hinter Gittern, statt Sonnentraum in Panama.

John Darwin soll am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden© Scott Heppell/AP

"Frau Darwin wird nun ausführlich vernommen", sagte eine Polizeisprecherin. Die 55-Jährige wurde am Morgen unmittelbar nach der Landung ihrer aus Florida (USA) kommenden Maschine auf dem Airport von Manchester von uniformierten Beamten abgeführt.

Die Polizei wirft dem 57-jährigen ehemaligen Gefängnismitarbeiter vor, mit seinem vermeintlichen Tod die Auszahlung seiner Lebensversicherung ergaunert zu haben. Der hoch verschuldete Darwin hatte nach Überzeugung der Ermittler im Frühjahr 2002 bei einer Paddeltour auf der Nordsee einen tödlichen Unfall mit seinem Kanu vorgetäuscht. Zudem wird ihm nach Angaben eines Polizeisprechers vom Sonntag angelastet, sich mit falschen Angaben einen Reisepass erschlichen zu haben.

Das Gericht im Nordseestädtchen Hartlepool soll am Montag auf Antrag der Strafverfolgungsbehörde zunächst die Fortsetzung der Untersuchungshaft für Darwin genehmigen. Wann die eigentliche Verhandlung beginnt, ist noch unklar.

John und Anne Darwin hatten nach Angaben britischer Medien mit dem Geld eine Karibik-Ferienanlage bauen und dort unter anderem Abenteuer-Paddeltouren anbieten wollen. Wie Reporter in Panama herausfanden, hatte das Paar in dem südamerikanischen Land vor sechs Monaten ein Grundstück in einer malerischen Gegend am Karibischen Meer gekauft. Bereits vor ihrer Rückkehr hatte Anne Darwin in Exklusiv-Interviews für zwei Londoner Zeitungen ein Geständnis abgelegt.

Wie Darwins Frau Reportern der "Daily Mail" und des "Daily Mirror" erzählte, lebte der "Kanu-Mann" drei Jahre lang versteckt im gemeinsamen Haus des Paares in der nordostenglischen Grafschaft Cleveland. "Während praktisch jeder dachte, John werde vermisst und gelte als tot, lebte er zu Hause bei mir", erzählte Anne Darwin den Reportern in einem Hotel in Miami (US-Bundesstaat Florida). "Wir hatten viele Schulden, sie gingen in die Zehntausende. Er sagte, es gebe nur einen Ausweg, und der bestünde darin, seinen Tod vorzutäuschen."

Der Betrug flog in der zurückliegenden Woche durch ein Foto im Internet auf, das die beiden in Panama zeigte. Die Frau bestand bei ihrer "Beichte" darauf, dass sie anfangs unschuldig war. Sie habe nicht gewusst, dass ihr Mann sein Verschwinden bei einer Kanufahrt nur vorgetäuscht habe. Er sei erst elf Monate später bei ihr aufgetaucht, und erst da sei ihr klar geworden, dass er die Idee eines Versicherungsbetrugs verwirklichen wollte.

John Darwin hatte sich vor einer Woche auf einem Revier gemeldet und wurde wenig später festgenommen. Den Beamten erklärte er, sich nicht mehr daran erinnern zu können, was sich seit Juni 2000 in seinem Leben ereignet hat. Als Grund für Darwins Rückkehr nach Großbritannien nannte seine Frau dessen Sehnsucht nach den beiden erwachsenen Söhnen. Der Vater habe Mark und Anthony nicht länger in dem Glauben lassen wollen, dass er tot sei.

Wie die "Times" berichtete, sollte der Sonnentraum der Darwins von einem Leben als Hotelbesitzer in Panama unweit des Dorfes Escobal verwirklicht werden. Viele Dorfbewohner sollen sich Hoffnungen auf Jobs in der geplanten Ferienanlage oder auf Geschäfte mit ausländischen Touristen gemacht haben. "Inzwischen haben wir alles erfahren über seinen vorgetäuschten Tod", sagte die Gemeindevorsteherin von Escobal, Leticia Escobar. "Was nun mit dem Land wird, wissen wir nicht, aber das Hotel wird wohl nie gebaut werden."

DPA/AP

 
 
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