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10. Oktober 2005, 14:21 Uhr

Die internationale Hilfe läuft an

Auch zwei Tage nach dem schweren Erdbeben in Kaschmir sind die Ausmaße der Katastrophe noch nicht abzusehen. Viele Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten. Das UN-Kinderhilfswerk befürchtet 1,5 Millionen notleidende Kinder.

Ein Vater hält sein beim Erdbeben in Kaschmir verletztes Kind auf dem Arm© Sajjad Hussain/AFP

Zwei Tage nach dem Erdbeben in Südasien wird die Lage für die Betroffenen immer auswegloser. Wegen zerstörter Straßen waren zahllose Dörfer in den entlegenen Gebieten Kaschmirs für die Rettungskräfte weiterhin unerreichbar. Im bergigen Norden Pakistans und in Kaschmir rechnen die Behörden mit mehr als 30.000 Toten. Auch aus Indien wurden 800 Opfer gemeldet.

Zwar rollte inzwischen die internationale Hilfe an, doch das Ausmaß der Katastrophe machte eine rasche Versorgung der bis zu 2,5 Millionen Obdachlosen und Verletzten unmöglich. Nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef sind allein 1,5 Millionen Kinder unmittelbar betroffen. "Die Dimension dieser Tragödie ist schier überwältigend", sagte US-Botschafter Ryan Crocker. Acht amerikanische Militärhubschrauber landeten am Mittag in Islamabad und brachten erste Hilfsgüter. "Das ist der Beginn einer immensen Hilfsanstrengung", sagte Crocker. Die US-Regierung stellte 50 Millionen Dollar Soforthilfe bereit. Auch aus Deutschland trafen erste Rettungsteams in Pakistan ein.

In der Hauptstadt des pakistanisch kontrollierten Teils von Kaschmir, Muzaffarabad, kam es zu ersten Plünderungen. Geschäftseigentümer und hungrige Anwohner lieferten sich erbitterte Schlachten mit Knüppeln und Steinen, etliche Menschen wurden verletzt, wie ein AP-Reporter beobachtete. Sicherheitskräfte griffen nicht ein. Augenzeugen zufolge wurden auch leere Wohnungen und Tankstellen geplündert. Die Wasser- und Stromversorgung der 600.000-Einwohner-Stadt, von denen Zigtausende die Katastrophe nicht überlebten, ist zusammengebrochen. Etwa 2.000 Menschen kauerten in der Nacht um zwei Feuer im Fußballstadion von Muzaffarabad. Alle Gebäude um das Sportfeld herum wurden bei dem Beben der Stärke 7,6 am Samstag zerstört.

"Ich glaube nicht, dass unter den Trümmern noch Überlebende gefunden werden können", sagte ein Rettungssanitäter. Familien gruben mit den Händen im Schutt, auf der Suche nach vermissten Angehörigen. Verletzte wurden auf dem Sportplatz notdürftig operiert. Der pakistanische Staatspräsident Pervez Musharraf sprach vom verheerendsten Erdbeben in der Geschichte seines Landes und bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Besonders Transporthubschrauber würden benötigt, um Hilfsgüter in die zerstörten Dörfer zu bringen. Die meisten Straßen sind durch das Beben oder die folgenden Erdrutsche zerstört. "Die Streitkräfte haben die Hilfsmaßnahmen in den entlegenen Orten Kaschmirs noch nicht begonnen", erklärte Informationsminister Tariq Mahmood. "Die Menschen sind dort noch immer in den Trümmern eingequetscht. Die Toten können nicht begraben werden."

Am Sonntag waren die ersten ausländischen Rettungsteams in Pakistan eingetroffen, am Montag landeten neben den US-Hubschraubern auch Einsatzkräfte aus Deutschland, Großbritannien, Russland, China, der Schweiz und anderen Ländern. Selbst der Erzrivale Indien bot die Entsendung von Hubschraubern an, das Angebot wurde jedoch abgelehnt. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen in Genf rief zu Spenden auf. Es würden mindestens 200.000 wintertaugliche Zelte benötigt. UN-Generalsekretär Kofi Annan brachte seine "tiefe Trauer" über die Erdbebentragödie zum Ausdruck. Er sei sehr betroffen von den Toten und dem Ausmaß der Zerstörung, sagte Annan in Genf. Annan lobte die internationale Hilfsbereitschaft. "Es ist sehr ermutigend, zu sehen, wie schnell die Völkergemeinschaft auf das verheerende Erdbeben reagiert hat." Bei der Rettung von Leben zähle jede Stunde. Er rief die Staatengemeinschaft auf, "schnell und großzügig" zu helfen.

Das Beben war in großen Teilen Südasiens zu spüren. Aus Indien wurden bis zum Montagmittag 800 Opfer gemeldet. Warnungen vor einem weiteren Erdstoß lösten neue Panik aus. In Afghanistan kostete das Beben mindestens vier Menschen das Leben.

Sadaqat Jan/AP
 
 
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