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4. Dezember 2007, 14:32 Uhr

70 Mafiosi hinter Gittern

Waffen, Kokain, Marihuana und ein Kassenbuch mit einer Liste über Schutzgelderpressungen - Beweise genug, um die jetzt bei einer Razzia festgenommenen 70 Mafia-Mitglieder zu belangen. Unter den geschnappten Sizilianern sind auch mindestens zwei Top-Mafiosi. Von Luisa Brandl

Hinter Gittern: Vincenzo Santapaola, ältester Sohn des legendären Mafia Bosses Nitto Santapaola© Ropi online

Der italienischen Polizei ist ein großer Schlag gegen die Mafia gelungen: In der sizilianischen Stadt Katanien hat die Polizei 70 Mafiosi festgenommen, darunter Vincenzo Santapaola, 38, ältester Sohn des legendären Bosses Nitto Santapaola, der in Katanien im Gefängnis sitzt. Die Ermittler beschlagnahmten ein Kassenbuch, in dem Schutzgelderpressungen und die Löhne der Mafiosi aufgelistet sind und stellten Waffen, Kokain und Marihuana sicher.

Den Mafiajägern ist Vincenzo Santapaola gut bekannt. Der Pate ging im Gefängnis ein und aus. Wegen einer Fehde mit dem rivalisierenden Clan von Vito Vitale, der ihn ins Fadenkreuz genommen hatte, wurde er gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Francesco 1992 erstmals festgenommen. Kurz darauf kam er frei und wurde ein Jahr später wieder gesucht. Die Polizei schnappte ihn 1994. Nach drei Jahren Haft wurde er erneut entlassen. Im Zusammenhang mit dem großen Mafiakrieg wurde Santapaola 1999 wieder festgenommen. Die Hardliner um Toto Riina, verantwortlich für die Richtermorde an Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, bekämpften sich damals mit den Gegnern der Terror-Strategie vom Clan Nitto Santapaola. Zuletzt wurde Vincenzo 2006 eingelocht und war erst seit kurzem wieder auf freiem Fuß.

Auch der berüchtigte Antonino Faro wurde geschnappt

Unter den 70 geschnappten Sizilianern, die wegen Mafiazugehörigkeit, Schutzgelderpressungen, Raubüberfälle und Drogenhandel angeklagt sind, ist auch der berüchtigte Antonino Faro. Der Mafiakiller kam zu hohen Ehren, als er in den achtziger Jahren im sardischen Gefängnis Bad'e Carros den Boss Francis Turatello tötete und zum Zeichen seiner Blutrünstigkeit dessen Leber verspeiste. Die Ermittler nahmen auch drei Frauen fest: Angela La Rosa, Gattin des Santapaola-Clanchefs Alessandro Strano sowie Patrizia Scriffignano und Iolanda Di Grazia, Ehefrau und Schwester des einsitzenden Bosses Fabrizio di Grazia. Sie sollen zwischen den Gefangenen und den Clan-Mitgliedern draußen vermittelt haben. Innenminister Giuliano Amato lobte heute die "Operation Pluto" der Antimafia-Sondereinheit und erklärte: "Der Staat ist präsent und die Gesellschaft ist es auch. Die Clans können sich keinen Illusionen mehr hingeben: Wir werden jeden einzelnen fassen."

Der große Fang gelang den Ermittlern aufgrund der Aussagen des eingeknickten Mafioso Umberto Di Fazio. Er war einer der Vertrauensmänner von Nitto Santapaola und arbeitet seit seiner Festnahme 2005 mit der Justiz zusammen. Nach den Ermittlungen bestehen enge Verbindungen der Mafia in Katanien zu der Ndrangheta in Kalabrien und zur Cosa Nostra in Palermo. Die Polizei klärte in diesem Zusammenhang 42 Raubüberfälle auf, die Clan-Mitglieder auch außerhalb Siziliens begangen hatten. Die Fahnder bestätigten außerdem, dass Cosa Nostra bei großen öffentlichen Projekten ihre Finger im Spiel habe.

Ein beschlagnahmtes Kassenbuch gewährte den Ermittlern neue Einblicke. Die registrierten Schutzgelder gehen demnach auf das Konto der Clans aus den Bezirken Lineri und San Giorgio, die als besonders brutal bekannt sind. Laut Ermittlern sind es die aufsteigenden Clans des wegen Mordes einsitzenden Bosses Pietro Crisafulli. Die Ermittlungen bestätigen laut Zeitungsberichten einen Bruch innerhalb der Mafia von Katanien, der bereits das Leben von Angelo Santapaola gefordert hatte. Der Vetter von Nitto Santapaola war erst im September ermordet worden.

Von Luisa Brandl
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
schlotti (05.12.2007, 00:31 Uhr)
Dumm gelaufen...
Die inhaftierten Jungs haben einen gravierenden Fehler gemacht! Sie hätten sich vorher wählen lassen müssen.
MfG,
Schlotti
StefanAugsburg (04.12.2007, 18:08 Uhr)
Gesockse ....
Gesockse widerliches und Anhänger eines verquerten Ehrencodexes, der zwar die eigene "Familie" hochhält, aber nicht davor zurückschreckt, andere Menschen bestialisch umbringen zu lassen - für Drogen, Prostitution, Glückspiel, Korruption und was weiss ich alles - nur ehrenwerte Geschäfte wie man sieht ....
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