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13. Mai 2008, 21:51 Uhr

"Jede Sekunde ist kostbar"

Nach dem verheerenden Erdbeben in China ist die Zahl der Toten bis zum späten Dienstagabend (Ortszeit) auf mehr als 12 000 gestiegen. Das Land rechnet mit weiter steigenden Opferzahlen. Tausende Menschen sind noch unter den Trümmern verschüttet und zehntausende obdachlos. Jetzt steigt die Angst vor Nachbeben.

Bergungsmannschaften kämpfen gegen die Zeit und suchen nach Verschütteten, wie hier in Beichuan© Li Gang, Xinhua/AP

Die Bergungsmannschaften kämpfen gegen die Zeit. "Jede Sekunde ist kostbar", mahnte Regierungschef Wen Jiabao. Angesichts der vielen Opfer sollen nun der olympische Fackellauf geändert werden, das Ausmaß der Feiern am Wegesrand und der Aufwand an den Stationen des Laufes künftig bescheidener ausfallen, kündigte ein Sprecher des Organisationskomitees in Peking an. An jeder Station sollen Schweigeminuten zum Gedenken an die Opfer eingelegt und unterwegs Spenden gesammelt werden. Die Spiele seien nicht gefährdet, versicherte der Sprecher des olympischen Nachrichtenzentrums, Wu Kun.

Das Erdbeben vom Montag ist mit einer Stärke von 7,8 das folgenschwerste seit 32 Jahren. 1976 waren bei einem Beben in der nordostchinesischen Stadt Tangshan unweit von Peking 242 000 Menschen ums Leben gekommen. Zehntausende Menschen brauchen nun ärztliche Hilfe. Die Unterstützung für die Opfer ist angelaufen.

China hieß im Gegensatz zu dem von einem schweren Zyklon heimgesuchten südostasiatischen Nachbarn Birma internationale Unterstützung ausdrücklich willkommen. Ärzteteams und Helfer wurden nach Sichuan entsandt. Die Fluggesellschaft China Eastern Airlines schickte vier Maschinen mit Hilfsgütern und hunderte Mitglieder der Rettungsmannschaften aus anderen Städten in die Provinzhauptstadt Chengdu, deren Flughafen für normale Flüge gesperrt wurde.

Die Armee setzte mehrere zehntausend Soldaten ins Unglücksgebiet in Marsch. Die Regierung in Peking stellte 360 Millionen Yuan (etwa 33,5 Millionen Euro) zur Verfügung und schickte 60.000 Zelte. Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua hat US- Finanzminister Henry Paulson finanzielle Unterstützung seines Landes zugesichert. Auch Deutschland und die Europäische Union boten Hilfe an. Russland schickt ein Spezialflugzeug mit Feldlazarett. Das Gesundheitsministerium in Peking rief zu Blutspenden auf. Das Ministerium schickte Reserven aus anderen Provinzen nach Sichuan.

Während des Bebens hielten sich auch deutsche Urlauber in Sichuan auf. Verletzte unter ihnen gab es nicht, berichteten drei deutsche Anbieter von China-Reisen. Auch das deutsche Generalkonsulat in der Provinzhauptstadt Chengdu hat keine Informationen, dass Deutsche unter den Opfern sein sollen. Doch galt eine 15-köpfige britische Reisegruppe in der Nähe des Pandareservats Woolong als vermisst. Mehr als 2000 Touristen steckten in der Präfektur Aba fest. Wie viele Ausländer insgesamt betroffen waren, ist unklar.

Am Dienstag waren die Straßen in Wenchuan, wo das Epizentrum lag, immer noch durch Erdrutsche und Felsbrocken versperrt. Es gab keinen Kontakt zu rund 60.000 Einwohnern in mehreren Orten. "Ich bin sehr besorgt", sagte der Vizegeneralsekretär der Regierung von Aba, He Biao, zur Lage in dem 105 000 Einwohner zählenden Kreis Wenchuan. Schwer betroffen war der Ort Mianzhu, wo 4800 Menschen verschüttet waren. 2000 Tote waren dort bestätigt. Wie dramatisch die Lage ist, schilderte ein Beamter des Gesundheitsamtes: "Bettlaken und Vorhänge sind zerrissen worden, um als Verbandmaterial benutzt zu werden."

Der Vizeparteichef von Mianzhu, Zheng Zemin, sagte laut Xinhua: "Wir leiden unter einem ernsthaften Mangel an Trinkwasser und Nahrung. Die Wasserversorgung der Stadt ist fast ganz unterbrochen." Mehr als 10.000 Obdachlose hätten die Nacht im Freien verbracht. "Die Krankenhäuser sind voll, und Zelte werden benötigt, um die Verletzten zu versorgen", sagte der Parteichef. Im Erdbebengebiet stürzten mehrere Schulen ein und begruben Hunderte von Schülern.

Das Erdbeben war bis in die Hauptstadt Peking deutlich zu spüren, Nach Angaben der Organisatoren hat es keine direkten Auswirkungen auf die Olympischen Spiele. Die Wettkampfstätten hätten "den Test bestanden", die olympischen Stätten könnten sogar Beben bis zur Stärke 8 aushalten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will eine Million Dollar (rund 650.000 Euro) für die Opfer spenden.

China und seine Nachbarstaaten durchleben nach Expertenangaben in diesem Jahr eine aktive seismologische Zeit. "Im Moment gibt es einen Trend hin zu Erdbeben in China und seinen benachbarten Ländern." Deutsche Experten rechneten damit, dass schwere Nachbeben noch über Monate hinweg möglich sind.

DPA/AP

 
 
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