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5. März 2009, 08:28 Uhr

Retter arbeiten sich zügig durch Trümmer

Bergungsarbeiten unter Lebensgefahr: Rund 150 Helfern ist es in der Nacht gelungen, die Überreste eines Nachbarhauses des eingestürzten Kölner Stadtarchivs wegzuräumen. Die Suche nach den zwei Vermissten kann wohl noch am Abend beginnen - ihre Überlebenschancen sind allerdings äußerst gering.

Köln, Stadtarchiv, Einsturz, Trümmer, Südstadt

Gefährliche Bergungsarbeiten: Ein Feuerwehrmann klettert auf den Trümmern des Historischen Stadtarchives in Köln© Henning Kaiser/DDP

Schneller als gedacht gehen die Aufräumarbeiten an der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs voran. In der Nacht zum Donnerstag gelang es den rund 150 Helfern, die Überreste eines Nachbarhauses abzubrechen. Damit ist der Zugang zum Schuttberg frei, der sich in dem Erdkrater aufgetürmt hat. "Wir können dort wahrscheinlich heute Abend mit der Suche nach den beiden Vermissten beginnen, viel eher als ursprünglich gedacht", sagte eine Sprecherin der Stadt Köln am Donnerstagmorgen.

Die Chancen, die zwei vermissten Männer noch zu retten, hingen von mehreren Faktoren ab, betonte die Sprecherin: "Wir arbeiten unter Hochdruck." Ein Feuerwehrsprecher hatte am Mittwoch die Überlebenschancen der beiden Männer, die im Dachgeschoss eines Nachbarhauses gewohnt hatten und womöglich unter den Trümmern begraben sind, als nahe Null beschrieben.

Einsatzleiter Frank Stobbe hatte in der Nacht noch gesagt, dass die Suche nach den Vermissten vermutlich noch 24 Stunden dauern werde. "Wir arbeiten hier immer noch unter Lebensgefahr." Die Sicherung der eigenen Kräfte habe Priorität.

Das Archivgebäude war am Dienstag nach vorn gekippt und in dem 28 Meter tiefen Schacht einer U-Bahn-Baustelle versunken. Ein Zusammenhang des Unglücks mit der Baustelle gilt als wahrscheinlich. Bis zum Mittwochabend waren nach Angaben der Feuerwehr rund 1300 Kubikmeter Beton in die Grube gepumpt worden, um die Unglücksstelle zu stabilisieren; weitere 400 Kubikmeter kamen in der Nacht hinzu. Die Reste der angrenzenden Häuser seien sehr viel fragiler als zunächst angenommen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Das hätten Messungen mit Spezialgeräten am Mittwoch ergeben.

Rüttgers macht sich Bild vor Ort

Die Feuerwehr hatte den Anwohnern am Mittwochabend erlaubt, einzelne Gebäude im Umfeld der Einsturzstelle wieder zu betreten. Für ein benachbartes Altenheim sowie für einige Wohngebäude am Georgsplatz bestehe keine Gefahr mehr, hieß es. Am Abend und in der Nacht hatten Helfer außerdem den Trümmerberg im südlichen Teil des Unglücksortes mit Planen provisorisch abgedeckt. So soll das wertvolle Archivmaterial unter dem Schutt vor dem Eindringen von Wasser geschützt werden. Für die kommenden Tage sind erhebliche Regenfälle angekündigt worden.

Feuerwehrdirektor Stefan Neuhoff hatte am Mittwoch gesagt, in dem Bauschacht sei aus unbekannten Gründen eine Öffnung entstanden, in die große Mengen Erde nachgerutscht seien. Dadurch sei dem Historischen Archiv praktisch der Boden entzogen worden, so dass es umkippte und zwei angrenzende Häuser mit sich riss. In der Baugrube entsteht eine Weichenanlage, an der die U-Bahnen von der einen in die andere Röhre wechseln können. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) kündigte eine Überprüfung des U-Bahn-Baus an und will sich dazu mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) am Unglücksort beraten.

joe/DPA
 
 
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