. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. Februar 2010, 12:43 Uhr

Ein runder Tisch? Nein danke!

Sind Einrichtungen der katholischen Kirche besonders anfällig für Kindesmissbrauch? Welche Rolle spielt der Zölibat? Selbstkritik ist nötig. Dennoch hat Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, die Idee abgelehnt, einen runden Tisch zu organisieren - die stammte auch von seiner neuen Gegenspielerin.

Missbrauch, Katholische Kirche, Kindesmissbrauch, Zollitsch, Runden Tisch, Aufklärung, Leutheusser-Schnarrenberger, Canisius Colleg,

Im Streit mit der Ministerin: Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz© DPA/Rolf Haid

Die Auseinandersetzun zwischen Robert Zollitsch und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) geht in eine neue Runde. Die katholische Kirche lehnt einen von Leutheusser-Schnarrenberger vorgeschlagenen runden Tisch zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in Kircheneinrichtungen ab. "Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche", sagte der Zollischt, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der "Welt am Sonntag". Missbrauch habe weder etwas mit dem Zölibat zu tun noch mit Homosexualität oder mit der katholischen Sexuallehre. "Daher brauchen wir auch keinen runden Tisch speziell für die katholische Kirche", sagte der Erzbischof von Freiburg.

Die Ministerin hatte ein gemeinsames Forum aus Opfer-, Staats- und Kirchenvertretern unter anderem angeregt, um der Kirche Gelegenheit zu bieten, mit den Opfern über freiwillige Entschädigungen zu reden. Zollitsch sagte, sollte die Ministerin einen runden Tisch für alle gesellschaftlichen Gruppen einrichten, sei die katholische Kirche "natürlich dabei". Sexueller Missbrauch sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. Bereits in der vergangenen Woche waren die Ministerin und der Bischof aneinandergeraten, weil Leutheusser-Schnarrenberger der katholischen Kirche vorgeworfen hatten, bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen nicht ausreichend mit der Justiz zusammenzuarbeiten. Zollitsch hatte deshalb ultimativ eine Entschuldigung gefordert.

"Verkrampfte Einstellung zur Sexualität"

Am Samstag waren weitere Missbrauchsfälle aus der Vergangenheit ans Licht gekommen. Etwa 150 Opfer aus ganz Deutschland hätten sich bislang gemeldet, sagte die Berliner Anwältin Ursula Raue der "Berliner Morgenpost". Sie ist die Beauftragte des Jesuitenordens zur Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs durch Patres. Jeden Tag berichteten ihr weitere Männer und Frauen von Übergriffen an katholischen Einrichtungen in den 1950er- bis 1980er Jahren, sagte Raue. Erste Missbrauchsfälle waren am Berliner Canisius-Kolleg Ende Januar öffentlich geworden. Auch Raue hält die Entscheidung der Bischofskonferenz, den Trierer Bischof Stephan Ackermann mit der Aufklärung zu beauftragen, für unzureichend. Sie forderte dafür externe Mitarbeiter. "Sie dürfen nicht Teil der Organisation und Hierarchie sein", sagte Raue der "Morgenpost".

Einer Umfrage zufolge überwiegen in der Bevölkerung die Zweifel, dass die Kirche bei der Aufklärung der zahlreichen Missbrauchsfälle konstruktiv mit dem Staat zusammenarbeitet. Eine Erhebung des Forschungsinstituts Quest für die "Frankfurter Rundschau" ergab, dass nur ein Fünftel der Befragten davon ausgeht, mehr als zwei Drittel aber nicht. Fast drei Viertel meinen, das der Zölibat in Zusammenhang mit Missbrauch steht.

Der Tübinger Theologe Hans Küng schrieb in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" vom Samstag, der Zölibat sei nicht alleine Schuld an den Missbrauchsfällen. "Aber er ist der strukturell wichtigste Ausdruck einer verkrampften Einstellung der katholischen Kirchenleitung zu Sexualität." Zollitsch sagte, nach Angaben von Fachleuten sei die Gefahr, dass katholische Priester Kinder missbrauchten 36-mal geringer als bei anderen Berufsgruppen. Die meisten Vorfälle geschähen im Familienumfeld.

dpa/fgüs
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
pat26 (28.02.2010, 15:47 Uhr)
überflüssig
die Kirche ist die überflüssigste Institution der heutigen Zeit? Für was brauchen wir diese? Glauben kann man auch ohne..die Kirche disqualifiziert sich durch solche Aktionen doch selbst. Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand hört auf die verlogenen Worte von solch "Geistlichen".
laketahoe (28.02.2010, 15:25 Uhr)
Scheinheilige Leutheuser-Schnarrenberger
Wenn wirklich etwas Wirksames im Interesse aller Opfer getan werden soll, dann wäre es an Leutheuser-Schnarrenberger, zusammen mit der Regierung - und dann sicher auch mit den Stimmen der Opposition - den Wegfall der Verjährungsfrist zu beschließen. Alles andere ist Populismus, Eigen-PR und Getöse ohne Sinn und Wirkung in der ernsten Sache.

Und was nun die Katholiken anbelangt: Der Zölibat ist gewiß nicht zeitgemäß, menschengemäß war er sicher nie. Aber er ist sicher nicht der Grund für die sexuellen Übergriffe auf Kinder in schulischer Obhut der Kirche. Katholische Geistliche sollten sexuell enthaltsam leben - schon richtig. Aber das hat sie noch nie dran gehindert, mit Männern und Frauen Sex zu haben....und leider auch nicht daran, sich an Kindern zu vergreifen. Aber das Problem des sexuellen Mißbrauchs an Kindern ist keines, das sich durch den Wegfall des Zölibats in Luft auflösen würde. Die Verantwortung dafür und für eine lebenslange Strafverfolgung liegt bei der gesamten Gesellschaft, beim Gesetzgeber und den Justizorganen.
OneSizeFitsAll (28.02.2010, 15:16 Uhr)
"Aal Männer, aalglatt"
Bei soviel vorgetragener Sturheit und Arroganz kann einem schon das Kotzen kommen. Missbrauch gibt es in allen Teilen der Gesellschaft. Das er aber überproportional durch katholische Geistliche in entsprechenden Einrichtungen verübt wird, wird schlichtweg ignoriert und geleugnet. Die Einrichtung eines Beauftragten zur Untersuchung ist eine Farce. Genau so gut könnte man einen Zuhälter zur Beschränkung von Bordellbesuchen einstellen.
@katz Danke für den Hinweis bzgl. der Gehälter für Bischöfe. Es ist mehr und mehr unerträglich, dass sich die Talarträger nach wie vor in einem eigenen Rechtraum wähnen. Auch in der BRD ist die Trennung von Kirche und Staat immer noch nicht komplett vollzogen. Anders kann ich mir den laxen Umgang mit diesen Vorgängen nicht erklären. Jeder Schwarzfahrer wird konsequenter verfolgt, als diese notgeilen Kinderschänder im schwarzen Talar. Möge sie der Blitz beim Stuhlgang treffen.
jtk59 (28.02.2010, 14:50 Uhr)
Sicher, Herr Zollitsch!
Und die Erde ist eine Scheibe!!!!!!!!!!!!!
Salzsteuer (28.02.2010, 14:35 Uhr)
So bellen...
getroffene Hunde.
Katz (28.02.2010, 14:10 Uhr)
Entschädigungen?
Wer bezahlt denn diese letztendlich? Doch die Kirchensteuerzahler.
Geld, das ursprünglich mal, doch für andere Dinge eingeplant gewesen ist.
Abgesehen mal davon, dass der eh schon dick und fett angefressene Klerus, das Geld der Kirchensteuerzahler, in erster Linie für den eigenen Machterhalt vorgesehen hat, ein wenig davon zwar auch, um sein scheinheiliges Mäntelchen, wahren zu können und von seinem Reichtum ein wenig "für die Armen der 3. Welt", abgezwackt hat.
Aber aus Kirchensteuern, auch noch Geld für diese Perversionen, die bisher von der Obrigkeit immer wieder neu gedeckt wurden, zu bezahlen?
Da müsste man sich mal neue Gedanken machen. So, zB., dass zB. mal Gehälter kirchlicher Obrigkeit(en), die gemessen an Hartz IV, wohl ziemlich happig ausfallen, angeknapst werden.
An dieser Stelle, möchte ich nochmal auf den Umstand aufmerksam machen, dass die Gehälter von Bischoff aufwärts, noch nichtmal von der Kirche bezahlt werden, sondern vom Staat, was ich persönlich, als eine Ungeheuerlichkeit empfinde. Das muss mal endlich an die große Glocke gehängt werden, denn es wird auch immer so schön unter den Teppich gekehrt.

Wer mir trotzdem sehr imponiert hat, war das Vorgehen der Frau Bischöfin Käßmann. Diese kleine "große" Frau, wie sie ihre Konsequenzen aus ihrem Versagen gezogen hat.
Hut ab.

Ich selbst bin ja noch Katholik, der aber für sich das Recht rausnimmt, zu fordern, dass diesem verlogenen katholischen Klerus, endlich mal die Hammelbeine langgezogen werden.
Luzi2008 (28.02.2010, 13:57 Uhr)
Kirche und Staat noch Zeitgemäß?
Recht muß Recht bleiben und in der Bibel steht was Jesus gesagt hat:" Gebt dem Kaiser was des Kaiser's ist!" Wir haben keine Staatskirche und es wird an der Zeit, dass eine strikte trennung von Staat und Kirche vollzogen wird und die Konkordatsverträge endlich gekündigt werden. Jeder kleine Straft-oder Übeltäter muss sich vor Gericht verantworten. Nur der Klerus nicht, oder?
otheropinion (28.02.2010, 13:55 Uhr)
Geistliche Statistik
hat denn auch mehr mit Glauben, als mit echter Statistik zu tun: Hier hat Zollitsch einfach selbst ein paar kircheninterne Missbrauchsfälle mit der Gesamtstatistik verrechnet. Dabei müsste man wohl auch die Zeit verrechnen, die ein kirchlicher Angestellter tatsächlich ungestört Kontakt zu Kindern hatte, etc.. Wer früher in einem christlichen Heim lebte, hatte tatsächlich ein wesentlich höheres Risiko missbraucht zu werden, als jemand, der in einer Familie aufwuchs.
MEHR ZUM ARTIKEL
Kampf gegen den Missbrauch Das Recht gilt auch für die Kirche

Die Katholische Kirche reagiert gereizt auf Forderungen der Politik nach mehr Aufkärungsarbeit bei sexuellem Missbrauch. Das ist nicht hinnehmbar: Über die Gesetze darf sich auch die Kirche nicht hinwegsetzen. mehr...

Missbrauch in katholischer Kirche FDP will Verjährungsfristen bei sexuellen Übergriffen verlängern

Vor dem Hintergrund der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche will die FDP-Bundestagsfraktion die Rechte von Opfern sexueller Übergriffe deutlich stärken. mehr...

Kindesmissbrauch in der Kirche "Der Papst wollte mir Schuldgefühle einreden"

Norbert Denef wurde als Kind jahrelang von einem Pfarrer missbraucht. Im stern.de-Interview erzählt er, wie die Kirche versuchte, ihn zum Schweigen zu bringen. mehr...

Sexuelle Übergriffe von Geistlichen Die Chronologie des Missbrauchs

Nicht erst seit dem Skandal am Berliner Canisius-Kolleg ist Kindesmissbrauch ein Problem in Deutschlands Kirchen. stern.de hat die schlimmsten Fälle aus den vergangenen zehn Jahren zusammengetragen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe