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Vatikan entlässt angeblich schwulen Priester

Der Vatikan hat ein Mitglied der Kurie von seinem Amt suspendiert, weil sich dieser in einer Fernsehsendung anonym zu seiner Homosexualität bekannt hat. Einem Zeitungsbericht zufolge bestreitet der Geistliche nun, schwul zu sein und bei der Fernsehsendung "mitgemacht zu haben".

Der Vatikan hat einen Kurienprälaten nach einem Outing als Homosexueller in einer italienischen Fernsehsendung entlassen. Das Verhalten des Mannes sei "unvereinbar mit dem Priesterdienst", begründete der Vatikan das Vorgehen. Nach einem Bericht der römischen Tageszeitung "La Repubblica" bestreitet Tommaso Stenico allerdings vehement, "ein schwuler Priester zu sein", und sieht sich in eine Falle gelockt. In einem Dokument zu homosexuellen Priestern hatte der Vatikan schwule Beziehungen 2005 "unmoralisch" genannt.

Im Gespräch mit einem Jungen habe er, im psychologischen Priesterdienst tätig, ein Schwulsein lediglich vorgetäuscht, um die Welt der Homosexualität besser verstehen zu können, sagte Stenico. Dabei sei er versteckt gefilmt worden, als er mit einem Jungen über dessen Probleme und damit auch über Homosexualität geredet habe.

Anonym mit verdunkeltem Gesicht hatte der Prälat in der Sendung "Exit" von La7 eingeräumt, homosexuell zu sein und sich nicht sündig zu fühlen. Im Vatikan wurde er nach italienischen Presseberichten aufgrund der Büroeinrichtung jedoch erkannt und sofort aus seinem Amt entlassen. "Ich habe an keiner Sendung mitgemacht", erklärt dazu der Betroffene. Der Vatikan hat eine Untersuchung des Falles eingeleitet.

"Heuchelei des Vatikans"

Der Grünen-Politiker Volker Beck sprach von einem neuerlichen Beweis "für die Heuchelei des Vatikans in Sachen Sexualität". Für die Verfehlungen heterosexueller Geistlicher habe die katholische Kirche eigene Alimentenkassen. Bei pädophilen Übergriffen durch Priester versuche man sich immer wieder in Vertuschungen und schere sich nicht um die Opfer, hieß es in einer in Berlin verbreiteten Presseerklärung Becks. Gegen homosexuelle Menschen, die niemandem einen Schaden zufügten, werde aber eine Hexenjagd veranstaltet, kritisierte Beck.

DPA/DPA

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