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11. August 2009, 16:03 Uhr

Eltern ließen Dreijährige verhungern

Die Familie stand unter Beobachtung des Jugendamtes. Die Behörde war sich sicher, dass sich die Verhältnisse stabilisiert hatten. Doch nun ist die drei Jahre alte Tochter in einer Nürnberger Klinik gestorben - an Unterernährung.

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Immer wieder stelllt sich beim Tod eines kleinen Kindes dieselbe Frage© Jens Schlüter/DDP

Wieder ist ein kleines Kind trotz Einschaltung des Jugendamts verhungert: Ein dreijähriges Mädchen starb in Mittelfranken an Unter- und Mangelernährung, wie die Polizei am Dienstag berichtete. Gegen die Eltern aus Thalmässing im Landkreis Roth erging Haftbefehl wegen Totschlags durch Unterlassen. Sie hatten am Samstag den Rettungsdienst gerufen. Das Mädchen wurde in eine Nürnberger Klinik eingeliefert. Dort starb es am Montagmorgen.

Der 29-jährige Vater wurde am Montag festgenommen. Die Mutter sei wegen einer Erkrankung operiert worden und liege auf der Intensivstation, sagte ein Polizeisprecher. Die 26-Jährige werde dort von Beamten bewacht. Ihr werde später der Haftbefehl eröffnet. Die Erkrankung der Mutter habe aber nichts mit dem Tod des Mädchens zu tun, erklärte der Sprecher. Die Obduktion hat laut Polizei ergeben, dass das Mädchen an einer Mangel- beziehungsweise Unterernährung gestorben ist. Es hatte keine Anzeichen für Misshandlungen. Der vierjähriger Bruder des verhungerten Mädchens ist laut Polizei derzeit bei den Großeltern. Der Jung ist angeblich völlig gesund.

Familie galt als stabilisiert

Bei der Familie waren über Jahre hinweg Mitarbeiter des Jugendamts tätig. Die Frau hat weitere Kinder aus einer früheren Beziehung, um die sich das Jugendamt gekümmert hatte. Als sie zum Jahreswechsel 2004/05 mit ihrem neuen Partner in den Landkreis zog, sei das Amt informiert worden, sagte Jugendamtsleiter Manfred Korth. "Zwei Jahre lang ist zweimal die Woche jemand zu der Familie gegangen", sagte Korth. Mehrere Fachleute seien der Ansicht gewesen, dass es keinerlei Gefahr für das Wohl der Kinder gebe. "Die Familie hatte sich stabilisiert." Daher war die Zahl der Besuche des Jugendamtes reduziert worden.

"Der letzte Kontakt war im November 2008." Seither habe man keinerlei Hinweise auf Probleme bekommen. "Sonst wären wir sofort dagewesen", beteuerte Korth. Auch am vierjährigen Bruder des Mädchens, der bereits im Kindergarten war, habe man keine Anzeichen für Probleme bemerkt, sagte der Jugendamtsleiter. Dass die Dreijährige nun verhungerte, kann sich Korth nur damit erklären, dass es im vergangenen halben Jahr eine massive Veränderung in der Familie gegeben haben müsse. Ob sie mit der Erkrankung der Mutter zusammenhing, konnte er nicht sagen.

AP/DPA
 
 
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