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27. Dezember 2007, 17:15 Uhr

12.000 Verdächtige sind erst der Anfang

Deutschlands bisher umfangreichste Fahndung bezüglich Kinderpornografie im Internet umfasst allein im Bundesgebiet 12.000 Verdächtige. Weil es sich um ein globales Phänomen handele, sei im Lauf der Ermittlungen mit noch sehr viel mehr Verdächtigen zu rechnen, erwarten Experten.

Kinderpornografie ist ein globales Problem© Peter Förster/DPA

Bei den Ermittlungen gegen Besitzer und Händler von Kinderpornografie stehen die Behörden nach Darstellung der Internetwirtschaft erst vor "der Spitze eines Eisbergs". Bei bundesweit 12.000 Verdächtigen könne man von einem international weit größeren Ausmaß ausgehen, sagte ein Sprecher des Verbands der deutschen Internetwirtschaft (Eco) der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Bereits beim letzten großen Schlag gegen Kinderpornografie im Netz seien 2002 weltweit rund 26.400 Verdächtige ermittelt worden, sagte Sven Karge, Leiter für den Bereich Illegale Inhalte bei Eco.

In den Ländern sind bisher mindestens 9000 Verdachtsfälle bestätigt worden. In Hessen werde in mehr als 1000 Fällen ermittelt, in Nordrhein-Westfalen in rund 3000, in Rheinland-Pfalz in 700 sowie in 300 Fällen in Thüringen, gaben die Sprecher der jeweiligen Ermittlungsbehördean. Nähere Angaben wollten sie mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Nach Informationen der federführenden Staatsanwaltschaft Berlin soll die Polizeiaktion "Himmel" insgesamt rund 12.000 Verdächtige in der ganzen Bundesrepublik ergeben haben.

Baden-Württemberg hatte zuvor mitgeteilt, es gebe 1700 Verdachtsfälle, aus Bayern wurden 2000 Fälle gemeldet, sowie 300 Verdächtige aus Sachsen-Anhalt. Aus den übrigen Bundesländern gab es bislang keine detaillierten Angaben.

Der Provider sitzt in Berlin

Die Polizei ermittelt gegen Hersteller, Anbieter und Nutzer kinderpornografischer Filme und Bilder. Federführend ist die Staatsanwaltschaft Berlin. Dort sitzt der Internet-Provider, der auf seinen Servern einen ungewöhnlich intensiven Datenverkehr registriert hatte. Die Firma soll die Daten analysiert und dabei festgestellt haben, dass von dort aus kinderpornografische Dateien heruntergeladen wurden.

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft betonte, Internetdienstleister würden den Datenfluss nur auf konkrete Hinweise überprüfen und dann die Behörden einschalten. Für regelmäßige Kontrollen gebe es keine rechtliche Verpflichtung. Angesichts der Datenflut sei eine ständige Überwachung des Informationsverkehrs praktisch unmöglich, erklärte Karge.

Höhere Strafen gefordert

Der Verein "Deutsche Kinderhilfe direkt" forderte unterdessen eine Anhebung der Höchststrafe für die Nutzung von Kinderpornografie auf fünf Jahre. Die derzeitige Spruchpraxis der Gerichte sei sehr milde, kritisierte der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Georg Ehrmann. Während das illegale Herunterladen kommerzieller Filme mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werde, liege die Höchststrafe für das Herunterladen kinderpornografischer Bilder bei zwei Jahren. "Die Justiz behandelt das mehr oder weniger als Kavaliersdelikt", sagte Ehrmann.

Pfeiffer lobt Ermittler

Der Kriminologe Christian Pfeiffer bescheinigte den Behörden, dass sie im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt haben. "Die Ermittler sind mittlerweile technisch in der Lage, das Dunkelfeld aufzudecken", sagte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) der DPA. Die Internet-Spezialisten der Landeskriminalämter seien inzwischen so gut wie Computer-Hacker und könnten mit ihrem Wissen Käufer von Kinderpornografie überführen. Die sogenannten Cyber-Cops in Bayern seien Vorreiter. Bei ihren Streifzügen durchs Internet können die Beamten allerdings nur stichprobenartig vorgehen.

DPA
 
 
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