Die Bundesregierung hat beschlossen, den Zugang zu Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten zu blockieren. Zahlreiche Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit des Vorhabens. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem heiß diskutierten Thema. Von Dominik Lechler und Björn Erichsen

Beim Betreten von Seiten mit kinderpornografischen Inhalten sollen bald nur noch deutliche Stop-Symbole auftauchen© Colourbox
Die Bundesregierung hat dem Geschäft mit Kinderpornografie im Internet dem Kampf angesagt. Erreicht werden soll dies durch Zugangs-Blockaden. Das Kabinett beschloss dazu am Mittwoch in Berlin die Eckpunkte eines Gesetzesentwurfs. Geplant ist, das Telemediengesetz so zu ändern, dass die auf ausländischen Servern liegenden Kinderporno-Seiten nur noch schwer zugänglich sind. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat noch am selben Tag einen Entwurf vorgelegt. Er rechnet damit, dass das Gesetz noch vor der Bundestagswahl verabschiedet werden kann.
Das Problem ist in der Tat ebenso riesig wie abscheulich: Der kommerzielle Massenmarkt mit der sexuellen Misshandlung von Kindern verzeichnet in Deutschland jeden Monat Millionen-Umsätze. Laut Kriminalstatistik stieg im Jahr 2007 die Zahl des im Internet verbreiteten kinderpornografischen Materials im Vergleich zum Vorjahr um das Doppelte. "Wir sprechen von 300.000 bis 400.000 Klicks am Tag auf solchen Seiten", sagte Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU). 80 Prozent der Opfer sind jünger als 10 Jahre, 33 Prozent unter 3 und 10 Prozent gar unter 2 Jahre alt. Die Ministerin sagte, nur versierte Internet-Nutzer mit krimineller Energie könnten die Sperre künftig knacken.
Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit derartiger Filter. "Die Umgehung der geplanten Sperren ist trivial und auch für technisch nicht allzu begabte Interessenten durchführbar", sagt ein Sprecher des Chaos Computer Clubs zu stern.de. "Ebenso werden die Anbieter problemlos Möglichkeiten finden, um gesperrte Adressen schnell und automatisch auf andere Adressen umzuziehen."
Die Computer-Experten sehen aber noch andere Probleme. Sie befürchten, dass die Internet-Sperre bald auch auf andere Bereiche ausgedehnt wird. "Diese Infrastruktur zum Ausblenden unerwünschter Inhalte im Internet wird ohne Zweifel auch bald für andere Zwecke benutzt werden, etwa um die Interessen der Musikindustrie durchzusetzen", warnt ein Sprecher des Chaos Computer Clubs. Die Thematik ist also empfindlich und provoziert hitzige Diskussionen. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Eckpunkte-Papier von Familieministerin von der Leyen: Wie genau funktionieren die Internet-Filter und wer wird in Deutschland dafür verantwortlich sein? Was für Probleme verursachte das Verfahren bisher in anderen Ländern? Und droht uns vielleicht eine staatliche Medienzensur?