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7. August 2009, 16:15 Uhr

"Bei Kindern und Müttern sehr beliebt"

Sie mochten ihn in Mayen. Vor allem seine Jugendarbeit im Sportverein machte ihn sehr beliebt. Doch jetzt hat sich herausgestellt, dass er "so einer" ist. Einer, der kleine Jungen missbraucht und sich damit auch noch im Internet brüstet. Unfassbar für die Menschen im sonst so beschaulichen Eifelstädtchen bei Koblenz.

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Er lebte sehr zurückgezogen: Blick auf die Terrasse des Hauses, in dem der Kinderschänder seine Taten verübte© Thomas Frey/DPA

Das Leben in Mayen ist beschaulich. Normalerweise. Doch nun stehen die Einwohner der Kleinstadt in der Eifel unter Schock: Der Kinderschänder, der Jungen im Alter zwischen fünf und sieben Jahren brutal missbraucht und sich dabei gefilmt hat, lebte mitten unter ihnen. "Ich kann es nicht glauben. Es ist grausam", sagt die Kellnerin Ute Müller. Sie arbeitet in einem Bistro in der Innenstadt. Wenn sie sich vorstelle, dass "so jemand" aus der 20.000-Einwohner-Stadt stamme, bekomme sie "richtig Gänsehaut". Der Inhaber des Tabakladens meint: "Es ist traurig, dass Mayen mit dieser Sache jetzt in aller Munde ist."

Wie vor den Kopf gestoßen sind vor allem Menschen, die den 37-jährigen Mayener, gegen den inzwischen Haftbefehl erlassen worden ist, persönlich kannten. So der Vorsitzende des Sportvereins TuS Kaisersesch, Dietmar Larm, bei dem der Festgenommene gut vier Jahre lang Übungsleiter war. Mit leiser, schwerer Stimme sagt er: "Wir haben nichts gemerkt. Er war bei Müttern und Kindern im Verein sehr beliebt."

"Er ist gut angekommen"

Von März 2004 bis September 2008 hatte der Mann, der in seinen perversen Videos "Christoph" oder "Christof" genannt wurde, beim TuS Kaisersesch Mädchen und Jungen zwischen 7 und 14 Jahren im Turnen trainiert. "Er ist gut angekommen", sagt Larm. Als er wegen seiner Arbeit ein paar Mal keinen Unterricht geben konnte, seien "die Mütter sogar Sturm" gelaufen. Nie habe sich jemand beschwert. Und nie sei etwas von körperlichen Übergriffen bekanntgeworden, sagt er.

Der 37-jährige mutmaßliche Kinderschänder, der sich nach massiver öffentlicher Fahndung am Donnerstag im bayerischen Sonthofen stellte, hatte nach Kenntnis von Larm immer wieder unterschiedliche Jobs: Mal war er bei der Stadt Cochem beim kommunalen Vollzugsdienst, mal hat er als Kellner gearbeitet. Als freundlich, pünktlich und nett wird er beschrieben. Beim Sportverein hatte er irgendwann aufgehört, weil er zu viel andere Arbeit hatte, sagt Larm. Der geschiedene Mann wohnte in einer idyllischen Wohngegend in einem unauffälligen Einfamilienhaus mit Gartenlaube. "Er lebte sehr zurückgezogen", sagt ein Nachbar.

Unscheinbarer Typ mit dunkler Seite

Doch der nach außen scheinbar harmlose und umgängliche Mann hatte offenbar eine dunkle Seite. In verschiedenen Zimmern missbrauchte er angeblich die Jungen und stellte die Sex-Videos anschließend ins Internet. Vor allem 2006 sollen die Filme gedreht worden sein, die nun die Öffentlichkeit verstören. Die Opfer müssten also inzwischen acht bis zehn Jahren alt sein. Sportvereinsvorsitzender Larm befürchtet, dass auch Jungen aus seinem Verein den unvermeidlichen Befragungen ausgesetzt sein werden.

2006 hatte es nach Angaben der Trierer Staatsanwaltschaft bereits ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen den 37-Jährigen gegeben. Da die Geschädigten aber keine Angaben machen wollten, sei es nicht zur Anklage gekommen, hieß es.

Ob in Thailand oder Mayen ...

Im Mayener Rathaus hält man sich bedeckt. "Wir sind selber überrascht", sagte eine Mitarbeiterin des Hauses. Äußern wolle man sich noch nicht zu der Sache, schließlich sei es ja noch ein schwebendes Verfahren. Nüchtern dagegen reagiert die Mayener Polizei auf die Nachricht. "Für mich ist das nichts Schockierendes", sagt ein Sprecher. "Ob die heute in Thailand oder hier sitzen macht keinen Unterschied."

Norbert Steffens, Laden-Inhaber in Mayen, sieht das ganz anders. Er findet einen weiteren Aspekt der Verbrechen besonders furchtbar. "Das Schlimmste ist, dass der Täter nach ein paar Jahren wieder aus dem Gefängnis kommt." Die Kinder aber werden wohl ein Leben lang leiden.

Birgit Reichert/DPA

Mayen/Eifel bei Koblenz
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