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1. Oktober 2007, 12:18 Uhr

Klerus widerspricht Justiz

Schlimm genug: In der Oberpfalz hat ein wegen Kindesmissbrauch vorbestrafter Pfarrer erneut Ministranten missbraucht. Nur: Wer ist dafür verantwortlich? Hat das Bistum Regensburg fahrlässig gehandelt? Darüber streitet der Klerus jetzt mit der Justiz.

Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Mueller bei einer Stellungnahme zu den Missbrauchsvorwürfen© Max Collin Heydenreich/AP

Das Bistum Regensburg hat neue Vorwürfe gegen die katholische Kirche aufgrund der Beschäftigung eines wegen Kindesmissbrauchs vorbestraften Pfarrers zurückgewiesen. Nach Medienberichten hatte die Richterin, die den Geistlichen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hatte, bereits 2004 vor einem Einsatz des Priesters in der Jugendarbeit gewarnt. Diese Aussage sei durch die Akten der Diözese nicht gedeckt, sagte Bistumssprecher Jakob Schötz. Nach Aussage des Bistums habe die Richterin vielmehr keine Bedenken gegen einen Einsatz in der Seelsorge gehabt.

Der 39 Jahre alte ehemalige Pfarrer von Riekofen ist vor mehr als einem Monat verhaftet worden, weil er sich an einem Ministranten erneut vergangen haben soll. Der Mann hatte sich bereits als Kaplan in Viechtach (Landkreis Regen) an zwei Brüdern vergriffen, dafür war er im Jahr 2000 verurteilt worden.

Bistum streitet prekäres Telefongespräch ab

Die Justizpressestelle des Oberlandesgerichtes Nürnberg (OLG) bestätigte, dass die Viechtacher Richterin nach Ablauf der dreijährigen Bewährungszeit in einem Telefonat mit einem Bistumsmitarbeiter erklärt habe, dass eine Gemeindearbeit des Priesters unter Aufsicht möglich sei. Der Mann dürfe aber keinesfalls wieder mit Jugendlichen arbeiten, zitierte OLG-Sprecher Andreas Quentin die Aussage der Amtsrichterin.

Das Bistum widersprach dieser Aussage. In dem Telefonat mit dem Bistumsjustitiar sei weder von einer Aufsicht noch von einer Einschränkung bei der Jugendbetreuung die Rede gewesen. Dies gehe aus einer Aktennotiz des Justitiars hervor. "Wir gehen davon aus, dass diese beiden Punkte in dem Gespräch nicht gefallen sind", meinte Bistumssprecher Schötz. Solch gravierende Aspekte des Telefonats hätte der Jurist sonst in der Telefonnotiz vermerkt.

Das Bistum Regensburg steht wegen des Missbrauchsskandals seit Wochen in der Kritik, weil vorbestrafte Priester nach einer Leitlinie der Deutschen Bischofskonferenz nicht wieder dort eingesetzt werden sollen, wo sie Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat mehrfach erklärt, dass die Bistumsleitung keinen Fehler gemacht habe. Eine Entschuldigung dafür, dass der pädophile Priester ohne Wissen der Gläubigen in Riekofen eingesetzt wurde, lehnt Müller ab.

Therapie habe pädophilien Pfarrer angeblich geheilt

Das Bistum verweist auf ein Gutachten des Therapeuten, wonach der Pfarrer geheilt gewesen sei. Nach Ansicht von Missbrauchsexperten ist Pädophilie aber gar nicht heilbar. OLG-Sprecher Andreas Quentin betonte, dass es sich bei dem Gutachten nicht um ein Gerichtsgutachten gehandelt habe. Laut Quentin hatte der Pfarrer die Bewährungsauflagen, eine Therapie zu machen und nicht wieder in der Jugendarbeit tätig zu werden. Nachdem diese Auflagen erfüllt worden seien, habe es ab 2003 keine weiteren offiziellen Beschränkungen für den Mann gegeben.

Der Pfarrgemeinderat von Riekofen hatte erklärt, dass der Priester aber bereits 2001 wieder mit der Ministrantenarbeit begonnen habe. Demnach hätte der Mann möglicherweise gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. Der Justizsprecher gab dazu allerdings keine Erklärung ab. Laut Quentin ist bislang auch noch nicht absehbar, wie lange die Ermittlungen gegen den Pfarrer noch dauern werden.

DPA
 
 
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