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13. März 2008, 11:46 Uhr

Pfarrer missbrauchte Ministranten

Ein katholischer Priester hat gestanden, sich 22 Mal an einem Ministranten vergangen zu haben. Der 40-jährige Geistliche steht wegen schweren Kindesmissbrauchs in Regensburg vor Gericht. Besonders bitter: Er ist einschlägig vorbestraft.

Nach dem Missbrauchsfall: Die katholische Kirche Riekofen will keine Öffentlichkeit© Oliver Lang/DDP

Im Missbrauchsprozess gegen den ehemaligen Pfarrer von Riekofen hat dieser gestanden, sich 22 Mal an einem Ministranten vergangen zu haben. Er räume die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft voll ein, ließ der 40-Jährige über seinen Anwalt erklären. Mit seinem Geständnis wolle er dem Opfer eine Aussage ersparen. "Ich möchte noch einmal betonen, dass ich mich entschuldigen möchte. Besonders beim Nebenkläger." Das Opfer war beim Prozessauftakt nicht anwesend.

Pfarrer will Schaden wieder gut machen

Der Pfarrer befindet sich in ärztlicher Behandlung und hofft, dass ihm geholfen werden könne, damit so etwas nicht wieder geschieht, ließ der Geistliche über seinen Anwalt erklären. Auch für materielle Schäden wolle er aufkommen: Er habe der Anwältin der Familie bereits 5.000 Euro in bar übergeben und biete weitere 3.000 Euro an. Auch für künftige Kosten wolle er aufkommen. Er habe die Absicht, den Schaden wieder gut zu machen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem einschlägig vorbestraften Geistlichen schweren sexuellen Missbrauch vor. Er soll sich im Laufe von zwei Jahren 22 Mal an dem Ministranten aus seiner Pfarrei vergangen haben, der zu Beginn der Übergriffe elf Jahre alt war. Die Ermittler schlossen jedoch aus, dass der Mann Gewalt anwendete oder in den Jungen eindrang. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Pfarrer erheblich vermindert schuldfähig ist und ohne Therapie eine erhebliche Wiederholungsgefahr besteht. Darum strebt die Anklagebehörde neben einer Strafe auch die Unterbringung in der Psychiatrie an.

Trotz Vorstrafe als Seelsorger tätig

Der Mann war bereits im Juli 2000 vom Amtsgericht Viechtach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Ein Jahr darauf war er jedoch wieder als Seelsorger in Riekofen tätig.

Wegen des erneuten Einsatzes des vorbestraften Pfarrers als Seelsorger war auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller unter Druck geraten, der aber jede Mitverantwortung ablehnte. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten etwa ein Dutzend Personen mit Transparenten gegen den Bischof. Dieser hatte den Pfarrer trotz der Vorstrafe wieder in der Gemeindearbeit eingesetzt. Das Bistum Regensburg hatte damit gegen Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz verstoßen.

AP
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Klaus_Vogt (14.03.2008, 08:36 Uhr)
Papst und Bischöfe müssen namens der katholischen Kirche die Geschändeten um Verzeihung bitten!
In seiner Zeit als Kardinal und Chef der römischen Glaubenskongregation hatte der heutige Papst Sexualdelikte von Priestern noch unter das „päpstliche Geheimnis“ gestellt.
In 2006 hat Papst Benedikt XVI. im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der Erzdiözese von Dublin dann zwar das Tor des Schweigens um die Probleme mit pädophilen Priestern irgendwie eingetreten in dem er forderte, die Wahrheit nicht zu verheimlichen und den Kindern zu helfen. Er versäumte es allerdings sich im Namen der katholischen Kirche bei den Betroffenen öffentlich zu entschuldigen.
Und so verwundert es nicht, dass auch der Regensburger Bischof Müller keinen Grund sieht, um Verzeihung zu bitten. Auch wenn er den erneuten Einsatz des wegen sexuellem Missbrauchs vorbestraften Seelsorgers „abgesegnet“ hat. Heute weist er alle Mitverantwortung von sich. Wahrscheinlich will er statt dessen lieber die Mauer des Schweigens wieder aufbauen, mit der die Kirche zuvor versuchte, sich die Geschändeten vom Leib zu halten. Wenn Bischof Müller sich schon der persönlichen Verantwortung entzieht, so bleibt ihm immer noch die Chance, sich wenigstens im Namen seiner Kirche bei dem Missbrauchten öffentlich zu entschuldigen.
Nicht einmal dazu ist Bischof Müller bereit. Damit steht er dem traurigen Prozess der seelischen Heilung für
den Betroffenen im Weg. Ohne die Bitte um Verzeihung, wenigstens seitens der Kirche, kommt der schmerzliche Prozess (- nämlich von der Schändung über die Leugnung durch die Täter, von der unaufgelösten Wut über die Depressionen und Trauer der Betroffenen -) die Seelen zu heilen, erst gar nicht in Gang.
Wer den Geschändeten die Möglichkeit des Verzeihens verwehrt, in dem er sie nicht um Verzeihung bittet - in wessen Namen auch immer -, begibt sich moralisch in die Nähe des tatsächlichen Täters. Die Schändung erreicht dadurch eine neue Dimension. Diese besudelten Seelen kommen nie zur Ruhe. Wie schmerzlich ist das?
Und, ist es dann so unwahrscheinlich, dass diese unaufgelöste Wut Geschändeter, der Chance des Verzeihens beraubter Menschen, diese in einen Teufelskreis treibt, in dem sie vielleicht später selbst zu Tätern werden? Ich frage hier nicht, ob die Probleme mit dem Zölibat zusammenhängen könnten, sondern wie kommen wir aus diesem Teufelskreis heraus?
Bezüglich dessen, dass außerhalb der katholischen Kirche derartige Verbrechen leider ebenso in Familien, staatlichen Waisenhäusern und sonstigen Organisationen - die junge Menschen betreuen -, vorkommen, hätte die persönliche Bitte des Papstes und der Bischöfe um Verzeihung eine beispiellose und vorbildhafte Signalwirkung. Auch, oder gerade für unsere Gesellschaft.
Cimbom-HL (13.03.2008, 20:52 Uhr)
Kindesmissbrauch
Die paar Euros die demjenigen angeboten wurden, können das lebenslange Leiden des Missbrauchten damit keinesfalls aufwiegen. Das brennt sich ein Lebenlang ein. Durch einen dummen Zufall habe ich die Adresse nach fast 50 Jahren herausbekommen können! Übrigens wurde dieses Zeltlager von der katholischen Kirche ausgerichtet.
stwberlin (13.03.2008, 19:56 Uhr)
Verantwortlichkeit
"Wegen des erneuten Einsatzes des vorbestraften Pfarrers als Seelsorger war auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller unter Druck geraten, der aber jede Mitverantwortung ablehnte"
Ja, was ist nun mit dem ?
Darf man den vorangegangenen Berichten Glauben schenken, ist er mitverantwortlich.
Hat der sich entschuldigt (so das in diesem Falle überhaupt möglich wäre) ? Ist der nun vollkommen raus, nur, weil er es selbst sagt ?
Fasst da mal bitte jemand von der Presse nach ?
Dieser Fisch stinkt doch vom Kopf her...
paulmaz (13.03.2008, 19:33 Uhr)
Lächerlich
Nur 3 Jahre für dieses Schwein das nach kurzer Zeit wieder in Freiheit ist.
Der wird es immer wieder tun. Wegschliessen auf Dauer wäre die rich-
tige Strafe aber es sind wohl zuviele,
die ihre segnenden Hände über ihn halten.
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