Nach dem Amoklauf von Aurora fragen nicht nur die USA: Warum? Die Polizei hofft auf Klärung des Motivs durch die Durchsuchung der Wohnung des Täters. Doch Sprengfallen versperren den Weg.
Die US-Premiere des neuen Batman-Films "The Dark Knight Rises" (Der schwarze Ritter erhebt sich) wurde zur "Dark Nigth", zur dunklen Nacht. Zwölf Menschen hat der 24-Jährige James Holmes getötet und Dutzende verletzt, als er in der Kleinstadt Aurora im US-Staat Colorado bei der Filmpremiere um sich schoss. Von einer "sinnlosen Tragödie" spricht Regisseur Christopher Nolan. Ganz Amerika ist in Trauer - und fragt sich: Warum? Was war das Motiv für die Bluttat?
Der mit den Ermittlungen betraute Polizeichef Dan Oates lehnt es ab, über die Hintergründe Mutmaßungen anzustellen: "Über das Motiv spekulieren wir nicht." Ganz offenkundig hatte der 24-Jährige seine Bluttat von langer Hand vorbereitet. Der Mann hatte diverse Waffen, massenhaft Munition und schusssichere Spezialkleidung. Seine Wohnung präparierte er mit mehreren Sprengfallen, bevor er in die Nacht hinauszog, um Menschen zu töten. Erst wenn die Polizei in die Bleibe des Studenten der Neurowissenschaften und seine persönlichen Sachen durchforsten kann, wird sie Licht in das Dunkel des Motivs bringen können.
Spezialtrupps tasteten sich Zentimeter um Zentimeter in die Wohnung vor. Die Ermittler entdeckten mit Hilfe von Kameras und Spiegeln Flaschen mit mysteriösen Substanzen. Sicherheitshalber wurden neben dem Wohnhaus des Täters auch vier umliegende Apartmenthäuser evakuiert. Die komplizierte Konstruktion aus Sprengstoff und vermutlich entzündlichen chemischen Substanzen beschrieb Polizeichef Oates als etwas, "was wir noch nie gesehen haben". "Es gibt eine Menge Drähte", sagte er.
Erste Angaben der Bundespolizei FBI verraten nicht viel über den mutmaßlichen Amokschützen: Er ist männlich, weiß, 1,90 Meter groß und wurde am 13. Dezember 1987 geboren. Vorbestraft ist er nicht. Der Polizei fiel der junge Mann nur einmal wegen überhöhter Geschwindigkeit auf. Holmes studierte an der Uni von Colorado, hatte aber gerade sein Studium abgebrochen. Den Grund kennen die Ermittler noch nicht. Polizeichef Oates erklärt: "Nachbarn haben uns berichtet, dass er alleine lebte und für sich geblieben ist."
Die Tat scheint im Detail durchgeplant gewesen zu sein. Holmes trug nach Augenzeugenberichten eine Gasmaske. Eine Kinobesucherin berichtete, der Täter habe in die Decke geschossen und die Waffe dann direkt auf sie gerichtet. "Ich habe mich in den Gang geworfen. Gott sei Dank hat er mich nicht erschossen." Ein Zeuge sagte dem Fernsehsender CNN, der Täter sei langsam die Treppen hochgegangen und habe willkürlich auf Kinobesucher geschossen.
Nach Angaben des New Yorker Polizeichefs Raymond Kelly nannte sich Holmes in Vernehmungen "Der Joker", seine Haaren seien rotgefärbt - wie die gleichnamige Figur in der Batman-Geschichte. Der Joker ist in dem Comic der ärgste Widersacher des "guten" Helden. Kelly machte keine Angaben dazu, wer ihm das berichtet hat. Auroras Polizeichef Oates bestätigte das nicht, gab aber an, mit Kelly gesprochen zu haben. CNN meldete unter Berufung auf eine Person mit Detailwissen über die Ermittlungen, der Mann nenne sich "Der Joker".
Nach Angaben von Oates erstand der Täter in den letzten beiden Monaten mehr als 6000 Schuss Munition im Internet. Insgesamt erwarb er jeweils wenigstens 3000 Kugeln für ein Sturmgewehr und zwei Pistolen des Herstellers Glock sowie 300 Geschoss für eine Flinte. Während der Tat nutze er nach Augenzeugenberichten eine Faustfeuerwaffe, ein halbautomatisches Sturmgewehr und ein Schrotgewehr.