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12. Oktober 2007, 13:39 Uhr

"Gore-Film stimmt im Wesentlichen"

Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit" war nun auch in der Vorstandsetage von EnBW zu sehen. Im Anschluss daran diskutierte der angesehene Klimaforscher Stefan Rahmstorf über den aktuellen Stand der Klimadebatte. stern-Reporter Markus Grill war dabei.

Al Gore in einer Szene des Films "Eine unbequeme Wahrheit"© Paramount Classics/AP

Abgewetzte schwarze Jeans, offenes blaues Hemd, dunkelbraunes Sakko - so leger präsentiert sich einer der bedeutendsten deutschen Klimaforscher: Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Mit-Autor des IPCC und somit auch Nobelpreisträger. Kein Verständnis brachte er für die aktuelle Entscheidung eines britischen Gerichts auf, wonach der Gore-Film an Schulen nur noch mit einem Kommentar gezeigt werden dürfe, weil er neun Ereignisse als sicher schildert, die aber allenfalls nur wahrscheinlich sind. Grund war wissenschaftliche Genauigkeit, die ein britischer Kläger vor Gericht, erfolgreich, einforderte.

Rahmsdorf sagt, er habe gerade erst in der S-Bahn die Gründe der Gerichtsentscheidung durchgelesen, aber einige davon könne er nicht nachvollziehen, sie entsprächen nicht dem Stand der Forschung. Rahmstorf betonte, dass der Gore-Film in seinen Grundaussagen (Erde wird wärmer, CO2-Emissionen tragen zur Erwärmung bei, und sind vor allem menschengemacht) vollständig zutreffend sei. "Die CO2-Emissionen sind die entscheidenden Gase, weil sie durch Energie ausgesondert werden und der Energieverbrauch weltweit wächst." Die Europäer müssten bei den Klimazielen vorangehen: "Wir müssen zeigen, dass man wachsenden Wohlstand bei fallenden Emissionen erreichen kann, nur so können wir auf Länder wie China eine Vorbildfunktion ausüben." Bundeskanzlerin Angela Merkel habe seiner Meinung nach, die Wichtigkeit des Klimaschutzes verstanden.

Manche Medien führen Gespensterdebatten

Für Rahmstorf vollzieht sich die Klimadebatte in Wellen: Aufgerüttelt wurde die Fachwelt 1972 durch einen Artikel in der Wissenschaftszeitschrift "Nature", 1979 gefolgt von einem Bericht der US-Akademie der Wissenschaften. Erst 1992 dann legte sich die Rio-Konferenz auf Klimaziele fest und 2007 ist das Thema auf allen Gipfeltreffen gegenwärtig. Das neue, so Rahmstorf, dass auch die Wirtschaft auf das Thema aufspringe, dass Unternehmen langsam eine Vorstellung von den Kosten der globalen Erwärmung gewinnen, dass sie in regenerative Energie investieren und selbst Energiekonzerne wie EnBW sich als Vordenker in Sachen Klimaschutz profilieren wollen. So veranstaltet EnBW in wenigen Tagen den "Zweiten Deutschen Klimakongress" in Berlin zu dem auch der frischgekürte Friedensnobelpreisträger Al Gore sein Kommen zugesagt hat um zwischen Dinner und Dessert über Klimapolitik zu reden.

Auch wenn es in der Wissenschaft selbst einen common sense über Ausmaß und Gefahr der globalen Erwärmung gebe, führen manche Medien auch heute noch Gespenster-Debatten. Der "Spiegel" titelte noch im Mai "Die große Klima-Hysterie", in den Buchhandlungen liegen Titel wie "Der Klima-Schwindel" oder "Die Klima-Lüge" und Channel 4 produzierte einen gleichlautenden Film, der, so Rahmstorf, nur so vor Fehlern strotze, im deutschen Fernsehen aber schon mehrfach wiederholt wurde.

"Redakteure haben keine Erfahrung"

Rahmstorf sagt, er könne sich diese seltsamen intellektuellen Rückfälle nur dadurch erklären, dass heute mit dem Klima-Thema auch Redakteure befasst seien, denen im Unterschied zu früher oft das Fachwissen fehle. "Für die klingen die Thesen der Klima-Skeptiker neu und interessant und sie fragen sich nicht, nach der wissenschaftlichen Seriosität vieler Aussagen."

 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
slowmovement (14.10.2007, 12:06 Uhr)
Einsame Rufer Wissenschaftler
Das Wesentliche ist von Rahmstorf im Artikel und in den Kommentaren von km2000 gesagt. Die Unfähigkeit zu kritischem Denken, gepaart mit reflexartiger Affekt-Anfuhr (Invektiven ersetzen Argumente), welche die vorhergehenden Leserbriefe kennzeichnet erschreckt mich. Scheuklappendenken, Kopf in den Sand stecken, Opportunismus, Revanchismus, - ob es um die Aushöhlung des sozialen Rechtsstaats, das Kuschen vor religiösen Fanatikern, Muslimen wie Katholiken, ein immer unmenschlicheres Schulwesen, die Klimaerwärmung, den Welthunger, oder die im Gefolge der Hermann-Affäre hochgekochte braune Suppe geht - "Bildungsferne" scheint längst eine Mehrheit der Bevölkerung mit einer Mehrheit der Entscheidungsträger zu vereinen. Ich hoffe wenigstens, dass sich der "Spiegel", der sich letzthin oft nicht mit journalistischem Ruhm bekleckert hat, obigen faktenorientierten Artikel zum weiteren Maßstab journalistischer Aufklärungsarbeit nimmt. Stefan Rahmstorf muss man für sein über den Rahmen seiner Arbeit hinausgehendes Engagement dankbar sein. Einigen Lesern dürfte es zum Verständnis der Realität hilfreich sein, noch andere fachliche (d.h. nicht von der Ölindustrie bezahlte) Stimmen zu Wort kommen zu lassen.
km2000 (12.10.2007, 19:25 Uhr)
Erschaffen einer Pseudodebatte
Leider ist es erschreckend zu sehen, wie leicht sich eine Pseudodebatte erstellen lässt. Die Mechanismen sind immer dieselben, sei es das Rauchen, die Evolution oder eben der Klimawandel.
Man finde ein paar Forscher denen man sonst nicht zuhört, lasse sie ein paar schlecht recherchierte Studien kommentieren und verkaufe das als Streit innerhalb der Forschungsgemeinde. Der Außenstehende Journalist kann ohne tiefes Einarbeiten in die Materie den "Junk" nicht von echter Forschung unterscheiden.
FGAlte (12.10.2007, 18:55 Uhr)
kein common sense
Es gibt kein common sense unter den Wissenschaftlern über die globale Erwärmung. Den gibts nur unter solchen Selbstdarstellern wie Rammstein o.ä., die sich nun der Politik bedienen. Journalisten urteilen anders als Rammstein weil sie nicht von der Clique abhängig sind, was Fördermittel etc. betrifft. Eine freie Diskussion über solche Themen gibt es bei uns schon lange nicht mehr. Das erinnert mich an die Lyssenko-Story in den fünfziger Jahren. Da konnte man schon mal im GULag landen, wenn man anderer Meinung als der Oberwissenschaftler war.
Jede Regierung braucht einen Feind, um das in Angst und Schrecken versetzte Volk gefügig zu machen, bei uns sind es zwei: Terrorismus und Globale Erwärmung.
Sanjoaquin (12.10.2007, 18:21 Uhr)
Gottseidank
bin ich kein Beamter, ich muss arbeiten für meine Pension und den Herrn Rahmstorf fürcht ich nicht, vor ein paar hundert Jahren war's schlimmer, da wären die Dominikaner gekommen und die hätten dann mittels Folter festgestellt, dass sie recht haben und wenn ich nicht weichgeworden wäre, hätten sie meine Verstocktheit als Zeichen dafür gewertet, dass ich vom Teufel besessen bin. Insofern ist es heute besser, heut ist man einfach unseriös, wenn man an den Klimapropheten zweifelt. Damit kann ich leben.
belzebub99 (12.10.2007, 17:58 Uhr)
Mein lieber Sanjoaquin!
Wenn das der Herr Schlagrahm liest, was Sie da so unflädig frech formulieren, dann schickt er ihnen eine Drohbrief und falls Sie Beamter sind, wir das nix mit Ihrer Pension.
Und Rückfälle hat der schon gar keine, höchstens Kontostände.
Sanjoaquin (12.10.2007, 17:47 Uhr)
Seltsame intellektuelle Rückfälle
Wenn ich mich richtig erinnere, dann war das Potsdamer Institut, an dem Herr Rahmstorf seinen Lebensunterhalt verdient, vor nicht mal 20 Jahren der Ansicht, dass wir alle erfrieren, weil die Erde sich radikal abkühlt, infolge der Dreckpartikel in der Atmosphäre, die kein Sonnenlicht mehr durchlassen. Es ist und war immer das Kennzeichen von autoritären Ideologien Gegnern die Seriosität abzusprechen. "Und willst Du nicht mein Bruder sein, schlag ich Dir den Schädel ein." Solange die Frage, ob das CO2 der Erwärmung folgt oder umgekehrt, nicht geklärt ist, ist alles, was Herr Rahmstorf, gut dotiert, republikweit verbreitet, nichts anderes als Alchimie.
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