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11. März 2010, 11:32 Uhr

Leere, Verzweiflung und Hass teilen

Es gebe viel Schlimmes zu teilen, sagte Bundespräsident Horst Köhler während der Gedenkfeier zum Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden. Auch den Hass. Der Zugang zu Waffen müsse noch weiter erschwert werden, forderte der Präsident. Nur so seien weitere Amokläufe zu verhindern.

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Bundespräsident Horst Köhler und seine Frau Eva Luise treffen zur Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs von Winnenden ein© Bernd Weißbrod/DPA

Bundespräsident Horst Köhler hat ein Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden weitere Beschränkungen für den Zugang zu Waffen gefordert. Bei der Gedenkfeier für die Opfer des Verbrechens in Winnenden sagte er: "Es kann viel geschehen - noch mehr als bisher - damit gefährdete Menschen nicht an Schusswaffen gelangen und Schulen und ähnliche Orte noch besser vor Anschlägen geschützt sind." Am 11. März 2009 hatte ein 17-jähriger ehemaliger Schüler an der Albertville-Realschule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf seiner Flucht tötete er drei weitere Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er unverschlossen im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden.

"Meine Frau und ich, wir sind hierhergekommen, um diesen Tag mit Ihnen zu teilen", sagte Köhler in seiner Ansprache vor der Albertville-Realschule. "Da ist viel Schlimmes, was wir teilen müssen: Einsamkeit. Leere. Sinnlosigkeit. Verzweiflung. Angst. Und auch Hass", fügte Köhler hinzu.

Köhler: Umdenken hat begonnen

Der Bundespräsident nannte die Namen der toten acht Schülerinnen, des Schülers, der drei Lehrerinnen und der drei Männer, die der Täter auf seiner Flucht tötete. "Und ich füge auch heute hinzu: Auch die Familie des Täters hat ein Kind verloren. Auch für sie ist eine Welt zusammengebrochen", sagte Köhler.

Über die Frage, was getan werden könne und müsse, um solche Schrecken zu verhindern, habe er viele Gespräche geführt mit Psychologen und mit Experten für Waffenrecht, mit Abgeordneten und Ministern, mit Medienfachleuten und Polizisten, sagte Köhler weiter. Die jüngste Novellierung des Waffengesetzes durch den Bundestag sei ein Zeichen dafür, dass ein Umdenken begonnen habe. "Die Parlamente und die Regierungen des Bundes und der Länder sollten diesen Prozess weiter voranbringen und begleiten - und die Schützenvereine sollten ihnen dabei helfen", fügte er hinzu.

Appell für mehr Achtsamkeit

Köhler appellierte an die Gesellschaft, sich gemeinsam gegen eine drohende Verrohung zur Wehr zu setzen und Grenzen zu ziehen. Die Meinungen der Wissenschaft darüber, ob Videospiele Handlungsanleitungen für potenzielle Täter seien, gingen auseinander. Das Staatsoberhaupt bat alle um einen achtsamen Umgang miteinander, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit wachsen zu lassen. "Wir können darauf achten, dass niemand abseits bleibt. Wir können mehr Anteil nehmen aneinander, statt achtlos vorüberzugehen."

Einen besonderen Appell richtete Köhler an die Medien. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass detaillierte Berichterstattung über die Täter, ihre Motive, ihre Planungen, ihre Vorgehensweise sowie Tatablauf, Kleidung und Waffen Nachahmer auf den Plan rufe. "Ich schließe mich deshalb dem Expertenrat der baden-württembergischen Landesregierung an: Wir brauchen klar definierte Berichterstattungsregeln, die gemeinsam mit den Medien erarbeitet werden; wir brauchen einen medienübergreifenden Pressekodex im Geist der Prävention", hob der Bundespräsident hervor.

DPA/APN
 
 
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