10. Januar 2008, 14:05 Uhr

Bomben sollten im WM-Stadion hochgehen

Die Fußball-WM 2006 in Deutschland hätte in einer Katastrophe enden können: Die "Kofferbomber" von Köln sollen ein WM-Stadion im Visier für ihre Anschläge gehabt haben - nur die hohen Sicherheitsvorkehrungen hätten sie abgeschreckt.

Blick ins FIFA-WM-Stadion in Köln. Ein Anschlag während der WM gehörte zum ersten Plan der mutmaßlichen Täter©

Die "Kofferbomber" von Köln sollen ursprünglich einen Anschlag in einem Stadion während der Fußball- Weltmeisterschaft in Deutschland geplant haben. Nur wegen der hohen Sicherheitsvorkehrungen hätten sie davon Abstand genommen, berichtete ein Kommissar des Bundeskriminalamtes als Zeuge im Düsseldorfer Prozess. Dies habe ihm der im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilte "Kofferbomber" Jihad H. bei einer Befragung in Beirut gestanden.

Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht ist der 23-jährige Youssef El H. wegen vielfachen versuchten Mordes angeklagt. Auch er wurde bereits in Beirut in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Die beiden Libanesen sollen am 31. Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei selbst gebaute Bomben in Regionalzügen deponiert haben, die aber nicht zündeten. Youssef El H. hatte bereits eingeräumt, der Mann auf den Fahndungsbildern zu sein, die in Köln aufgenommen worden waren. Die Aufnahmen zeigen ihn im Trikot des Fußball-Nationalelf-Kapitäns Michael Ballack.

BKA-Verbindungsmann im Libanon belastete Angeklagten

Der Verbindungsbeamte des BKA im Libanon widersprach auch der Verteidigerversion, wonach die wenige Wochen nach der WM in zwei Regionalzügen deponierten Bomben gar nicht explodieren sollten. Der Libanese habe ihm gegenüber keine Zweifel daran gelassen, dass sie Menschen töten wollten, "und zwar so viele wie möglich", sagte der 58-Jährige. So sollte die in den Bombenkoffern gefundene Speisestärke die Verbrennungen der Opfer und damit ihr Leid und ihre Qualen vergrößern. Das habe Jihad H. ihm gegenüber ausdrücklich zugegeben. Der Libanese habe sich im Nachhinein allerdings sehr erleichtert darüber gezeigt, dass die Bomben nicht explodierten.

Jihad H. habe Youssef El H. als Anstifter der Anschläge bezichtigt. Er selbst sei von Youssef El H. mit wochenlanger Dschihad-Propaganda einer "Gehirnwäsche" unterzogen worden. Zusammen hätten sie im Internet nach einer Anleitung zum Bau "der gefährlichsten Bombe recherchiert". "Die hatten ganz klar das Ziel, die Bombe hochgehen zu lassen", sagte der Ermittler, der auch den Hinweis des libanesischen militärischen Geheimdienstes nach Deutschland weitergegeben hatte, der zur Festnahme von Youssef El H. in Kiel führte. Die Familie des 23-Jährigen sei abgehört worden, weil sie unter Terrorverdacht gestanden habe. Dabei sei der aufgeregte Anruf aus Deutschland mitgehört worden, nachdem der Student sein Fahndungsbild im Fernsehen gesehen hatte.

Jihad H. habe auch seine Email-Passwörter preisgegeben. In den Mails seien zahlreiche Verweise auf El-Kaida-Propaganda und Bewunderung für Osama bin Laden gefunden worden. Der zunächst gehegte Verdacht eines direkten Kontakts zum El-Kaida-Netzwerk habe sich aber nicht bestätigt.

DPA
 
 
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