. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
17. November 2008, 15:34 Uhr

Italienische Kirche wettert gegen Sterbehilfe

Als ersten Schritt zur Euthanasie hat die katholische Kirche die Sterbhilfe für die 16-jährige Eluana bezeichnet. Das spektakuläre Urteil eines italienischen Gerichts entfachte einen Proteststurm in Teilen der Kirche und der Politik. In der Bevölkerung wird das Urteil dagegen begrüßt. von Luisa Brandl

Sterbehilfe, Koma, Gerichtsurteil

Beppino Englaro: Kann immer noch nicht in Frieden Abschied nehmen von seiner Tochter© LaPresse/AP

Beppino Englaro findet noch immer keine Ruhe. Er wünscht sich nichts mehr als in Frieden von seiner Tochter Abschied nehmen zu können. Jetzt, da er am Ziel angelangt ist, das oberste Berufungsgericht seinem Wunsch entsprochen hat, Eluana sterben zu lassen. Jahrelang stand er im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, hatte vor Gericht dafür gefochten, dass seine Tochter aus dem Koma erlöst würde.

Doch ein "Rückzug in die Privatsphäre", wie Englaro es sich wünscht, scheint nicht absehbar. Das spektakuläre Urteil hat einen Sturm der Proteste bei den Katholiken entfacht. Die Kirche, ihr nahe stehende Politiker und Verbände machen nun gegen die Sterbehilfe mobil.

"Das erste Todesurteil"

Der Vatikan und seine Entourage stemmen sich in Zeitungen, im Fernsehen und im Internet gegen das Urteil, mit einer Vehemenz, die an die Abtreibungsdebatte erinnert. Der Präsident der italienischen Bischofskonferenz Kardinal Angelo Bagnasco sagte, das Urteil sei ein erster Schritt zur Euthanasie und forderte die Regierung auf, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das die Sterbehilfe verbietet. Niemand dürfe über Leben und Tod urteilen, sonst würde das Zusammenleben der Menschen vergiftet, so Bagnasco. Rund 2000 Komapatienten werden hierzulande künstlich am Leben gehalten. Die Zeitung der Bischöfe "Avvenire" beschuldigte die Richter, sie hätten "das erste Todesurteil der italienischen Republik verhängt." Der mächtige Kurienkardinal Camillo Ruini sprach in einer Sendung des öffentlichen Fernsehens Raiuno von einem "tragischen Fehlurteil".

Seit 16 Jahren im Koma

In vielen Kirchen Italiens riefen die Priester in der Sonntagsmesse zum Gebet für Eluana auf. Vor 16 Jahren verunglückte die damals 21-Jährige bei einem Autounfall und liegt seither im Koma. Sie vegetiere nicht, sondern sie schlafe und behalte unbedingt ihre Würde, sagte Ennio Antonelli bei einer Veranstaltung der katholischen Bewegung "Movimento per la vita". Eluana Englaro wird seit 14 Jahren in einer Klinik im oberitalienischen Lecco von Nonnen gepflegt und künstlich ernährt. Nach dem Urteil darf Eluana nun die Magensonde entfernt und so der Sterbeprozess eingeleitet werden. Gegen die "unsagbare Barberei" des Hungertodes haben 34 Verbände bereits angekündigt, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschrechte zu ziehen.

Interessant ist jedoch, dass eine Mehrheit der Italiener sich für das Urteil ausspricht. Laut einer Umfrage auf der Website der öffentlichen Nachrichtensendung TG 1 sind 70 Prozent für den Richterspruch und 30 Prozent dagegen. Gegen die Online-Befragung hagelte es prompt Kritik aus dem katholischen Lager. Der Präsident der Partei UDC Pierferdinando Casini drängte den Redaktionsleiter, die Umfrage sofort zu stoppen, der Fall sei viel zu heikel und kein Gegenstand für Talk-Shows.

Öffentlicher Druck kann Urteilsvollzug verhindern

Der öffentliche Druck gegen die Sterbehilfe droht nun den Vollzug des Urteils zu verhindern. Denn Beppino Englaro hat bei seiner Suche nach einer Klinik, in der seine Tochter sterben darf, nur Absagen erhalten. Der katholische Gouverneur der Lombardei Roberto Formigoni hat sofort abgewunken. In der Region Friaul fand Englaro zunächst die Unterstützung bei der Landesregierung. Er hatte schon Kontakt aufgenommen zu den Ärzten des Krankenhauses in Udine. Doch der zuständige Erzbischof Pietro Brollo wollte den brisanten Fall in seiner Diözese nicht haben und machte Druck gegenüber dem Krankenhausdirektor. Nun scheint es mehr als ungewiss, ob Eluana in Udine aufgenommen wird. Vater Englaro denkt bereits laut darüber nach, seine Tochter in eine Klinik im Ausland zu bringen, etwa in Slowenien oder nach Villach in Österreich.

von Luisa Brandl
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Laminelli (19.11.2008, 14:52 Uhr)
Hanebüchener Unsinn
Die angebliche Absicht einer grossen Zahl katholischer Verbände in Italien, beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg das Urteil des Italienisches Kassationshofes anfechten zu wollen, ist hanebüchener Unsinn. Die Europäische Menschenrechtskonvention sieht eine Individualbeschwerde nur für Personen vor, welche selbst Opfer einer Verletzung eines garantierten Menschenrechtes sind. Eine solche Ankündigung ist somit nur eine vatikanische Nebelgranate, und die weltweit tätigen Medien, wie meist ohne jede Sachkenntnis, verbreiten dann diesen Unsinn ohne nachzudenken oder nachzufragen.
Im übrigen gilt generell: Wessen Gehirn zu stark durch Glaubensinhalte besetzt ist, hat zu wenig Kapazität, um die Wirklichkeit erkennen und vernünftig handeln zu können. Dies trifft vor allem auf Vatikanmetastasen und den Vatikan selbst zu.
Kann man wirklich Menschen, die andere glauben machen wollen, es könne etwas aus einer Jungfrau herauskriechen, bevor etwas hineingekrochen ist, für vernünftig halten?
SethusCalvisius (17.11.2008, 23:45 Uhr)
Wenn nicht zu diesem Thema,
wozu soll die Kirche sich denn überhaupt noch äußern? Mir sind Leute, die ein Problem damit haben, dass man hier einen Menschen verhungern lässt, jedenfalls lieber, als diese zynischen Besserwisser wie reality, cahos oder eurokrat, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Dieses Thema ist viel zu sensibel, als dass man ihm mit Stammtischparolen gerecht würde.
Reality (17.11.2008, 19:52 Uhr)
Welche Legitimation hat die Kirche um sich in diese intime Angelegenheit einmischen zu dürfen ?
Mit welchem Recht mischt sie sich da ein.
Sie sollte besser zu sehen, daß sie sich gegen die Massenvernichtungswaffen stellt.
Oder völkerrechtswidrige Kriege anprangert.
Ausbeutung im Namen des Glaubens nicht zu lässt.
Keine Gewissensdiktatur zu lässt.
Jeder soll frei entscheiden können was oder an wen er glaubt und seinen Glauben jederzeit wenn er will wieder frei verlassen können, dann haben wir Glaubensfreiheit, alles andere ist geistige Diktatur.
Das bezieht sich auf alle Weltanschauungen und Glaubensrichtungen. Sie nehmen sich ein Recht heraus das ihnen niemand gegeben hat.
Alles was sie lehren ist nicht beweisbar.
Darum haben sie auch kein Recht sich hier einzumischen.
OnceKnown (17.11.2008, 18:38 Uhr)
@eurokrat
Nun ihre Meinung wird die Kirche wohl doch noch sagen dürfen, oder?
asdfghjkl (17.11.2008, 17:58 Uhr)
16
@Ewok:
Wenn Du weiterliest, dann kommt der "aha". Die Frau ist keine "16-Jährige Komapatientin". Sie liegt aber seit 16 Jahren im Koma. Daher kommt die 16.
Freudsche Fehlleistung.
Gruß
asdfghjkl
Ewok (17.11.2008, 17:53 Uhr)
16-jährige???
Also entweder wird diese Patientin immer jünger oder die Freudsche Fehlleistung hat mal wieder zugeschlagen...
eurokrat (17.11.2008, 17:45 Uhr)
Kirche war gestern
Wann wird die katholische Kirche endlich begreifen, dass sie nichts mehr zu sagen hat?
MEHR ZUM ARTIKEL
Gerichtsurteil Koma-Patientin in Italien darf sterben

Der Fall erregte in Italien seit langem die Gemüter: Nach 16 Jahren im Koma kann Eluana Englaro nun von den lebenserhaltenden Schläuchen getrennt werden. Das höchste italienische Gericht billigte die Sterbehilfe-Maßnahme für die heute 35-Jährige. mehr...

Sterbehilfe Die Kommentare der stern-Leser

Hunderte von Mails erreichten die Redaktion von stern.de zum Thema Sterbehilfe - viele eindringliche Schilderungen, Überlegungen und Kommentare. Hier finden Sie eine Auswahl der Zuschriften. mehr...

Sterbehilfe Bei Kusch kostet der Tod 8000 Euro

Roger Kusch bekennt Farbe: Wer sich mit seiner Methode beim Sterben helfen lassen will, muss mit Kosten von bis zu 8000 Euro rechnen. Diesen Preis nennt der ehemalige Hamburger Justizsenator auf einer Website, auf der er sein umstrittenes Modell zur Suizidbegleitung vorstellt. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe