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Nicht willkommen!

Nicht die Frauen haben sich in der Silvesternacht falsch verhalten, sondern die Täter. Die Männer. Gegen halbstarke Grapscher muss der Staat jetzt seine ganze Stärke zeigen - vielleicht auch auf unkonventionelle Weise.

Ein Kommentar von Philipp Jessen

Polizeikontrollen vor dem Kölner Dom

Polizeikontrollen vor dem Kölner Dom (am 5. Januar): Gegen halbstarke Grapscher muss der Staat mit aller Härte vorgehen.

Es ist einfach nur widerlich. Man kann es sich als Mann nur schwer vorstellen, wie es sich für eine Frau anfühlt, in die Nacht hinauszugehen, mit großer Vorfreude auf das, was da wohl kommen mag, und schließlich von einer betrunkenen, geilen Männerübermacht umzingelt, bedrängt und belästigt wird. Als Mann wird man vielleicht zusammengehauen. Auch nicht schön. Aber um Längen erträglicher als das, was einer Frau schlimmstenfalls passieren kann.

Die Ereignisse aus der Silvesternacht sind eine Schande für Deutschland.

Damit sind nicht nur die Übergriffe gemeint. Sondern auch der Umgang mit dem, was passiert ist. Ein überforderter Polizeipräsident, der irgendwas von Verantwortung zu Karneval faselte, aber zunächst an seinem Stuhl klebte wie ein altes Kaugummi und dann in den einstweilligen Ruhestand versetzt werden musste. Eine Polizei, die offensichtlich in Teilen versucht hat, zu vertuschen.

Deutsche Herrenrunden verhalten sich nicht besser

Selbsternannte Experten, die ungefragt Verhaltensregeln für Frauen verbreiten. Was komplett die Tatsache verkennt, das hier nicht hübsch zurechtgemachte Frauen das Problem darstellen, die sich im Nachtleben auf weniger als eine Armlänge an einen Mann herantrauen – sondern ausschließlich Männer. Jene eben nicht nur mit Migrationshintergrund. Denn deutsche Herrenrunden auf dem Oktoberfest verhalten sich nicht ein Stück besser.

Und Medien, die verunsichert berichten. Somit kanisterweise Öl in das "Lügenpresse"-Feuer kippen. Und so genau das provozieren, was sie verhindern wollen: noch mehr Fremdenfeindlichkeit in Deutschland.

Der erste Schritt zur Lösung eines Problems ist, es anzusprechen.

Ja, Polizeiberichten zufolge haben die Täter mehrheitlich einen Migrationshintergrund.

Ja, das ist wichtig und muss auch benannt werden. Weil wir den "Lügenpresse!"-Schreiern so ihre Kraft nehmen. Statt sie zu stärken, was wir täten, würden wir so etwas unter den Teppich kehren. Und weil es, wenn besondere Gruppen auffällig werden, auch eigene Ursachen und somit auch eigene Lösungsansätze geben kann.

Hart sein, Stärke zeigen

Wenn es sich bei den Tätern auch um Flüchtlinge handelt, ist das erst einmal ganz schwer vorstellbar. Was geht in einem Menschen vor, der aus seiner Heimat flieht; der weiß, wie sich Diskriminierung, Angst und Verfolgung anfühlen; der sein Leben riskiert, nach einer beschwerlichen Reise an seinem Sehnsuchtsziel ankommt; mit Applaus begrüßt und herzlich aufgenommen wird – und sich dann nachts besoffen an einem Bahnhof mit anderen zusammenrottet und Frauen nachstellt?

Aber es scheint so zu sein, wie interne Polizei Dokumente belegen. Was also tun? Hart sein. Stärke zeigen. Denn genau diese Jungs kennen nur das Recht des Stärkeren. Bis jetzt zumindest. Und dann sollten sie genau dieses zu spüren bekommen. Denn der Staat ist stärker als jeder Frauenbelästiger. Das muss er jetzt beweisen und zeigen. Zur Not mit noch härteren Maßnahmen. Bis zur schnelleren Abschiebung, was jetzt zu Recht diskutiert wird.

Haben die Täter Migrationshintergrund, leben aber schon länger in Deutschland, sind vielleicht schon Teil der zweiten oder dritten Generation, wirft das ein trauriges Schlaglicht auf die Versäumnisse in der Integrationspolitik. Hier besteht Handlungsbedarf. Und zwar dringender.

Die USA könnten ein Vorbild sein

Doch bevor die Maßnahmen der großen Politik greifen, gibt es vielleicht die ein oder andere pragmatische Möglichkeit, kurzfristig Effekte zu erzielen. So sehr man das amerikanische Rechtssystem auch (oft zu Recht) kritisieren mag: Die Richter der USA haben manchmal einen Sinn für kreative Erziehungsmaßnahmen, die auch hier funktionieren könnten.

Ein amerikanischer Richter hatte zum Beispiel einen Mann, der seine Frau geohrfeigt hatte, dazu gezwungen, sein geliebtes Auto an ein Frauenhaus zu spenden. Vielleicht täten solche Urteile den harten Jungs in ihren Bomberjacken, die Frauen als minderwertig behandeln, bespucken, betatschen und beleidigen auch mal ganz gut.

Führerschein weg für Männer, die Frauen als "F...." oder "Schla..." beschimpfen. Ein Jahr nur mit Prinzessin-Lillyfee-Klamotten zur Schule für die Mitglieder einer Schulhofgang, die Mädchen im Sportunterricht bedrängen. Fitnessclub-Verbot für halbstarke Grapscher. Natürlich lösen solche Urteile nicht die großen Probleme. Aber vielleicht werden zumindest Einzelne abgeschreckt. Und jeder proaktiv verhinderte Vorfall wäre doch ein Erfolg.

Um das noch einmal ganz klar zu sagen: Flüchtlinge sind herzlich willkommen. Männer, die Frauen belästigen und verachten, sind es ausdrücklich nicht.

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