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9. August 2011, 07:44 Uhr

Fußballverband sagt Länderspiel ab

Die Krawalle in Großbritannien werden immer heftiger: Zahllose Brände erhellten das nächtliche London. Auch andere Städte sind von den Unruhen betroffen. Premier Cameron berief den Sicherheitsrat ein. Und auch der Sport kapitulierte vor den Randalierern: Das Fußball-Länderspiel zwischen England und den Niederlanden wurde abgesagt.

Der Virus der Gewalt breitet sich in London weiter aus und hat inzwischen auch mehrere andere Städte Englands erfasst. Der Himmel über der britischen Hauptstadt wurde in der Nacht von zahllosen Bränden beleuchtet. Auch in Liverpool, Birmingham und Bristol gingen vermummte Randalierer auf die Straßen und setzten Fahrzeuge und Häuser in Brand.

Premierminister David Cameron brach seinen Urlaub ab und rief für heute den Nationalen Sicherheitsrat zusammen, um die Lage zu besprechen. "Was hier passiert, kann einfach nicht entschuldigt werden", sagte Scotland Yard-Chefin Christine Jones zu den Auseinandersetzungen. "Die Schlacht um London", betitelten britische Zeitungen ihre Berichte über die Unruhen.

Wegen der anhaltenden Gewaltexzesse hat der englische Fußball-Verband (FA) inzwischen das für Mittwoch geplante Freundschaftsspiel gegen die Niederlande abgesagt. "Mit großem Bedauern" müsse die Partie im Londoner Wembley-Stadion abgesetzt werden, teilte die FA. Zuvor waren bereits zwei für Dienstag geplante Spiele des englischen Ligapokals verschoben worden.

"Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet"

In Ealing im Westen Londons gingen maskierte Jugendliche auf Raubzug und setzten dabei Mülltonnen in Brand. Zahlreiche Schaufenster gingen zu Bruch, berichtete die Agentur PA. "Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet", wurde ein Augenzeuge zitiert. In dem Gebiet waren zunächst nur wenige Polizisten im Einsatz. Im Stadtteil Croydon brannte ein ganzer Straßenzug, aus einem Möbellager schlugen noch in der Nacht meterhoch die Flammen. Polizei und Feuerwehr schienen völlig überfordert. Am Abend entdeckte die Polizei in einem Auto einen schwer verletzten Mann, der aus mehreren Schusswunden blutete. Näheres dazu ist noch nicht bekannt.

Auch in den Stadtteilen Clapham, Peckham, Hackney und Lewisham gab es Krawalle. In Clapham stand in der Nacht zum Dienstag ein Wohnhaus in Flammen. In Ealing ging laut BBC ein Lager des Elektronikriesen Sony in Flammen auf. Augenzeugen berichteten dem Sender, dass sich zunächst Plünderer "bedient" hätten, ehe sie das Lager anzündeten. Ein nahe gelegenes Hotel musste evakuiert werden.

Unruhen auch in anderen britischen Städten

Mit Birmingham war erstmals auch eine Stadt außerhalb Londons betroffen. Dort plünderten Vermummte Juwelierläden und Elektronikgeschäfte. In der Nacht zum Dienstag setzten sie eine Polizeiwache in Brand. In den frühen Morgenstunden wurden auch aus Bristol Unruhen gemeldet. Auch aus Liverpool kamen in der Nacht erste Berichte über chaotische Szenen, von der Polizei als "isolierte Ausbrüche von Unruhen" umschrieben. Augenzeugen berichteten laut PA, dass mehrere hundert Vermummte in den Straßen vorbeifahrende Autos stoppten, die Insassen zum Aussteigen zwangen und anschließend die Fahrzeuge in Brand setzten.

Insgesamt wurden in London und Birmingham bis Dienstagmorgen fast 350 Verdächtige festgenommen, teilte die Polizei mit. Sie schickte in der Nacht zum Dienstag weitere 1700 Beamte in die "Krisengebiete" Londons. "Zu wenig und zu spät", klagte ein ausgeraubter Geschäftsinhaber.

Ergebnisse ballistischer Tests sollen veröffentlicht werden

Plündernde und brandschatzende Banden, die in der Nacht zum Sonntag im Nordlondoner Stadtteil Tottenham die Randale begonnen hatten, waren schon in der Nacht zum Montag in weitere Stadtteile weitergezogen. Auch Gruppen gewalttätiger Kinder zwischen 10 und 14 Jahren waren unterwegs. Vizepremierminister Nick Clegg sagte, die Randalierer seien "opportunistische Kriminelle".

Die Krawalle hatten in der Nacht zum Sonntag im Problemviertel Tottenham begonnen. Zwei Tage zuvor war dort der 29-jährige Mark Duggan von einem Polizisten erschossen worden. Unklar war, ob der farbige Familienvater, der der Banden- und Drogenszene zugerechnet wird, das Feuer eröffnet hatte. Ergebnisse ballistischer Tests sollen im Laufe des Tages veröffentlicht werden.

mad/kng/DPA/AFP
 
 
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