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6. Februar 2009, 19:03 Uhr

Deutsche mögen den Papst nicht mehr

Im kommenden Jahr will Benedikt XVI. Deutschland besuchen. Würde er jetzt schon kommen, müsste er sich auf eine unangenehme Reise einrichten. Nur noch 42 Prozent der Deutschen sind einer Umfrage zufolge mit "ihrem" Papst zufrieden. Unterdessen macht die erzkonservative Pius-Bruderschaft neuen Ärger.

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Schwere Zeiten: Papst Benedikt XVI. verliert in seinem Heimatland an Ansehen© Janek Skarzynski/AFP/DDP

Die Zustimmung für Papst Benedikt XVI. in der deutschen Bevölkerung scheint nach dem Eklat um den Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson zu bröckeln. Hatten beim Amtsantritt von Joseph Ratzinger als Papst im April 2005 noch fast zwei Drittel der Deutschen (63 Prozent) von einer guten Wahl gesprochen, so sind jetzt nur noch 42 Prozent mit seiner Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden. Dies ergab eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap Anfang der Woche im Auftrag der ARD-"Tagesthemen". Aller Kritik in seinem Heimatland zum Trotz will der Pontifex im kommenden Jahr Deutschland besuchen.

Anlass für den Besuch sollen die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit sein. "Ich gehe davon aus, dass es im nächsten Jahr einen Besuch des Heiligen Vaters in Deutschland geben wird", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in der ZDF-Sendung "Berlin Direkt". Es werde einen offiziellen Staatsbesuch in Berlin geben "und, ich hoffe, auch bei uns in Freiburg", ergänzte der Freiburger Erzbischof.

Bis zum Besuch Stimmung wieder besser?

"Ich denke, dass bis dorthin auch vieles wieder so ruhig geworden ist, dass wir ihn wirklich mit Freude und Begeisterung empfangen können", ergänzte er mit Blick auf die öffentliche Kritik wegen der Rehabilitierung erzkonservativer Bischöfe, darunter auch Bischof Williamson.

Bis zu einer größeren Zustimmung zum Papst ist es derzeit allerdings noch ein weiter Weg. Auf großes Unverständnis stieß bei den 1000 für die ARD befragten Bundesbürgern die Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation von Williamson und dreier weiterer Bischöfe der erzkonservativen Piusbruderschaft aufzuheben. Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) sprachen sich dafür aus, Williamson wieder aus der katholischen Kirche auszuschließen. Lediglich jeder vierte (27 Prozent) sagte, er könne in der Kirche bleiben, dürfe aber kein Amt ausüben.

Williamson bestreitet öffentlich die historische Tatsache, dass in den Gaskammern der Nazis sechs Millionen Juden ermordet wurden. Der päpstlichen Forderung nach Widerruf ist der Brite, der sich derzeit in einem Kloster bei Buenos Aires aufhalten soll, bisher nicht nachgekommen.

Erzbischof Zollitsch kritisierte trotz seiner Hoffnung, dass sich bis zum kommenden Jahr die Wogen wieder geglättet haben, den mangelnden Informationsfluss im Vatikan. Bei der Aufhebung der Exkommunikation Williamsons habe man "den Papst leichtfertig ins Messer laufen lassen", sagte Zollitsch in der ZDF- Sendung "Maybrit Illner". Der den Papst beratende Kardinal Hoyos hätte sich vergewissern müssen, "was für Personen" die betroffenen vier Mitglieder der Piusbruderschaft seien. Dass dies nicht geschehen und der Papst nicht informiert worden sei, sei "ein offenes Versagen". Zollitsch rechnet mit einem Bruch der Kirche mit der Bruderschaft, deren Einlenken nicht zu erwarten sei.

Bestätigt wird die Einschätzung des Erzbischofs durch die Aktivitäten der Pius-Bruderschaft, die unverändert auf Konfrontationskurs zum Vatikan geht. Der deutsche Distrikt der ultrakonservativen Vereinigung bestätigte der Nachrichtenagentur AP am Freitag, dass weitere Priesterweihen angesetzt sind. Diese sind den vier abtrünnigen Bischöfen aber verboten - sie waren bereits selbst ohne Erlaubnis des Vatikans geweiht. Der deutsche Distrikt der Vereinigung bestätigte einen Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers", wonach für Ende Juni der nächste Termin für Priesterweihen angesetzt ist. Zudem hat das Oberhaupt, der Schweizer Bischof Bernard Fellay, am vergangenen Sonntag angehenden Geistlichen "niedere Weihen" gespendet. Fellay gehört zu jenen vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft, die 1988 exkommuniziert wurden. Damit haben sie das Recht verloren, Sakramente zu empfangen und kirchliche Ämter auszuüben. Dieses Recht wurde ihnen auch durch die jetzige Rehabilitierung nicht wieder zuerkannt.

Unterdessen wurden auch Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kurie zum Fall Williamson deutlich. Vatikansprecher Lomabardi bezeichnete die Leugnung des Holocausts als "absolut inakzeptabel". Sie müsse widerrufen werden. Dagegen nannte der vatikanische Gesundheitsminister, Kardinal Javier Lozano Barragàn, Williamsons Äußerungen eine "Dummheit", für die niemand exkommuniziert werden müsse. Der 76-jährige Mexikaner sagte der spanischen Zeitung "El Mundo" auf die Frage, wie es sein könne, dass der Papst nichts von den Thesen Williamsons gewusst habe und ob dies nicht bedeute, dass in der Kurie und im Umfeld von Benedikt XVI. etwas nicht funktioniere: "Wir haben eben kein FBI."

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 62)
 
fun4five (08.02.2009, 22:56 Uhr)
Es geht um ".... du sollst keinen neben mir haben..."
Der Papst duldet nun mal keinen neben sich. Die Pius-Brüderschaft ist wohl als Gefahr geortet worden. Der Versuch sie mit "Schmusekurs" auf Kurs zu bringen ist fehlgeschlagen. Da hat der Papst (sorry wir haben) ein echtes Problem.
Die Holocaust-Geschichte ist eine reine Nebelkerze und lenkt von den tiefen Ängsten des Vatikans ab. Da hilft eben auch Frau Merkel mal eben mit.
guthand (08.02.2009, 15:42 Uhr)
gottesstaat
keine religion taugt etwas, weil alles (gott, allah, buddha usw., usf.)nur erfindungen von menschen sind. solange die kirchenfürsten deutschlands noch von unser aller steuergeldern subventioniert werden, wird sich nichts ändern. schließlich werden kardinäle, bischöfe und andere nach deutschem beamtenrecht vom staat besoldet. eine wirkliche trennung von kirche und staat, wie sie ja verfasssungsgemäß verankert ist, existiert praktisch nicht.
es hilft auf dauer nur eines: AUSTRETEN aus diesen Verdummungs-Vereinen.
Schönes Restjahr noch!!!
mutti1 (07.02.2009, 21:48 Uhr)
die religionen
wie katholisch, evangelisch, neuapostolisch,etc. ....? etc. pp. sind junge religionen, der sogenannte islam ist sehr alt,die jüdische religion sollte bekannt sein, nach sem benannt, danke @dirk, das sie mir glauben, wenn ich nur das weitergebe, was man öffentlich nachlesen kann. die lehren der religionen werden verwässert, je nach gut-dünken benutzt und je nach staats-form benutzt. löschen dinde ich unfair, weiterhin sollte man zu jedem rhema lieber gut recherchieren und für frieden sorgen, statt papst und nazis(kriegs-material-filme vom 3. reich) in einer woche im tv zu verherrlichen.
Dirk_37 (07.02.2009, 21:35 Uhr)
Wahnsinn
Ich hätte nie gedacht, daß ich mit mutti, gmathol und einigen anderen hier zumindest ansatzweise die gleiche Meinung vertrete:-)
...
Den Papst als Antisemiten hinzustellen ist schlicht grotesk. Im Zusammenhang dazu steht die These, das Antisemitismus und Zionismus unmittlelbar in Zusammenhang stehen.
...
Elend auch das Verhalten von Stern: Puffbruder Friedmann bekommt eine Plattform und die Kommentarfunktion bleibt aus? Da zweifel ich langsam an meinem Glauben, freie Meinungsäußerung träfe für alle zu! Wenn ein Michel Friedmann besonderen Schutz benötigt dann doch wohl, weil sein arrogantes und bigottes Verhältnis zur Moral ihn dermaßen unpopulär erscheinen lassen. Das liegt nicht an seiner Religion sondern an seinem Charakter, wo immer der auch zwischen den Bordsteinen und deren Schwalben hängengeblieben sein mag!
MfG Dirk
ganzbaf (07.02.2009, 12:11 Uhr)
Nö...

Monarchie und Feudalismus natürlich ;-P
Salzsteuer (07.02.2009, 12:09 Uhr)
@manesse
zweifellos beide sehr schlimm, aber regional und zeitlich begrenzt!
manesse (07.02.2009, 12:06 Uhr)
@Salzsteuer
Sie schreiben: "Wer brachte jemals
mehr Elend über die Menschheit als Christentum und Islam ???"
Antwort: Die Nazis und die Stalinisten.
Benkku (07.02.2009, 11:30 Uhr)
Vorsicht: Agitprop-Falle!
Frau Merkel haftet derselbe agitatorische "Verlaß" an, wie zu Zeiten, als sie noch die rote Pfarrestochter in der DDR war. Mit seiner Bresche, die Hans-Ulrich Jörges in seinem Video für die ehemalige FDJ-Funktionärin im Zusammenhang mit der Papstkritik schlägt, ist er in die von ihr gelegte Agitprop-Falle geraten. Ich dachte, Leute seines Schlages wären dagegen immun. Er brauchte sich nur vorzustellen, wie das Auftreten eines als gefährlich eingestuften SED-Anwärters vor abkommandierter Gesellschaft damals in der sogenannten DDR ankam. Es wurde meistens mucksmäuschenstill, und keiner wagte den Mund aufzumachen. Das erprobte Gespür dafür, diesen Effekt zu erreichen, ist der Dame nicht abhanden gekommen, nur nicht dafür, daß der Schuß auch einmal in einer anderen Welt nach hinten losgehen kann, wenn man sich genauso wie damals aufführt. Offensichtlich scheint aufgestellte Tabus zu nutzen dabei äußerst verführerisch zu sein.
Salzsteuer (07.02.2009, 11:23 Uhr)
Wer brachte jemals
mehr Elend über die Menschheit als Christentum und Islam ???
DaIstDoch (07.02.2009, 10:50 Uhr)
Handeln, nicht schwätzen!
1965 bin ich aus der Kirche ausgetreten. Die Vergangenheit bestätigte immer wieder die Richtigkeit meiner Entscheidung.
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