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21. Oktober 2004, 13:13 Uhr

Nervosität im kriminellen Milieu

Noch hat es keine Lösegeld-Forderungen für die in Oslo gestohlenen Munch-Gemälde gegeben. Die Täter scheinen alles andere als genial zu sein. Ermittler warten jetzt die Gunst der Stunde zum Zuschlagen ab.

Munch-Werk "Der Schrei": Aufklärung "jenseits von Silvester"© Katrine/EPA

Zwei Monate nach dem Raub der weltberühmten Bilder "Der Schrei" und "Madonna" von Edvard Munch (1863-1944) hat die Osloer Polizei die Diebe nach eigenen Angaben eingekreist und wartet nur noch auf eine günstige Gelegenheit zum Zuschlagen. "Wenn alles klappt, können wir sehr schnell im Ziel sein", sagte Fahndungschef Oivind Nordgaren der Zeitung "Aftenposten". Er warnte aber auch vor übereiltem Optimismus und erklärte am Donnerstag im norwegischen Rundfunksender NRK, eine endgültige Aufklärung "jenseits von Silvester" sei wohl wahrscheinlicher.

Am 22. August hatten zwei maskierte und bewaffnete Männer die beiden berühmtesten Werke des norwegischen Expressionisten vor den Augen zahlreicher Museumsbesucher gestohlen. Ausschlag gebend für die offenbar entscheidenden Fortschritte bei der Fahndung waren nach durchgesickerten Angaben aus Polizeikreisen DNA-Spuren im sichergestellten Fluchtauto, einem schwarzen Audi S4 Avant. Wie weiter verlautete, sind die Täter dadurch und durch Aussagen von Augenzeugen und Bilder von Überwachungskameras identifiziert und müssen sich als Angehörige der Osloer Unterwelt nun mit Überwachung rund um die Uhr abfinden.

Schätzwert von rund 55 Millionen Euro

Als entscheidend für den Zeitpunkt von Festnahmen gilt die Frage, wann die Polizei die beiden Bilder mit einem Schätzwert von 450 Millionen Kronen (54,6 Millionen Euro) sicher lokalisiert hat. Noch hat es keine Lösegeld-Forderungen für die komplett unverkäuflichen Ölgemälde gegeben.

Die Täter scheinen im Übrigen nach dem Hinterlassen zahlreicher Spuren am Tatort und in ihrem schon lange vor dem Raub gestohlenen Fluchtwagen alles andere als geniale "Super-Diebe" zu sein. Osloer Zeitungen berichten von zunehmender Nervosität im organisierten kriminellen Milieu von Norwegens Hauptstadt, weil die massive Suche der Polizei nach den Munch-Dieben das "normale Geschäft" sichtlich erschwere.

Weiter massive Kritik hagelt es derweil wegen der äußerst mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen im Munch-Museum. Nachdem die durchaus nicht superprofessionell vorgehenden Diebe praktisch unbehelligt die zwei Bilder unter den Arm klemmen und damit verschwinden konnten, ist das Museum auf unbestimmte Zeit für den Einbau zusätzlicher Sicherheitsvorkehrungen geschlossen.

Thomas Borchert/DPA
 
 
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