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23. Mai 2009, 12:34 Uhr

Ohnesorg-Todesschütze "will endlich mal Ruhe"

Wegen neuer Erkenntnisse zum Tod des Studenten Benno Ohnesorg im Juni 1967 könnte der Fall, der Auslöser für die Proteste der 68er-Bewegung war, juristisch neu aufgerollt werden. Der Todesschütze Karl-Heinz Kurras, offenbar ein Stasi-Spitzel und SED-Mitglied, will allerdings "endlich Ruhe".

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Archivbild: Studenten demonstrieren am 5. Juni 1967 in München aus Anlass der Tötung von Benno Ohnesorg© Helmuth Lohmann/AP

Nach Enthüllungen über die Stasi-Vergangenheit des Todesschützen von Benno Ohnesorg wird jetzt eine weitere Aufklärung gefordert. Es müsse geprüft werden, ob die DDR-Staatssicherheit auch eine Verurteilung des West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras verhinderte, sagte der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele dem "Hamburger Abendblatt" (Samstag).

West-Berliner Polizei ausgespäht

Nach Erkenntnissen von Forschern der Stasiunterlagen-Behörde wurde der Student Ohnesorg am 2. Juni 1967 in West-Berlin von einem Stasi- Agenten erschossen. Demnach hatte sich der Todesschütze Kurras bereits 1955 gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verpflichtet, die West-Berliner Polizei auszuspähen. Zudem war er Mitglied der DDR-Staatspartei SED, wie ein archivierter Parteiausweis aus seiner Stasiakte zu belegen scheint.

Es müsse untersucht werden, welche Rolle die Stasi und die DDR bei dem Versuch gespielt haben, "die Sache runter zu spielen, zu verstecken und unter den Teppich zu kehren", sagte Ströbele im "Saarländischen Rundfunk".

Kurras will seine Ruhe

Kurras selbst will sich nicht zu einer Stasi-Mitarbeit äußern. "Nach 42 Jahren, was soll denn das, können die uns nicht endlich mal in Ruhe lassen", sagte er dem "Tagesspiegel" (Samstag).

Der frühere Innenminister Otto Schily (SPD) glaubt indes nicht, dass der Fall strafrechtlich neu aufgerollt wird. "Das würde schon an der objektiven Beweisaufnahme scheitern", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" (Samstag). Kurras war in zwei Verfahren 1967 und 1970 mangels Beweisen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Schily vertrat seinerzeit Ohnesorgs Vater. Im "Heute Journal" des ZDF sagte er am Freitagabend, wären die neuen Erkenntnisse damals schon bekannt gewesen, "hätte man den Prozess natürlich ganz anders führen können".

Neue Strafanzeige gegen Kurras

Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni und stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, Carl-Wolfgang Holzapfel, hat Strafanzeige gegen den 81-jährigen Kurras wegen Mordes erstattet.

Dem Forschungsbericht zufolge wurde Kurras als IM (Inoffizieller Mitarbeiter) "Otto Bohl" geführt. Er habe detaillierte Erkenntnisse über Mitarbeiter, Ausbildung, Befehle, Dienst- und Einsatzpläne bei der West-Berliner Polizei an die Stasi geliefert. Auch eine Aktentasche mit Originaldienstunterlagen soll er übergeben haben. Seine Spitzeldienste wurden laut Bericht jahrelang vergütet: 1960 seien beispielsweise 2310 D-Mark geflossen. Einen großen Teil der Zuwendungen habe er für seine umfangreiche Waffensammlung ausgegeben. Das MfS habe vermerkt, dass Kurras bereit gewesen sei, jeden Auftrag durchzuführen.

Historiker erwarten nun neue Erkenntnisse

Nach Ansicht von Historikern reichen die neuen Erkenntnisse über den Täter, um die Geschichte des 2. Juni 1967 neu zu schreiben. Der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, sagte im Deutschlandradio Kultur, es sei ein Skandal, dass der Fall erst jetzt bekannt werde. Der Hamburger Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar appellierte in einem Beitrag für die "Frankfurter Rundschau" (Samstag) an Kurras, die Hintergründe der Tat jetzt endlich aufzuklären.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
KlaraSinger (25.05.2009, 18:04 Uhr)
Ein gewissenloser Mörder und Spitzel der eigenen Kollegen

Karl-Heinz Kurras hat nicht nur kaltblütig einen wehrlosen Menschen hinterhältig ermordet, er hat auch als Polizeibeamter für den Geheimdienst des Gegners gearbeitet und als Maulwurf seine eigenen Kollegen verraten.
Eine Ironie des Schicksals ist es wohl, dass ihn seine Kollegen, die er ausspionierte, durch Falschaussagen vor einer Verurteilung bewarten.
Er selbst sieht nicht nur daran keinen Grund, sich zu schämen, er bezieht auch noch von dem Staat gegen den er spioniert hatte, eine Pension.
ganzbaf (25.05.2009, 10:24 Uhr)
Und die DDR war Rechtsnachfolger...

der UDSSR.
Also sind wir heute alle Russen ;-Ä
vegefranz (24.05.2009, 18:14 Uhr)
der Todesschütze ist mitglied der Linken als Rechtsnachfplgerin der SED
Was sich keine Zeitung traut zu sagen: wenn er Mitglied der SED war, ist er heute Mitglied der Linken/Ex PDS als Rechtsnachfolgerin der SED
gaga007 (24.05.2009, 14:16 Uhr)
Unschuldsvermutung !
Mord verjährt nicht - war es Mord ? Bisher steht nur fest, dass Kurras offenbar eine Verpflichtungserklärung der Stasi unterschrieben hat - mehr nicht. Ob er ein Mörder ist, klärt vielleicht ein Gerichtsverfahren, solange gilt die Unschuldsvermutung ! Der Mann hat die gleichen Rechte wie die 68-Generation ...
Sternobyl (24.05.2009, 10:56 Uhr)
Mut zur Veränderung
Gegen den Umstand, dass Polizisten nicht verurteilt werden, solange nur indirekte Beweise gegen ihn vorliegen wird man wohl nichts ändern können, also sollte man wenigstens die Gefahr, die von Polizisten ausgeht bei großen Menschenansammlungen vermeiden.
 
Das heißt: keine Schusswaffen bei Demonstrationen.
 
Oder weiß jemand einen Fall, bei dem eine Schusswaffe bei einer Demonstration unbedingt nötig gewesen wäre?
 
Einschüchtern kann man die Demonstranten auch mit z. B. mit Schlagstöcken. Ohnesorg hatte z. B. auch mehrere Blutergüsse an Kopf und Körper.
 
Wenn Demonstarnten herber zurückgedrängt werden müssen, nimmt man traditionel und bewährter Maßen sowieso Wasserwerfer mit Kampfgas.
 
Wieso also Waffen bei Demonstrationen? Für die Cowboy-attraction des Polizeiberufs? Das ist nicht ungefährlich, so holt man sich evtl. zu viele schräge Gestalten in die Truppe, die sich destabilisierend auf das ganze Staatsgebilde auswirken können.
Helmers (24.05.2009, 09:54 Uhr)
Für verdächtige Mörder und Spione gibt es keine Ruhe!
Es wurde bewußt eine Destabilisierung der BRD unter Gebrauch des "Werkzeugs" Kurras herbeigeführt um die intelektuellen Studentenmaßen u. evtl. sogar die Arbeiter mit auf die Barrikaden zu bekommen, was wie erlebt nicht gelang. Der 2.Juni, die RAF und die RZ haben aus dieser Quelle ihren Haß und Rechtfertigung geschöpft, sie versuchten damit ihre Morde zu rechtfertigen. Kurras Straftaten: Verdacht des Mordes, fast aufgesetzter Schussvon hinten, geheimdienstlicher Agententätigkeit für die DDR/MfS, Landesverrat, die Delikte des ehemaligen Beamten Kurras ließen sich fortsetzen. Keine Verjährung der Straftaten! Die Presse stellt Kurras, nicht die Beamten des BKA, der Bundesanwaltschaft oder LKA, das ist der Skandal. Wo bleibt die Reaktion des Berliner Polizeipräsidiums als Dienstherren von Kurras, sofortige Einziehung der Pensionsbezüge und Sicherstellung der Ersparnisse wegen des Agentenlohns, wo blieb die Durchsuchung zur evtl. Feststellung von Beweisen. Nach 60 Jahren GG steht fest, nicht alle sind vor dem Gesetz gleich sonst häte man ihn schon längst verhaftet.
Zorro01 (24.05.2009, 02:14 Uhr)
Echt irre!
Ein Stasi-Spitzel und Mitglied der Linkspartei, die damals noch unter SED firmierte, erschießt einen Beteiligten auf einer linken Demo? Von hinten? Während der Demonstrant von anderen Polizisten festgehalten wird?

Ziemlich abgefahren, das Ganze.

Aber nach 40 Jahren dürfte es nicht mehr möglich sein, den Mordvorwurf beweisen zu können.

Gysi und Lafontaine können sich beruhigt schlafen legen.
Krakatoa41 (24.05.2009, 01:00 Uhr)
Interessant!
Das sind ja allesamt sehr intersante Beiträge nur Frage ich mich was mit den ganzen Naz-Kriegsverbrechern ist, die in der BRD wieder zu Ruhm und Ehren gekommen sind heute, reiche und geachtete Bürger sind und bis heute für Ihre Verbrechen nicht gebüßt haben, oder ein Ministerpresident, der beim Skifahren einen Menschen tötet und jetzt nur 5 Monate später wieder ein supertoller Politiker ist. Da tauchen urplötzlich, natürlich genau im Wahljahr, Stasiakten auf, die seit Jahrzehnten unauffindbar waren und damit sollen plötzlich politische Ereignisse neu bewertet werden, ich Frage mich nur, wieso nie die Stasiakten von den wirklich hohen "Tieren" von der Stasi auftauchen, die heute mitten unter uns als gutbezahlte Politiker von CDU und SPD, ein frommes dasein geniesen und dabei fleissig gegen die Linken hetzen können.
zappuser (23.05.2009, 22:49 Uhr)
Mord verjährt nicht,
der Mann hätte vorher nachdenken sollen, ob sein Verhalten anständig ist. Gibt es neue Erkenntnisse, wird neu ermittelt, so einfach ist das. Dann hat der Mann eben keine Ruhe, er hat kein Anrecht darauf.
vegefranz (23.05.2009, 22:11 Uhr)
ein Linker knallt einen Linken ab
und der Rest der 68er spielt dann - ferngesteuert von der DDR - Zwergenaufstand. Die geschichte der 68er-Lebenslüge muss noch weiter korrigiert werden
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