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13. April 2009, 18:11 Uhr

Traurige Ostern in den Abruzzen

Zehntausende von obdachlos Gewordene in der Erdbebenregion L'Aquila haben in ihren Notunterkünften Ostern gefeiert. Die Kälte setzt den Menschen weiter zu - doch die Welle der Hilfsbereitschaft in ganz Italien machte es möglich, dass Messen gefeiert werden konnten.

Erdbeben, L'Aquila, Abruzzen, Italien

Ein Mönch durchschreitet am Ostersonntag die Zeltstadt in L'Aquila© Marco Di Lauro/Getty Images

Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in den Abruzzen mit mindestens 294 Toten setzen Kälte und Regen den Zehntausenden von Obdachlosen zu. Der italienische Zivilschutz brachte am Ostermontag mehr Heizöfen und Decken in die 32 Zeltstädte der Bergregion. Helfer fuhren Kies gegen den Schlamm zu den Betroffenen und wollten einige alte, nicht wasserdichte Zelte gegen neue austauschen. "Wir können das hier schon aushalten, aber was ist denn mit den Kindern und den Alten?", fragte ein Jugendlicher in der Zeltstadt von San Demetrio. "Helft uns, sorgt dafür, dass wir nicht noch im Winter hier sind."

"Wir bringen euch bald aus den Zelten heraus", versprach Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi den Betroffenen. Er war am Sonntag erneut nach L'Aquila gereist, um an einer Messe teilzunehmen. Die Regierung in Rom will nach ersten Hilfsmaßnahmen in der nächsten Woche mit einem Dekret den Wiederaufbau weiter abstützen. Doch der dürfte etliche Monate beanspruchen und sicher bis zum Winter dauern.

Etliche Kirchen wurden zerstört

Am Sonntag hatten Zehntausende ein trauriges Osterfest gefeiert. Provisorisch waren kleine Altäre in den Zeltstädten gezimmert worden, um die Auferstehung Jesu auch in Chaos und Kälte mit einer Ostermesse zelebrieren zu können. Das 30-Sekunden-Beben vom 6. April hatte Tausende von Häusern und auch etliche Kirchen in der geschundenen mittelitalienischen Bergregion völlig zerstört oder stark beschädigt - und dabei auch alles begraben, was in der Liturgie gebraucht wird.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft aus ganz Italien machte es aber möglich, dass Messen gefeiert werden konnten und ein traditionelles Ostermahl bereit stand. Ostergeschenke kamen für all jene an, die ihre Häuser verloren hatten oder noch nicht in ihre beschädigten Unterkünfte zurückkehren dürfen. Papst Benedikt XVI. hatte nicht nur 500 Ostereier für die Kinder der Bebenregion geschickt, sondern auch Messgewänder und Kelche. Es gab gestifteten Messwein, auch für eine Osterfeier im Freien in der verwüsteten Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila.

Vielerorts sollte das traditionelle Ostermahl die Trauer und die Sorgen um die Zukunft etwas mildern: Als Vorspeise Pasta mit Pilzen und Artischocken, dann gebratenes Milchlamm, wie es sich gehört für ein "pranzo pasquale", konnte etwa in der Zeltstadt von San Demetrio aufgetischt werden. "Darauf können wir nicht verzichten, sonst wäre das kein Abruzzen-Ostern", sagten Bebengeschädigte. Die Osterkuchen aus Hefeteig in Taubenform waren gespendet worden, 500 Lämmer waren für ein Ostermahl in den Abruzzen angekommen. Weil Regen einsetzte, schickte der Zivilschutz am Ostermontag noch mehr Öfen und Decken.

Ein "Oster-Wunder" fand nicht statt - es gab keine Rettung in letzter Minute mehr. Die 20-jährige Eleonora war die letzte, die in L'Aquila lebend aus den Trümmern gezogen werden konnte. Und das war 42 Stunden nach dem nächtlichen Erdstoß vom 6. April. Das schlimmste Beben in Italien seit 1980 hat damit mindestens 294 Menschen getötet - es wird nicht mehr gesucht. Keiner kann jedoch ausschließen, dass unter den Trümmern noch immer Menschen liegen, die niemand vermisst.

Durch die zahlreichen starken Nachbeben nimmt die Zahl der vorerst Obdachlosen in der Bergregion weiter zu. Waren zuvor bereits 18.000 Menschen in Zeltstädten untergebracht, so kamen am Sonntag nochmals Tausende dazu. Betroffen sind neben den Bewohnern der eingestürzten Häuser all jene, deren beschädigte Wohnungen überprüft werden müssen.

Derweil hat die Staatsanwaltschaft in L'Aquila Ermittlungen gegen unbekannt wegen möglichen Pfuschs am Bau aufgenommen, da auffallend viele jüngere Häuser eingestürzt sind. In einigen Fällen scheint beim Bau Zement mit Sand aus dem Meer gestreckt worden zu sein, was die Häuser anfällig gemacht haben könnte. Staatsanwalt Alfredo Rossini will den Wiederaufbau aber auch vor der organisierten Kriminalität schützen: "Wir stehen in Kontakt mit unseren nationalen Anti-Mafia-Kollegen, der Wiederaufbau könnte den Appetit der Mafia wecken."

DPA

 
 
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