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11. Juli 2005, 17:42 Uhr

Neue Spekulationen um Attentäter

Britischen Medien zufolge wird angeblich nach einem terrorerfahrenen Syrer gefahndet. Der Ex-Chef von Scotland Yard meint allerdings, dass die Täter britische Staatsbürger seien.

Zoom

Links ist das Loch zu sehen, das durch die Explosion in dem Zug entstand© Metropolitan Police/AP

Drei Tage nach den Bombenanschlägen in London haben die britischen Sonntagszeitungen in mehreren Berichten über die möglichen Urheber spekuliert. Die "Sunday Times" und der "Sunday Telegraph" schrieben, der mutmaßliche Drahtzieher der Madrider Anschläge vom 11. März 2004, Mustafa Setmarian Nassar, gehöre allem Anschein nach auch in London zu den Tätern, deren genaue Zahl noch nicht bekannt sei. Die Polizei wollte sich nicht zu diesen Berichten äußern.

Nassar, ein untergetauchter Syrer, soll bei der Gründung einer Al-Kaida-Zelle in Spanien eine wichtige Rolle gespielt haben. Er wurde vom spanischen Richter Baltasar Garzon auch mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington in Verbindung gebracht. Die Vereinigten Staaten haben fünf Millionen Dollar für Informationen ausgesetzt, die zu seiner Ergreifung führen.

Die "Mail on Sunday" nannte einen weiteren Syrer als Tatverdächtigen - Abu Mussab al Suri. Er soll der Operationschef von Al Kaida in Europa sein.

"Täter sind sicher Briten"

Der ehemalige Scotland-Yard-Chef Lord John Stevens ist davon überzeugt, dass die Terroranschläge in London von britischen Moslems verübt wurden. "Es ist nahezu sicher, dass die Terroristen in Großbritannien geboren und aufgewachsen und mit dem Leben und den Wertvorstellungen in Großbritannien völlig vertraut sind", schrieb Stevens in einem Beitrag für die Zeitung "News of the World". "Ja, ich habe auch gehört, dass einige Experten sagen, es könnten algerische Terroristen gewesen sein oder Marokkaner oder Angehörige anderer Nationalitäten. Aber das ist gefährliches Wunschdenken - eine schädliche Illusion."

Lord Stevens, der im Januar pensioniert wurde, verwies darauf, dass schätzungsweise 3000 Moslems in den afghanischen Lagern von Osama bin Laden ausgebildet worden seien. Die Zeitung "The Sunday Telegraph" berichtete dagegen, die Polizei glaube, dass die Anschläge das Werk eingereister Terroristen aus Kontinentaleuropa oder Nordafrika seien.

Marokkaner wehrt sich gegen Verdächtigungen

Der von britischen Zeitungen nach den Bombenanschlägen als Terrorverdächtiger bezeichnete Marokkaner Mohammed al-Gherbouzi hat sich gegen den Vorwurf gewehrt. Er sei nach den Anschlägen von London auch nicht wie berichtet untergetaucht, sagte er dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira. "Die britische Polizei sucht nicht nach mir, sie weiß, wo ich bin", sagte der Islamist. Der ebenfalls in London lebende ägyptische Islamist Hani al-Sebai sagte der Zeitung "Al-Hayat", Al-Gherbouzi sei auch wie gewöhnlich zum Freitagsgebet in der Moschee erschienen.

Die Zeitung "The Independent" hatte berichtet, London habe die Nachrichtendienste mehrerer europäischer Länder um Informationen über den Verbleib von Mohammed al-Gerbouzi gebeten. Nach Informationen deutscher und französischer Sicherheitsbehörden habe Al-Gerbouzi Verbindung zu den jordanischen Topterroristen im Irak Abu Mussab al-Sarkawi, schrieb das Blatt weiter.

Reuters/DPA
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