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Wenn der Betreuer klingelt

Wohl jeder will den 43-Millionen-Euro-Jackpot knacken. Was demjenigen blüht, der die Summe tatsächlich gewinnt, weiß kaum jemand so gut wie Bernd Willers, Betreuer für Großgewinner bei West-Lotto. Im stern.de-Interview verriet er, wie Glückspilze sich am besten verhalten.

Von Karin Spitra

  • Karin Spitra

39 Bugatti Veyron für je 1,1 Millionen Euro, sechs Tonnen Beluga Kaviar, eine mittelgroße Luxusyacht - oder vier Diamanten-BHs von Victoria's Secret: Wer den Lottojackpot von rund 43 Millionen Euro knackt, kann sich eine Menge Wünsche erfüllen. Kein Wunder, dass die Lotto-Annahmestellen gestürmt werden. Auch bei den Lottogesellschaften der einzelnen Bundesländer macht sich langsam Spannung breit. Für Bernd Willers, Großgewinnerbetreuer bei WestLotto, ist es dennoch ein ganz normaler Arbeitstag: "Natürlich sind wir schon gespannt, ob jemand aus Nordrhein-Westfalen den Jackpot geknackt hat. Aber das wissen auch wir erst am Donnerstag Morgen."

"Sicher schon tausend Gespräche" hat Willers mit glücklichen Gewinnern aus dem bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland geführt. Dabei sei der Vorgang an sich immer gleich: Die Gewinner würden sich telefonisch an die zuständige Lottogesellschaft wenden. "In NRW tun sie das schon ab einer Gewinnsumme von 5000 Euro", berichtet Willers, in anderen Bundesländern würden andere Grenzen gelten. Dann muss der Anrufer seine Spielquittungsnummer nennen - und wenn dem Schein tatsächlich ein Großgewinn zugeordnet ist, wird er zu Bernd Willers durchgestellt.

Dessen erster Rat am Telefon lautet dann: "Erzählen Sie es erstmal niemandem." Höchstens mit dem Ehepartner oder erwachsenen Kindern könne man über einen Lottogewinn reden - "für den Rest empfiehlt sich Schweigen." Dann vereinbart Willers einen Termin mit dem glücklichen Gewinner und fährt hin: "Es ist wichtig, mit den Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu sprechen." Außerdem sei das hilfreich, um sich ein Bild von der Person zu machen: Gespräche mit Lottogewinnern erfordern viel Fingerspitzengefühl, denn die meisten Gewinner stehen anfangs unter Schock.

Immer die gleichen Fragen

Willers berät, geht auch - wenn gewünscht - mit zur Bank, kommt auch gerne noch ein zweites oder drittes Mal. "Aber das kommt nicht oft vor. Wenn ich bei denen an der Tür klingele, ist meist schon die erste Euphorie wieder verflogen, weil dann seit der Ziehung der Gewinnzahlen schon ein oder zwei Tage vergangen sind", so Willers. Dann kämen erfahrungsgemäß immer die gleichen Fragen: "Wann kommt das Geld? Wie kommt das Geld? Was bekommt das Finanzamt?" Die meisten Gewinner seien bass erstaunt, dass die Lottogesellschaft das Geld schon nach einer Woche überweist. Das Finanzamt bekommt übrigens nichts davon, der Gewinn ist steuerfrei - die Erträge, die man mit dem Gewinn erzielt, allerdings nicht! Auch das Verschenken von Geld an Familienangehörige oder Freunde kann beim Beschenkten Steuerpflichten auslösen, wenn die vorgesehenen Freibeträge überschritten werden.

"Die meisten Leute sind viel vernünftiger, als man glaubt", erzählt der Lotto-Mann. Ein Haus, ein Auto, ein Urlaub - vielleicht noch einzelne Familienmitgliedern etwas Gutes tun - der Rest wird für später angelegt. So etwa verfährt der durchschnittliche Lottogewinner mit seinem Geld. Die Schauergeschichten über Gewinner, die innerhalb kürzester Zeit alles verprassen, seien absolute Einzelfälle.

Es gibt auch Tragödien

Und dass es meist Spaß mache, Schicksal zu spielen, erzählt Willers auch. So wie im Fall einer jungen Mutter von drei Kindern, die unverschuldet in eine schlimme finanzielle Notlage kam. "Als ich bei der saß, und sie auf einen Schlag mit dem Lottogewinn ihre Sorgen los war, da hatte ich schon das Gefühl, dass wir von der Lottogesellschaft auch viel Gutes tun." Da hätte ihm sein Job richtig Freude gemacht.

Doch es gäbe auch kleine Tragödien. Wie die vom alten Mann, der weinend in der Küche saß, als Willers zu ihm kam. "Dem war vor kurzem die Frau gestorben und er selbst hatte erst vor wenigen Tagen erfahren, dass er unheilbar krank ist. Da merkt man wieder, dass viel Geld auch nicht immer glücklich macht", so Willers. Doch das seien - Gott sei Dank - die Ausnahmen: "Die meisten Menschen freuen sich riesig über den Gewinn." Auch er selber hätte nichts dagegen - Willers spielt selbst Lotto. "Immerhin sind die Stunden vor der Ziehung doch die schönsten - wenn man sich ausmalt, was man mit dem ganzen Geld macht."

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