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29. Juli 2010, 07:15 Uhr

"Sauerland muss weg"

Er selbst weist die Schuld von sich, doch viele andere sehen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland in der Verantwortung für die Katastrophe vom Samstag. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft beispielsweise und ihr Innnenminister. Erste Duisburger gehen gegen Sauerland auf die Straße.

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Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland© Henning Kaiser/DDP

Nach der Katastrophe bei der Loveparade kämpft Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland gegen den Vorwurf, er sei für das Unglück mitverantwortlich. Andere Menschen sehen das anders, und die sind für die Geschicke in Nordrhein-Westfalen nicht ganz unwichtig. Beispielsweise Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: "Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagte sie der "Rheinischen Post". Auch Innenminister Ralf Jäger plädiert für einen Rückzug Sauerlands. "Die Frage der moralischen Verantwortung, diese Frage muss Herr Sauerland, glaube ich, jetzt ganz schnell für sich beantworten", sagte er Reuters TV. Bei der Loveparade waren am Samstag 21 Menschen erdrückt und mehr als 500 Raver verletzt worden.

Bei einer Protestkundgebung vor dem Duisburger Rathaus forderten auch mehrere hundert Demonstranten den Rücktritt des CDU-Politikers Sauerland. "Sie haben alle Warnungen missachtet, keiner hier will Sie noch als Oberbürgermeister haben", sagte der der Organisator der Kundgebung, der Duisburger Markus Schröder. "Sauerland muss weg", skandierte die Menge.

Doch er selbst will davon - noch - nichts wisssen. "Persönliche Verantwortung kann es nur geben, wenn es ungerechtfertigte Eingriffe in den Prozess gegeben hätte. Diese gab es aber nicht." Die Verwaltung habe dem Sicherheits- und Veranstaltungskonzept zugestimmt. "Jetzt gilt es zu klären, ob die Verwaltung Fehler gemacht hat, oder ob sie falsch informiert wurde."

Innenminister erwartet Strafverfahren

Der CDU-Politiker besteht darauf, keine Genehmigung für die Techno-Party am vergangenen Samstag unterschrieben zu haben. "Das ist gar nicht der Job des Oberbürgermeisters, Genehmigungen zu unterschreiben", sagte er der "Bild"-Zeitung

Zu einem Rücktritt, wie er wiederholt gefordert wurde, sagte Sauerland: "Ich habe mein Leben - 21 andere Menschen haben es verloren. Ich will erst wissen, warum. Dann entscheide ich über persönliche Konsequenzen." Er klebe nicht an seinem Stuhl, sondern wolle helfen, die Katastrophe aufzuklären.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zeigte sich am Mittwochabend in der ARD überzeugt, dass die Ermittlungen in Strafverfahren münden würden. "Da wird natürlich der Staatsanwalt auch die Rolle der Stadt Duisburg da zu prüfen haben." Die Verantwortung für die Massenpanik sieht Jäger indes bei Loveparade-Chef Rainer Schaller. Der gab sich am Abend zurückhaltend. Jägers Vorwürfe gegen ihn müssten nun sehr genau geprüft werden, teilte Schaller mit.

Bundesregierung ordnet Trauerbeflaggung an

Jäger betonte: "Ausschließlich der Veranstalter ist für die Sicherheit der Menschen in dem Veranstaltungsraum zuständig - niemand anderes." Aufgabe der Polizei sei gewesen, außerhalb des Veranstaltungsgeländes am früheren Güterbahnhof für Sicherheit zu sorgen. Die Polizei habe verhindert, dass es nicht noch mehr Tote und Verletzte gab.

Bei den gegenseitigen Schuldzuweisungen legte auch der Duisburger Baudezernent Jürgen Dressler nach. Ähnlich wie zuvor bereits Schaller machte er die Polizei für das Desaster verantwortlich. "Der Tunnelbereich gehörte zum öffentlichen Raum außerhalb des Veranstaltungsgeländes. Für die Sicherheit im öffentlichen Raum ist die Polizei zuständig", sagte Dressler der "Rheinischen Post". Dresslers Behörde war für die Genehmigung der Loveparade in Duisburg zuständig.

Am Samstag - eine Woche nach der Katastrophe - sollen die Fahnen in Deutschland auf halbmast wehen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete zur Gedenkfeier Trauerbeflaggung an. Der ökumenische Gottesdienst findet um 11 Uhr in der Duisburger Salvatorkirche statt. Wegen des erwarteten Andrangs werden vor der Kirche Lautsprecher aufgestellt. Neben Bundespräsident Christian Wulff hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt.

In der Nacht zum Mittwoch hatte sich die Zahl der Toten auf 21 erhöht. Eine 25-Jährige aus Heiligenhaus bei Essen starb im Krankenhaus. Damit kamen bisher 13 Frauen und 8 Männer im Alter von 18 bis 38 Jahren ums Leben. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

mad/APN/DPA/AFP
 
 
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